Die Gegensätze sind nicht auszuräumen

Von "Fellbach und Rems-Murr-Kreis" 

Schmiden. Klaus Arnoldi und Gerhard Heimerl haben die Projekte Stuttgart 21 und Kopfbahnhof 21 kontrovers diskutiert. Von Sascha Sauer

Schmiden. Klaus Arnoldi und Gerhard Heimerl haben die Projekte Stuttgart 21 und Kopfbahnhof 21 kontrovers diskutiert. Von Sascha Sauer

Zwei Männer, zwei verschiedene Vorstellungen, wie die Zukunft des Bahnknotens Stuttgarts aussehen soll. Auf der einen Seite Klaus Arnoldi, Vorstandsmitglied des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und Befürworter von K 21, der Variante also, die Erhalt und Ertüchtigung des bestehenden Kopfbahnhofes vorsieht. Auf der anderen Seite der Verkehrswissenschaftler Gerhard Heimerl, der als "geistiger Vater" von Stuttgart 21, also der Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofes und damit der Schaffung eines Durchgangsbahnhofes gilt.

Unter dem Motto "Stuttgart 21 nach der Schlichtung" sollten die beiden Gastredner mit einleitenden Referaten zum Thema hinführen. Keine leichte Aufgabe, die öffentlich schon vielfach durchgekauten Pläne von S 21 und K 21 dem Publikum neu aufzubereiten. Es ist wie ein Essen, das immer wieder aufgewärmt wird - und dann doch nicht allen schmecken will.

Der Ältestenrat des Gemeinderates hatte im Vorfeld per Los entschieden: Der K 21-Befürworter Klaus Arnoldi durfte den Abend mit seinem Vortrag eröffnen. "Der Schlichter hat gesprochen, die Gegensätze bleiben", sagte er. Arnoldi zeigte sich enttäuscht über Heiner Geißlers Schlichterspruch: "Ich hätte mir einen Baustopp gewünscht." Dass Geißler Kritikpunkte der Projektgegner aufgenommen hat, wertete Arnoldi zumindest als Punktsieg. "Es hat gezeigt, dass man einiges Geld reinstecken muss, um S 21 fahrbar zu machen."

Arnoldi betonte, dass Stuttgart 21 kein Bahnprojekt, sondern ein Stadtentwicklungsprojekt sei. "Es ist eine Kopfgeburt von einigen wenigen Politikern und es ist nicht demokratisch diskutiert worden." Während er das Alternativkonzept K 21 als durchweg gelungen präsentierte, übte er an S 21 Kritik ("Der Tunnelbahnhof hat eine gefährliche Schräglage"). Außerdem hätten die Planer nicht an die Fahrgäste gedacht, so Arnoldi. "Reisen ist kein Erlebnis mehr, wenn ich in Zuffenhausen in den Tunnel fahre und erst wieder auf den Fildern ans Licht komme."

Der Verkehrswissenschaftler Gerhard Heimerl konzentrierte sich in seinem Vortrag vor allem auf die Geschichte von Stuttgart 21 und erinnerte an die Anfänge. "Es bestand die berechtigte Sorge, dass der Hochgeschwindigkeitsverkehr an Stuttgart vorbeifährt", sagte Heimerl.

Der Aussage von Arnoldi, dass Stuttgart 21 von Anfang an ein Stadtentwicklungsprojekt gewesen sei, widersprach Heimerl vehement. Es sei zunächst ein Projekt des Fernverkehrs, dann zu einem Projekt des Fern- und Regionalverkehrs geworden. "Erst mit der Entscheidung im Jahr 1994, alles in die Tieflage zu bringen, wurde es auch ein städtebauliches Projekt", sagte Gerhard Heimerl.

Ebenso ließ der Verkehrswissenschaftler die Aussage seines Vorredners ("K 21 hat die doppelte Leistung von S 21") nicht gelten. "Es ist international unstrittig, dass ein Kopfbahnhof doppelt so viele Gleise braucht wie ein Durchgangsbahnhof", sagte Heimerl.

Und was hält er vom Konzept der Gegner? "K 21 ist zwar realisierbar, aber es gibt bis heute keine Planfeststellung und keine Überlegungen zu dessen Finanzierung", sagte Gerhard Heimerl.

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