"Können Sie vielleicht klären, was es mit den Dreischning-Eier auf sich hat und woher der Name kommt? Soweit ich noch weiß, hat meine Oma an Maria Himmelfahrt (15. August) die Eier in den Keller gelegt, und dann blieben sie 28 Tage frisch (das war noch die Zeit ohne Kühlschrank)." Dies schreibt Leserin Waltraud Lippert aus Fellbach-Oeffingen.
Ein dickes Brett, das unsere Fragestellerin hier anbietet und das nicht leicht zu bohren ist: Das Wort "Dreischning" ist nirgendwo zu finden, ähnlich klingende Begriffe sind mehr als selten. Die erste mögliche Spur ergab sich über die Beifügung "Maria Himmelfahrt". Im Suchsystem Google tauchte so nebenbei der Begriff "Fraueneier" auf. Diesem Wort nachzugehen brachte eine Erkenntnis nach der andern.
In der Schrift "Fränkisches Brauchtum im Jahreskreis" erfährt man, dass es Brauch war, in der Zeit von Mariä Himmelfahrt bis Mariä Geburt (8. September) die Hühnereier zu sammeln und sie in Schüsseln, Näpfen oder im auf der Tenne aufgeschütteten Getreide für die Winterzeit aufzuheben. Diese Eier seien besonders haltbar gewesen und hätten eine festere Schale besessen. Im "Neuschwanstein Info" wird berichtet, dass nach altem Volksglauben die Hühner in der Zeit des Frauendreißigers die größten und schönsten Eier, die sogenannten Fraueneier, legten. Der Zeitraum des Frauendreißigers dauert 30 Tage: Vom Großen Frauentag an Maria Himmelfahrt bis zum 14. September. Diese Zeitspanne gälte als besonders fruchtbare und glückliche Zeit.
Mit diesen Kenntnissen heißt es zu prüfen, ob auch die Gebrüder Grimm in ihrem Deutschen Wörterbuch etwas über diesen Sachverhalt erwähnen. Und tatsächlich: Beim Begriff "dreiszigste" findet man die Bestätigung: "zeit von dreiszig tagen, namentlich vom 15ten August bis zum 15ten September oder vielmehr von unsern frauen tag der erren (mhd. = ersten) bis unser frauen tag der letzten oder zwischen den zwain messen (= feiertagen) unser frauen d. h. von Mariä himmelfahrt bis zu Mariä geburt, welche auch insgemein der frauendreiszigst genannt wird." Und weiter: "dreiszigsteier (welche in dieser Zeit gelegt werden) eignen sich zum aufbewahren im winter und zum ausbrüten im frühjahr."
Unser schwäbischer Spruch des Tages kommt von Leser Helmut Schmid aus Schorndorf: "Scheene Füaß hot se jo net, drfir a wüaschts Gsicht!"
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