Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [0.00/0]

Dialekt Was bedeutet das Wort Dobe?

Roland Groner, vom 24.10.2011 09:15 Uhr
 Foto: Grafik/Lange
Foto: Grafik/Lange

Leser Werner Kimmel aus Stuttgart schickt uns ein Gedicht mit dem Titel "Spätzle schärre", in dem es an einer Stelle heißt: "Spätzle schabe, Spätzle schärre / (koine groaße wüaschte Flärre!) / mueß ma könne bei de Schwobe; / dazue hent mir gschickte Dobe." Als Anmerkung steht dabei: "Im ganzen Bekanntenkreis hat noch niemand das Wort Dobe gehört."

Vermutlich wüsste jemand von den Bekannten, was "Dobe" bedeutet, wenn es mit einem zusätzlichen Zeichen versehen wäre. Dieser Ausdruck wird nämlich nicht mit dem üblichen "O", sondern mit einem sogenannten offenen O gesprochen, so wie jò dò, Schwìb. Alle diese Wörter haben in ihrer deutschen Form ein "langes A", das im Schwäbischen sehr oft als ì gesprochen wird.

So auch Dòbå, das die Mehrzahl von Dòb darstellt, das wiederum auf das alte Wort "Tappe" zurückgeht. Im Schwäbischen ist å Dòb beziehungsweise å Daob oder å Dòåb die Pfote eines Tieres, insbesondere des Hundes und der Katze, mit den Verkleinerungsformen å Däble, å Daeble oder å Däåble.

Auch die Hand oder die Finger von uns Menschen werden in spöttischer oder scherzhafter, aber auch in verärgerter Weise als Dòbå bezeichnet: "Duå ao dãêne Dòbå dò wäg!" ist eine oft zu hörende Aufforderung.

Zu Dòb gehört das Verb dòbå (tapen) in der Bedeutung "unsicher oder blindlings nach etwas tasten". "Wa dòbåscht denn mòl wiedr dò romm?" kann beispielsweise jemand fragen, wenn ihm das andauernde Suchen seines Gegenübers auf die Nerven geht.

Eng verwandt beziehungsweise in manchem gleichbedeutend mit "tapen" ist das Verb "tappen". Da es ein kurzes "A" besitzt, wird es nicht mit dem "offenen O" gesprochen, sondern so, wie es geschrieben ist, mit einem "A".

Im Schwäbischen als dabbå gesprochen bedeutet es überdies "ungelenk gehen" beziehungsweise "sich ungeschickt verhalten". "Dò be-n-e enn å schene Sach nãêdabbåt", ist der Kommentar, wenn man mit einer Entscheidung und deren Folgen nicht zufrieden ist.

Hier kurz vorgestellt noch einige Begriffe, die zu "tappen" gehören: Dabbr (unter anderem Fingerabdruck am Fenster, Fußstapfe), Dabbr / Däbbr (Hausschuh), dabbig (ungeschickt), däbbålå (mit kurzen, kleinen Schritten gehen).

Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Leserin Christa Dietz aus Ötisheim, die sich beim Lesen unserer Kolumnen an Sprüche aus ihrer Kindheit erinnert fühlt. Sie zitiert einen Spruch ihrer Mutter: "Rega, rega Tropfa, alle Weiber hopfa, hopfet en dr Küche rom ond schmeißat alle Häfa om."

Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, Stichwort: Schwäbisch, Fax: 0711/ 7205- 7309;land@stn.zgs.de

Kommentare (1)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Anzeigen
NOV
12
18:42 Uhr, geschrieben von schwoob
o-i
"...sondern mit einem sogenannten offenen O gesprochen, so wie jò dò, Schwìb. Alle diese Wörter haben in ihrer deutschen Form ein "langes A", das im Schwäbischen sehr oft als ì gesprochen wird." Schade, dass hier die Typografie alles durcheinanderbringt - hat das asci-Teufelchen zugeschlagen ?
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
0
Kommentar bewerten
Hornissen im Kreis Calw
Gottfried Quinzler kam als Kind oft nach Gechingen. Dort fiel im das Wort „’s Ureisele“ für Hornisse auf.
Woher stammt der Begriff „Luggeleskäs“?
Ute Wilhelm aus Weinstadt möchte wissen, woher der Begriff Luggeleskäs kommt und wie man ihn herstellt.
Anzeigen

 

Anzeige
Nachrichtenticker
06:02   US-Senat gibt grünes Licht für weitere Iran-Sanktionen
05:52   Tariflösung für Metall-Leiharbeiter zeichnet sich ab
04:50   Schwedische Prinzessin Estelle wird getauft
04:47   Nato-Gipfel beendet: Afghanistan-Plan und Raketenabwehr
04:47   SPD und Grüne starten Koalitionsverhandlungen in NRW
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Interaktiv
  • Umfrage
Robben

Der FC Bayern München schloss die Bundesliga auf Platz zwei ab, verlor erst das DFB-Pokalfinale und nun das Champions-League-Finale. Haben Sie Mitleid mit den Bayern?

 
Ja sicher. Das ist im Moment eine ganz bittere Phase für die Bayern
Nein, auf keinen Fall. Gewinnen die erfolgsverwöhnten Bayern halt mal nix
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise