Leser Werner Kimmel aus Stuttgart schickt uns ein Gedicht mit dem Titel "Spätzle schärre", in dem es an einer Stelle heißt: "Spätzle schabe, Spätzle schärre / (koine groaße wüaschte Flärre!) / mueß ma könne bei de Schwobe; / dazue hent mir gschickte Dobe." Als Anmerkung steht dabei: "Im ganzen Bekanntenkreis hat noch niemand das Wort Dobe gehört."
Vermutlich wüsste jemand von den Bekannten, was "Dobe" bedeutet, wenn es mit einem zusätzlichen Zeichen versehen wäre. Dieser Ausdruck wird nämlich nicht mit dem üblichen "O", sondern mit einem sogenannten offenen O gesprochen, so wie jò dò, Schwìb. Alle diese Wörter haben in ihrer deutschen Form ein "langes A", das im Schwäbischen sehr oft als ì gesprochen wird.
So auch Dòbå, das die Mehrzahl von Dòb darstellt, das wiederum auf das alte Wort "Tappe" zurückgeht. Im Schwäbischen ist å Dòb beziehungsweise å Daob oder å Dòåb die Pfote eines Tieres, insbesondere des Hundes und der Katze, mit den Verkleinerungsformen å Däble, å Daeble oder å Däåble.
Auch die Hand oder die Finger von uns Menschen werden in spöttischer oder scherzhafter, aber auch in verärgerter Weise als Dòbå bezeichnet: "Duå ao dãêne Dòbå dò wäg!" ist eine oft zu hörende Aufforderung.
Zu Dòb gehört das Verb dòbå (tapen) in der Bedeutung "unsicher oder blindlings nach etwas tasten". "Wa dòbåscht denn mòl wiedr dò romm?" kann beispielsweise jemand fragen, wenn ihm das andauernde Suchen seines Gegenübers auf die Nerven geht.
Eng verwandt beziehungsweise in manchem gleichbedeutend mit "tapen" ist das Verb "tappen". Da es ein kurzes "A" besitzt, wird es nicht mit dem "offenen O" gesprochen, sondern so, wie es geschrieben ist, mit einem "A".
Im Schwäbischen als dabbå gesprochen bedeutet es überdies "ungelenk gehen" beziehungsweise "sich ungeschickt verhalten". "Dò be-n-e enn å schene Sach nãêdabbåt", ist der Kommentar, wenn man mit einer Entscheidung und deren Folgen nicht zufrieden ist.
Hier kurz vorgestellt noch einige Begriffe, die zu "tappen" gehören: Dabbr (unter anderem Fingerabdruck am Fenster, Fußstapfe), Dabbr / Däbbr (Hausschuh), dabbig (ungeschickt), däbbålå (mit kurzen, kleinen Schritten gehen).
Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Leserin Christa Dietz aus Ötisheim, die sich beim Lesen unserer Kolumnen an Sprüche aus ihrer Kindheit erinnert fühlt. Sie zitiert einen Spruch ihrer Mutter: "Rega, rega Tropfa, alle Weiber hopfa, hopfet en dr Küche rom ond schmeißat alle Häfa om."
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