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Dialekt Warum wird dies so ausgesprochen?

Roland Groner, vom 30.05.2011 09:47 Uhr
 Foto: Grafik/Lange
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Leser D. Schindler, vor etwa zwölf Jahren ins Remstal zugezogen, wundert sich über die Aussprache des Ortsnamens Schornbach, der von den Einheimischen, wie er schreibt, "Schornbaaaaaach" gesprochen wird. Spricht er ihn mit der Betonung auf "Schorn", erntet er jedes Mal Gelächter, doch niemand kann ihm diese Sprechweise erklären. Versuchen wir also, die ungewöhnliche Dehnung im Wort "Bach" zu ergründen.

Betrachten wir Begriffe, welche ein "ch" besitzen, so stellen wir fest, dass ein Vokal vor dem "ch" meistens kurz gesprochen wird: "Sache, Blech, Loch, nicht". Allerdings gibt es auch Ausnahmen wie "Buch, Sprache, Rache". Keinesfalls gehört "Bach" hier dazu. Wo liegt also der Grund? Ist die gedehnte Sprechweise reine Willkür der Schornbaacher?

Untersuchen wir die sprachliche Geschichte des Wortes "bach". Eine Erklärung könnte das Grimm'sche Wörterbuch liefern. Hier finden wir als Indiz die althochdeutsche Form "pah" (langes a!) für "Bach", später im Mittelhochdeutschen (12.-14. Jh.) zeigt sich dann "bach".

Allerdings kann aus der Schreibweise nicht geschlossen werden, ob mit dem Erscheinen des Wortes "bach" auch sofort der Vokal "a" kurz gesprochen wurde, sehr wahrscheinlich ist, dass das gedehnte "a" noch über Jahrhunderte in "bach" erhalten geblieben ist, denn eine schlagartige Umlautung von heute auf morgen hat sich in den vergangenen Jahrhunderten bestimmt nicht ereignet.

Diese Vermutung ist nicht abwegig, das bezeugen zahlreiche schwäbische Begriffe, die in dieser Rubrik "Auf gut Schwäbisch" bisher vorgestellt worden sind und die nachweisen, dass ihre Sprechformen viele Jahrhunderte überdauert haben und von Generation zu Generation weitergegeben worden sind.

Das Wort "Bach" weist noch eine weitere Eigenartigkeit auf. Im erwähnten Wörterbuch wird bemerkt, dass in den deutschen Gauen nicht nur "der" Bach (also maskulin) existiert, sondern auch "die" Bach (feminin). Das Wort hat demnach ein wechselndes Geschlecht. Zitat: "was selten vorkommt: aus Lothringen, dem Mittelrhein, der Wetterau, Hessen, Thüringen zieht sich ein weibliches bach bis nach Schlesien. Schwaben, die Schweiz, Baiern und die edle Schriftsprache halten das männliche fest."

Und noch ein Anhängsel: Bei Winnenden und bei Schnait befinden sich zwei Orte, die sich sogar "Baach" schreiben.

Nachtrag zu unserer Grombiera-Berichterstattung aus der vergangenen Woche: Frau Brigitte Huber aus Filderstadt-Bonlanden macht uns darauf aufmerksam, dass ihre aus Plattenhardt stammende Oma zu Kartoffeln "Jabiera" sagte: "Das kommt sonst nirgends vor." Leser Günther Sandner schreibt: "Die Übersichtskarte ist sehr interessant, aber in Bezug auf Stuttgart und Umgebung falsch. Ich, geborener Stuttgarter, kenne nur ,grombi(a)ra' und habe auch mehrere, ebenfalls alte Stuttgarter danach gefragt; kein anderes Wort wurde in Stuttgart verwendet. Und Leser Siegfried Glemser aus Herrenberg merkt an: "Zu Ihrem ,Grombira'-Bericht wäre nachzutragen, dass Kartoffel auf Serbokroatisch ,krumpir' heißt. Das lässt vermuten, dass das Gemüse durch schwäbische Auswanderer dorthin gebracht wurde."

Von Frau Huber stammt auch der Spruch des Tages. Sie zitiert einen Spruch eines Ex-Kollegen aus Waldenbuch: "En Waldabuach wohnt a Frau, die hot henna (Hühner) und vorna a Nos (Nase)."

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