Die Jungen sollen es in der CDU richten

Von "Blick vom Fernsehturm" 

Sillenbuch. Der Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann gibt den Vorsitz bei den örtlichen Christdemokraten ab. Von Rüdiger Ott

Sillenbuch. Der Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann gibt den Vorsitz bei den örtlichen Christdemokraten ab. Von Rüdiger Ott

Eine Übertreibung ist das sicherlich nicht. Mit Stefan Kaufmanns Abgang nach Berlin vor einem Jahr ging in Sillenbuch eine Ära zu Ende. Nun vollzog der Christdemokrat, dem das Kunststück gelang, ohne Umwege den Sprung vom Bezirksbeirat in den Bundestag zu schaffen, das letzte Kapitel. Bei der Mitgliederversammlung der CDU-Bezirksgruppe am vergangenen Mittwoch stellte er sich nicht mehr zur Wahl des Vorsitzenden. "Natürlich ist Melancholie dabei. Sillenbuch ist meine politische Heimat. Und viele von denen, die heute während der Sitzung dabei sind, habe ich für die CDU gewonnen", sagte er.

Die Lücke, die er hinterlässt, wird nur schwer zu schließen sein. Unter Kaufmanns Leitung hatte sich die Bezirksgruppe zu einer der erfolgreichsten in ganz Deutschland gemausert. Die Zahl der Mitglieder hatte sich von 150 auf derzeit 289 fast verdoppelt. 2008 war er dafür von Ronald Pofalla, dem damaligen Generalsekretär der CDU und dem heutigen Chef des Bundeskanzleramts, ausgezeichnet worden. Aber nach siebeneinhalb Jahren soll ein anderer ran. Jemand, der noch im Ort wohnt und nicht ständig zwischen Berlin und Stuttgart pendelt.

Derjenige freilich stand schon vor der Wahl fest, die somit zur Proforma-Veranstaltung wurde. Als einziger Kandidat hatte sich Hendrik Warda aufstellen lassen. Prompt wurde der 31-Jährige mit 47 Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen gewählt. Damit wurde ein Generationenwechsel eingeläutet. Nicht etwa ein altgedienter, erfahrener Lokalpolitiker soll in die Fußstapfen des 41-jährigen Kaufmann treten, sondern mit Warda ein noch jüngerer Mann. Hendrik Wolff etwa, der jahrelang an der Seite Kaufmanns für die CDU in Sillenbuch gearbeitet hatte, wollte aus beruflichen Gründen nicht weitermachen.

Dazu passt, dass die beiden Stellvertreter Wardas fast genauso alt sind wie er. Sabrina Aschbacher, die im Amt bestätigt wurde, ist 29 Jahre alt, Christian Wirtz 32. Das löste zumindest bei einigen Christdemokraten Irritation aus. Schließlich lag der Altersschnitt bei der Versammlung jenseits der 50. "Kenne ich eigentlich noch jemanden?", fragte einer stellvertretend für viele. Dabei ist Warda mit seinen jungen Jahren in den höheren Kreisen der Partei bestens bekannt, allerdings nicht vor Ort und schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Im Kreisvorstand der Stuttgarter CDU ist er Pressesprecher. 2005 leitete er den Bundestagswahlkampf von Jo Krummacher, 2009 den von Stefan Kaufmann. Sieben Jahre lang arbeitete er für den Landtagsabgeordneten Klaus Herrmann. Inzwischen beschäftigt er sich als Referent im Staatsministerium mit politischen Strategiefragen.

"In der CDU bin ich sicherlich schon heute gut vernetzt", sagt er. Draußen "muss ich mich erst noch bekannt machen, bei Vereinen und auf Festen. Das ist eine Fleißarbeit".

Die Fleißarbeit müssen auch noch andere leisten. Denn insgesamt ist jedes zweite Gesicht im zwölfköpfigen Vorstand ein neues. Gleichwohl verspricht Warda, dass in der Sillenbucher CDU alles beim Alten bleiben soll. "Es wäre fehl am Platz, wenn ich alles neu machen wollte", sagte er. "Ich werde schon genug damit zu tun haben, das Bestehende fortzuführen." Unter dem Bestehenden versteht er vor allem die Kulturreihe der örtlichen Christdemokraten und den politischen Stammtisch, dem Warda einen regelmäßigen Rhythmus verordnen will.

Doch schon am Mittwoch wurde deutlich, dass Warda von seinem Förderer Kaufmann zumindest eines nicht gelernt hat: diplomatische Zurückhaltung. Ziemlich unverblümt zog er beim Thema Stuttgart 21 über die Grünen her. "Sie rufen sich Söldner von Greenpeace, sie holen sich Söldner von Robin Wood", sagte er etwa. Und wetterte in einem weiteren Satz auch gleich über "den Oberhäuptling der Parkschützer", Matthias von Herrmann, der in Heumaden wohnt.

Damit schlug Warda zumindest rhetorisch die gleiche Gangart an wie vor ihm schon Benjamin Völkel. Der Vorsitzende der Jungen Union in Stuttgart hatte Anfang des Jahres beim selben Thema über "die Alten" gewettert, deren "überhebliche Verhinderungspolitik" ihn anwidere.

Redaktion Degerloch

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Cedric Rehman
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