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Deutschland Tango auf Spiekeroog

Jutta Haas, vom 24.02.2011 04:40 Uhr
Tango auf der Insel. Foto: Jüngerhans
Tango auf der Insel. Foto: Jüngerhans

Argentinischer Tango auf einer ostfriesischen Insel – größer kann der Widerspruch nicht sein, aber: Der Charme und die Ruhe der kleinen Insel geben Raum und Zeit für einen ganz besonderen Urlaub. Seit neun Jahren organisieren die Tangoschulen Tango Fuego aus Osnabrück und Con Corazon aus Münster Anfang Januar die einwöchige Reise "Tango auf der Winterinsel". Seit vielen Jahren bin ich begeisterte Tangotänzerin und immer wieder auf der Suche nach einer Reise, die in mein Zeit- und Raumbudget passt.

Spiekeroog ist autofrei, gemütlich klein, ruhig und einfach schön. Die Veranstalter haben für die nächsten Tage viel zu bieten: täglich Workshops bei fünf verschiedenen Lehrerpaaren, an jedem Abend eine "Milonga" bis zum Morgengrauen. So heißt in der Tangosprache der Tanzabend. Arnoud de Graaf aus Nijmegen in den Niederlanden ist als Tango-DJ engagiert worden.

Von Neustadt an der Weinstraße fahre ich mit dem Auto rund 620 Kilometer bis nach Neuharlingersiel. Vom Anleger geht es mit der Fähre in circa 45 Minuten zur Insel. Auf See beginnt mein Urlaub: Möwen fliegen, Wellen schwappen. Es riecht nach Meer. Angekommen am Spiekerooger Schiffsanleger, läuft es sich bequem zu (fast) allen Unterkünften. Mit mir zieht eine Horde Menschen mit ihrem Gepäck in den kleinen Ort. Unter jeder Mütze könnte ein Tangotänzer stecken. Jeder Koffer könnte voller Tanzschuhe sein.

Mein Ziel ist es, tagsüber die Insel zu erkunden und abends die Milongas zu besuchen. Menschen wagen Bungeesprünge oder gehen mit Haien tauchen: Ich gehe als Alleinreisende und ohne festen Tangopartner zur ersten Milonga. Diese findet in der Kogge, dem Haus des Gastes, statt. Hier treffe ich auf rund 150 Tanzbegeisterte, die fast alle als Paar und in Gruppen angereist sind. Ich weiß: Wer tanzen will, muss über seinen Schatten springen und auffordern. Der Tango lebt vom Tanzen mit vielen unterschiedlichen Partnern. Ich beobachte das Gewimmel auf der Tanzfläche – und wage es.

Tango Argentino – dieser Tanz unterscheidet sich fundamental vom klassischen Tanzschultango. Es ist ein schwieriger und zugleich faszinierender Tanz. Er ist Improvisation, Konzentration, Kommunikation und großes Gefühl. Mein Mut wird belohnt. In den nächsten vier Nächten tanze ich durch die friesische Nacht, laufe beschwingt in mein Hotel und freue mich, dass ein Frühstück bis 11 Uhr möglich ist. Spiekeroog hat sich in den letzten Jahren auf die "verrückten Tangoleute" eingestellt. Im eigentlich kargen Winter belegen so ungewöhnlich viele Menschen die Insel, dass in dieser Zeit die Preise der Hauptsaison gelten. Dies freut die Wirte.

An jedem Tag unternehme ich einen langen Spaziergang über die Insel. Einmal links- und zweimal rechtsherum. Die Pfade und Sträßchen durch die Dünen sind total vereist. Das Meer rauscht, und mein Kopfkino spielt dazu immer wieder die gleichen Tangolieder. Am Strandsaum liegen Eisschollen – ich genieße den rauen Wind, der nach Salz schmeckt. Am dritten Abend gibt es ein Konzert mit dem Quinteto Ángel aus Berlin. Das sind fünf junge, begnadete Musiker, die die schönsten Tangostücke spielen. Ihre Musik verschafft mir eine Gänsehaut. Auch am letzten Abend spielt das Quintett nochmals auf dem Ball. Nie zuvor habe ich so viel getanzt. Selten habe ich mich so gut erholt.

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