Seit den Morden an türkischen Mitbürgern durch Menschen aus der rechten Szene fragen sich viele, wie die braune Soße aus dem Denken von Menschen entfernt werden kann. Es ist keine Frage, dass der Mensch angeborenermaßen eine Hemmung hat, Menschen zu ermorden, es sei denn, eine angeeignete Ideologie baut diese Hemmschwelle ab. Dies ist in Kriegen der Fall, dies ist bei religiösen Fanatikern so, dies ist in den rechten und linken Ideologien so. Die Ideologie steht über der Würde und dem Lebensweg eines Menschen. Es war tatsächlich der jüdisch-christliche Glaube, der einem jeden Menschen eine eigene unverlierbare Würde aufgrund seiner Gottesebenbildlichkeit zusprach.
Am vergangenen Sonntag wurde in der katholischen Kirche der Christkönig-Sonntag gefeiert. Die Entstehungsgeschichte dieses Gedenktages liefert einige interessante Daten zu unserem Thema. Der Christkönigsonntag wurde im Jahre 1925 aus Anlass des vor 1600 stattgefundenen ökumenischen Konzils von Nicäa eingeführt. Der geschichtliche Hintergrund war jedoch noch ein anderer. Nach dem ersten Weltkrieg brachen in Europa nahezu sämtliche Kaiserreiche zusammen, das deutsche Kaiserreich, das österreichische wie das russische Kaiserreich. In Deutschland war in dieser Zeit schon mächtig das Aufkommen des Nationalsozialismus zu spüren.
Der Dreifaltigkeitssonntag war damals der Sonntag, an dem die Glaubenden ihre Zustimmung zum Menschenbild Jesu feierten. Dazu gingen sie auf die Straßen mit Umzügen und Fahnen, auch um ein Gegengewicht gegen die Ideologie des Nationalsozialismus zu schaffen. Als nun die Nationalsozialisten auf diesen Tag ihr Reichssportfest legten, verlegten die Jugendverbände ihren Bekenntnissonntag auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr, eben das heutige Christkönigsfest. Durch dieses Bekenntnis zum Menschenbild Jesu wurden dann tatsächlich viele Glaubende gegen die braune Soße immun. Mancher Widerstand lässt sich aus diesen massiven Demonstrationen herleiten.
Christus als König zu ehren ist heute sicher problematisch geworden. Der Titel muss jedoch vom Verhalten Jesu selbst her interpretiert werden, dass er sein Reich in Gott selbst gründete und dass er die gängigen Königsbilder durch die Dornenkrone ad absurdum führte.
Es ist tatsächlich eine Grundfrage unserer Zeit, welches Menschenbild derzeit die Gedanken der Menschen besetzt. Gleichgültig, wo wir hinschauen, zumeist spielen Kapital, Hedonismus, Karriere oder Macht die Hauptpunkte. Wir können dies nicht an sich als schlecht bezeichnen. Aber wo der humane Hintergrund ausgeblendet wird, da ist es dann nicht mehr weit, den Menschen selbst zu negieren, wenn er einem im Wege steht. Was soll den Menschen auch abhalten, diese Wege einzuschlagen? Kirchen, Schulen, Vereine, alle gesellschaftlichen Kräfte stehen vor der großen Herausforderung, sich über ihr Menschenbild Gedanken zu machen, zu versuchen, die Gedanken der Menschen zu erreichen und ein Menschenbild mitzuprägen, das um die Würde eines jeden Menschen weiß. Letztlich wird dies nicht ohne eine metaphysische Grundlegung gelingen.
Kommenden Sonntag feiern wir in den Kirchen den ersten Advent. Es beginnt wieder die Annahme, dass Jesus erst an Weihnachten geboren werden würde. Es lohnt tatsächlich, sich in eine Situation zu versetzen, in der Jesus wieder geboren wird, wieder seine Worte spricht, wieder deswegen gekreuzigt und von Gott in der Auferstehung bestätigt wird. Durch so ein Mitgehen wird ein Menschenbild bestärkt, dass um die Göttlichkeit eines jeden Menschen weiß und das dazu ermutigt, ähnliche Wege zu gehen.