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Dialekt Zu dick angezogen und unbeweglich?

Roland Groner, vom 31.10.2011 15:13 Uhr
 Foto: Grafik/Lange
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Leserin Lore Wahl aus Althütte fragt nach der Herkunft des Wortes "Pfoagåd". Sie meint, dass dieser Ausdruck benutzt wird, wenn jemand zu dick angezogen ist und daher zu unbeweglich wirkt.

Was hier zur Untersuchung vorgestellt wird, ist schon eine harte Nuss. Ob sie geknackt werden kann, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar; denn einerseits ist "Pfoagåd" dem Autor nicht bekannt, und andererseits geben die einschlägigen Nachschlagewerke keine Auskunft. Da auch die schriftliche Form keine deutlichen Hinweise gibt - der Doppellaut "oa" kann verschiedene Quellen haben -, lässt sich auch vom Sprachklang her keine Spur ableiten. Einige Wochen später: Ein purer Zufall deutet eine mögliche Fährte an. In Fischers Schwäbischem Handwörterbuch tut sich bei dem Wort pfurpfå ein Lichtlein auf. Außer pfurpfå gibt es auch die Ausspracheformen pfurpflå, pfurbå, pfurgå und pfòrgå, und auf das letzte Wort kommt es an. Dabei ist zu erwähnen, dass im Schwäbischen ein "ò" gern zu einem "òå" umgewandelt wird und zusätzlich der Mitlaut r ausfällt wie bei Zòån, Wòåt, vòånå und so auch bei pfòågå. Dieses pfòågå bedeutet wie die anderen Formen "schlecht nähen, spez. so, dass Falten entstehen". Mit Pfurpfåre wird eine schlechte Nähre betitelt.

Dass Näherinnen in früheren Jahrhunderten nicht unbedingt auf Maß geschneidert haben, dürfte auf der Hand liegen. Denn wo die Kleidung zu weit genäht ist, bilden sich unwillkürlich Falten, welche das Häß aufbauschen und die Figur insgesamt unförmig machen. Das Wort bauschå hat unter anderem auch die Bedeutung von "schwellen, weit hinaus stehen". Nebenbei: Die weibliche Tracht auf der Baar hat einen auf der Hüfte aufliegenden Bausch. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Endung -åd oder -åde, eine Spezialität im Schwäbischen. Wir Schwaben können so gut wie alle Tätigkeiten, Geschehnisse, Wahrnehmungen mit Begriffen zum Ausdruck bringen, die jeweils mit dieser Endung aufhören: å Bachåde, å Driålåde, å Motzåde . . . Mit dieser Nachsilbe ist alles, was mit dem jeweiligen Vorgang zusammenhängt, also der Ablauf, das Drumherum, die Umstände sowie insbesondere das Ergebnis, gemeint. Dies gilt auch für å Pfòågåd(e).

Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Dieter Schittenhelm aus Holzgerlingen. Er schickt eine kleine Geschichte voraus: "Im Schönbuchdorf Holzgerlingen mit seinen über 40 Schreinereien genossen die Wanderschäfer kein großes Ansehen. Der Feldschütz war angewiesen, die durchziehenden Schäfer nach Möglichkeit von der Markung fernzuhalten. Dies geschah manchmal mit deftigen Sprüchen. Der ,Leisa-Nagel', ein richtiges Original, betrachtete die Schäfer unter anderen Aspekten: Als er wieder omal Vadder woarde ischt und die Nochbere seim Weib ens Kendbettle a guats Süpple brocht hat, damit se wieder zu Kräfte kommt, guggte der ,Leise-Nagel' ganz gierig uff des Schüssele ond hot g'sait: ,Au es Böckle braucht a guats Häberle!"'

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