Stuttgart - „Besonders interessiert mich das Wort ,zogaarta‘. Es bedeutete, einen kleinen Besuch in der Nachbarschaft machen. Auch wenn sich jemand verspätete, der beim Baatschen irgendwo hängen geblieben ist, fragte man: ,Warsch zogaarta?‘.“ Dies schreibt die siebzigjährige, aus dem Kreis Tuttlingen stammende Rosemarie Bauer. Es ist schon ein sprachliches Phänomen, dieses Wort „zogaardå / zogaadå“. Die Bedeutung, welche Leserin Bauer beschreibt, stimmt einwandfrei, aber worauf geht „zogaardå“ zurück?
In Fischers „Wörterbuch“ wird man bei „Zogarten“ auf das Wort „Heimgarten“ verwiesen, wo erklärt wird „jede Zusammenkunft zum Zweck der Unterhaltung“. Genaueres findet sich im „Deutschen Wörterbuch“: „gemeindegarten, der vor einem heim gelegene, mit bäumen bestandene platz, auf den sich die gemeindeglieder zu spiel, unterhaltung und zwiesprache einzufinden pflegten“. Im Althochdeutschen, also vor mehr als 1000 Jahren, wurde der Garten „gart“ genannt, insofern sprach man damals und später vom „heimgart“ in den Formen: haimgart, haingart.
Für den Schweizer Sprachforscher Franz Joseph Stalder war „Heimgarten“ um 1800 noch über das ganze alemannische und bayrische Sprachgebiet als „Hangerte, Hängerte, Hängert“ verbreitet. Dazu eine kleine Anmerkung: Diese sprachliche Entwicklung erinnert stark an den Werdegang des Namens „Stuttgart“, das ursprünglich „stuotgart“ hieß, heute noch als schwäbisches Schduågå(r)t existiert und wo das „gå(r)t“ nur noch eine unbetonte Silbe ist.
Wie jedoch kann aus einem Heimgart ein „Zogaadå“ werden? Zunächst ist zu erwähnen, dass im Schwäbischen das Wort Garten mit einem lang gedehnten „a“ und je nach Region mit Ausfall des „r“ als „Gaardå“ bzw. „Gaadå“ gesprochen wird. „In den Heimgarten gehen“ heißt somit im Schwäbischen „enn då Hõãgaadå gãõ“ (oder Hõêgaadå). Im südwestlichen Sprachbereich wird statt „in“ die Präposition „zu“ als verkürztes „z“ verwendet, so dass man dort sagt: „z’Hõãgaadå gãõ“.
Im Laufe der Zeit hat sich die Silbe „Hõã“ verkürzt zu „Ho“, was dann auch noch den Ausfall des „h“ bewirkte. Übrig blieb bei diesen verschiedenen Veränderungen ein etwas verstümmeltes, mit kurzem „o“ gesprochenes „Zogaadå“, wobei die Betonung auf „zo“ liegt. Dieses Substantiv wurde obendrein als Verb benutzt, so dass man unter „zogaadå“ auch versteht: „einen Besuch machen, in Gesellschaft sein, plaudern“.
Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Leser Rolf Hofmann aus Wolfschlugen. Er schreibt: „Ein Schulkamerad meines Vaters hatte einen Spruch auf Lager, den ich sonst von niemandem mehr hörte. Ich war ca. zehn Jahre alt, aber vergessen habe ich ihn nie. Ich bringe ihn heute bei Generationenproblem ab und zu selber an: ,Narr, I sag doch ewel wenn d’ Jonge heiraded, gheired de Alde als Haurzichsbroda uf dr Disch!‘ Übersetzt. ,Ich sag es doch immer, wenn die Jungen heiraten, gehören die Alten als Hochzeitsbraten auf den Tisch.‘“