Leser Heinz Winter aus Schwäbisch Gmünd hat sich in einer Zuschrift mit der Präposition "gegen" befasst und führt an, dass das schwäbische "ge" eher auf "gen" als auf "gegen" zurückgeht. Mit diesem Hinweis gelangen wir zu einer etymologischen Frage, die wir untersuchen wollen.
Gehen wir zunächst zu den Wurzeln von "gegen". Im Grimm'schen "Wörterbuch" wird aufgezeigt, in welchen Formen und Nebenformen das Wort "gegen" im Laufe der Geschichte aufgetreten ist. Das begann im Althochdeutschen mit "gagan, kagan" und später "gagen" und veränderte sich im Mittelhochdeutschen aus einem "geggen" zu "gegen". Da das Wort viel gebraucht wurde, fand es beim schnelleren Sprechen eine Zusammendrängung zu einem einsilbigen Wort. So kam im 11. Jahrhundert schon als Nebenform "gein" auf, eine Version, die im Neuhochdeutschen erloschen, aber im Schwäbischen als nasales "gãê" noch erhalten ist. Noch stärker kontrahiert ist "gen", das im Schwäbischen als "ge" wohl am häufigsten in Gebrauch ist. Somit besitzen wir folgende Sprechformen: geggå, gegå, gãê, geå, ge.
Im Schwäbischen wird "gegen" in der Bedeutung "auf ein Ziel zu" anstelle von "nach" verwendet, wobei meist die gekürzten Formen gebraucht werden: I muåß heit noh ge Schtrempflbach. Hochkonjunktur hat das kurze ge in Verbindung mit Verben des Gehens, womit ein bestimmter Zweck ausgedrückt wird. Heinz Winter nennt dazu folgenden Satz: "Jednfalls gang i glei noch'm Veschbr ge senga zom Kirchachor." Die schwäbische Form "ge sengÚ" ist grammatisch gesehen ein sogenannter Finalsatz, der im Deutschen mit "um - zu" gebildet wird, hier also "um zu singen".
Heinz Winter plädiert auch für einen Bindestrich zwischen "ge" und dem angeschlossenen Verb. Dies ist eine schreibtechnische Frage, die in der schwäbischen Literatur ganz unterschiedlich gehandhabt wird. Es geht hierbei immer um die Schreibung von unbetonten kurzen Wörtern, oftmals nur in Gestalt eines Buchstabens. Nehmen wir als Beispiel "geit r r s". In dieser Schreibweise sieht jeder, dass es sich um vier Wörter handelt, gesprochen wird es aber wie ein Wort "geitrrs". Um Sprechweise und Verständnis in Einklang zu bringen, bietet sich hier die Schreibweise "geit-r-r-s" geradezu an. Die Übersetzung dürfte jetzt wohl nicht zu schwierig sein.
Der schwäbische Spruch des Tages kommt von Leserin Elisabeth Wagenblast aus Schwäbisch Gmünd. Sie schreibt: "Dieser Tage telefonierte ich mit einem Bekannten. Dabei kamen wir auf die Gesundheit zu sprechen. Ich sagte: ,Weißt du, Rudi, mir sind halt alt.' Darauf mein Gesprächspartner: ,Mit send doch net alt - mir send nur z'bald gebora!"'
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