Der Liebeszauber entfaltet sich mit Wortwitz

Von "Marbach und Bottwartal" 

Steinheim Der Magier Harry Keaton ist bei Kult-X in der Steinheimer Realschule zu Gast gewesen. Von Tanja Capuana

Steinheim Der Magier Harry Keaton ist bei Kult-X in der Steinheimer Realschule zu Gast gewesen. Von Tanja Capuana

Wenn Magie und feinsinniger Humor zueinander finden, kann nur Harry Keaton dahinter stecken. Sobald der Illusionist auf der Bühne steht, präsentiert er dem Publikum nicht nur unglaubliche Zaubertricks, viel mehr garniert er seine Show auch mit pointierten Wortwitzen. Mit seinem Programm "Liebeszauber 2.0" ist er am Sonntagabend in der Steinheimer Erich-Kästner-Realschule aufgetreten.

Stets mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen führt er die Besucher in die Welt der Zauberkunst ein. Den verblüfften Zuschauern beweist er, dass er mit dem Einsatz seiner Stimme Glas zerspringen lassen kann. Mit seiner schrägen Version von "Everybody loves somebody" schafft er es, das Glas in tausend Teile zerplatzen zu lassen. "Die Flasche werde ich nicht zerstören, aber ihre Form verändern", kündigt er an. Tatsächlich: Die einst gerade Flasche weist einen Knick auf. Und mit dem Lied "Moon River" kann Keaton eine dicke Glasscheibe splittern lassen.

Kult-X, die Kulturreihe der Urmenschstadt, konnte den Künstler bereits zum zweiten Mal für einen Auftritt verpflichten. "Harry Keaton war bei unserer 100. Veranstaltung vor zwei Jahren hier", sagt Jörg Thum, der Leiter des Kult-X-Teams. "Das Publikum war so begeistert, dass wir hinterher gesagt haben: Ihn müssen wir wieder nach Steinheim holen."

Staunend erleben die Besucher mit, wie er beim Gedankenlesen Fragen aus dem Publikum erspürt, einen 50-Euro-Schein in einen 100-Euro-Schein verwandelt und mathematische Wunder vollbringt. Immer wieder bezieht Harry Keaton die Zuschauer in seine Show mit ein. Eine Besucherin etwa nimmt er mit auf einen Trip in die Vergangenheit. "Laut Einstein sind Zeitreisen theoretisch machbar", sagt der Magier. Seine Assistentin aus dem Zuschauerraum musste mit ihrer Hand Gegenstände in einem weißen Kasten erfühlen. Und da sich die Objekte in der Vergangenheit befanden, bleibt von der reifen Banane in der Gegenwart lediglich die Schale übrig, der Stoff wird zu einem roten Damenpumps und die Trauben verwandeln sich in edlen Rotwein.

Das Thema Liebe bildet einen weiteren roten Faden in Keatons Programm. "Sind Paare im Publikum?", will er wissen. Der sympathische Zauberer spart nicht mit Ratschlägen in Herzensangelegenheiten "Es ist wichtig, eine Beziehung immer wieder neu zu beleben", betont er. "Gemeinsamkeiten sind viel wichtiger als Gegensätze", sagt er. "Küssen ist gesund", erklärt Keaton und fordert eine Frau aus dem Publikum auf, ihrem Partner einen Schmatzer auf die Lippen zu drücken. Nach dem Ausdruck der Zärtlichkeit ist die Zuschauerin sogar imstande, exakt zu erraten, wie viele Gummibärchen in Harry Keatons Glas stecken. Aber auch für Singles hat der Künstler ein Herz. Einen Mann, der allein in der ersten Reihe sitzt, möchte er mit einer Dame im hinteren Bereich verkuppeln.

Magier wollte Harry Keaton, der mit bürgerlichen Namen Harald Kurz heißt, bereits im Alter von sechs Jahren werden. Der Zauberer Nino de Caro habe ihn zu dieser Wunschvorstellung inspiriert. Dennoch studierte er Germanistik, finanzierte aber sein Studium mit Auftritten als Zauberkünstler. Die Magie ließ ihn nicht los. "Wir verschieben die Grenze von der Realität zum Traum."

Wichtig sei einerseits für seine Tricks die Psychologie, andererseits müsse man feine Antennen haben, um Schwingungen zu spüren. Auch wenn vieles Keatons Geheimnis bleibt: Er möchte, dass die Zuschauer die Augen offen halten, um vieles ganz anders wahrzunehmen. Donnernder Applaus belohnt den Illusionist für seine kurzweilige Show.

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