Aus Eberdingen-Nussdorf schreibt Leserin Gisela Schmid: "Als Jugendliche musste ich meiner Mutter des Öfteren im Haushalt helfen. Wenn ich dann diverse Arbeiten nicht zu ihrer vollen Zufriedenheit erledigt hatte, ist es vorgekommen, dass sie mich gebraffelt, also kritisiert hat." Die Mutter stammte aus Reutlingen, und Frau Schmid hält es für möglich, dass "braffeln" ein Reutlinger Ausdruck ist.
Es lässt sich gleich festhalten: "brafflå" ist ein weit verbreitetes schwäbisches Wort, das früher als "beraffeln" sogar zum deutschen Wortschatz gehörte. Es geht zurück auf das mittelhochdeutsche "raffen", das als "an sich reißen" bekannt ist. Von diesem Wort ist "raffeln", schwäbisch "rafflÚ", abgeleitet, das zunächst "klappern, poltern, lärmen" bedeutete und dann auch, laut Grimm'schem Wörterbuch, den Sinn von "mit der Zunge lärmen, schwatzen, auch zanken" erhielt.
Unser Wort "brafflå" hat laut Fischers Wörterbuch noch weitere Sprechformen: bräfflå, bräåflå, pfräflå, und bedeutet "anreden, besprechen". Im Konkreten sind es zwei Verwendungsarten: zunächst "tadeln, zur Rede stellen, zurechtweisen" - also "anreden, wo es nicht erwartet und auch nicht gewünscht ist"; des Weiteren "unbefugtes, vorlautes, unnötiges Reden über Dinge und Personen": Däår muåß ao ällås brafflåt hãõ!
In die Wortfamilie "raffeln" gehört auch das im Schwäbischen bestens bekannte Schimpfwort "Raffl", das zunächst "Schelte" bedeutet, und zwar in den beiden Auslegungen: "böses, aber auch rasches Maul" (Diå hòt å räåchde Raffl) und dann "zänkisches, auch bloß geschwätziges Weib". Dieses Schimpfwort gibt es auch in der Schweiz, in Bayern, in Tirol und anderen oberdeutschen Mundarten. Im Schwäbischen wird eine solche Person auch "Rafflscheit" gescholten.
Und noch eine Anmerkung: eine Raffel ist auch eine Hechel, ein Gerät, das zur Reinigung des Hanfes benutzt wurde oder zum Abstreifen der Heidelbeeren. Auf dieses Gerät geht auch die Redensart zurück: "Diå hòt å Maul wiå å Raffl."
Unser schwäbischer Spruch des Tages kommt von Leserin Barbara Schüle aus Vaihingen/Enz: "Du Mo, kochsch du heit - oder lass i's bleiba?"