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Deutsche Bahn Pendler verärgert über alte Wagen und Zugausfälle

Von Jürgen Bock 

Die Bahn setzt im Remstal Kurzzüge und gemietete Wagen ein – Fahrgästen bleibt oft nur ein Stehplatz.

Stuttgart - An den Dienstag vergangener Woche erinnert sich so mancher Bahnkunde nur ungern. „Ich habe schon viel erlebt, aber das war konkurrenzlos“, sagt ein Pendler, der jeden Tag von Lorch nach Stuttgart fährt.

Als er am Spätnachmittag am Hauptbahnhof zu seinem Zug kam, blieb ihm die Luft weg. Statt der üblichen neun Wagen hatte der Regionalexpress nach Aalen nur vier. „Auf dem Bahnsteig befanden sich etwa 700 Leute, in den Zug passten regulär vielleicht 250“, erzählt er. Die Folge: gnadenloses Gedränge, Schimpfen und keine Chance für weitere Fahrgäste, an den Stationen Richtung Remstal einzusteigen. „Ich wundere mich, dass nichts passiert ist“, sagt der Pendler.

Fahrgäste wähnen sich im Museum

Auch laut anderen Passagieren kommt das auf dieser Strecke seit Anfang April regelmäßig vor. „Die Züge sind zu kurz, es gibt dauernd Verspätungen und Zugausfälle“, sagt einer. Zudem wähne man sich „im Museum“. Die seit kurzem eingesetzten Wagen stammten aus den frühen 50er Jahren. „Mit diesem Typ bin ich schon 1960 mit meinen Eltern in die DDR gefahren“, sagt ein Fahrgast. Die Bahn habe lediglich Anfang April per Durchsage in den Zügen mitgeteilt, dass drei Monate lang andere Wagen eingesetzt würden. Einen Grund dafür habe sie nicht genannt. Zu dieser Zeit habe man auch Fahrgastzählungen beobachten können.

Bei der Bahn bestätigt man die Probleme, die nicht nur auf der Strecke durchs Remstal bestehen, sondern teilweise auch auf der Murrbahn. „Wir haben gerade einen Engpass bei der Fahrzeugbestellung“, sagt ein Sprecher. Hintergrund sei, dass man den Komfort für die Passagiere auf den betroffenen Strecken mittelfristig verbessern wolle. Dort laufe ein „Redesign-Programm“.

Massives Loch beim benötigten Material

Das bedeutet, dass die üblichen Wagen eine neue Innenausstattung bekommen. „Dafür müssen sie in die Werkstatt und fehlen auf der Strecke“, so der Bahn-Sprecher. Dazu geselle sich aber noch ein weiteres Problem: Weil derzeit auch auf anderen Strecken außerhalb Baden-Württembergs Triebwagen fehlen, sind dort Fahrzeuge auf der Schiene, die eigentlich im Großraum Stuttgart gebraucht würden. Beides zusammen ergibt ein massives Loch beim benötigten Material.

Um das zu stopfen, hat die Bahn Wagen bei einem externen Anbieter angemietet. Die Firma Euro-Express im westfälischen Münster, die unter anderem Sonderzüge für Charterfahrten anbietet, hat 15 Wagen zur Verfügung gestellt. Den Vorwurf, sie stammten aus den 50er Jahren, weist man bei der Bahn zurück. „Laut unserem Partner sind sie 30 bis 35 Jahre alt“, so ein Bahn-Sprecher. Es handle sich um ehemalige D-Zug-Wagen, meist sogar aus der ersten Klasse. Dort gebe es zwar weniger Komfort als heute üblich, aber mehr Platz für den einzelnen Fahrgast als in den sonst verkehrenden Zügen.

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