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Demonstration gegen Bildungsplan Gegner ohne Einigkeit

Von Sascha Maier 

Die Demo der Bildungsplangegner gegen den Plan der Landesregierung, Homosexualität in den Schulen stärker zu thematisieren, ist am Sonntag massiv von 200 Gegendemonstranten vorwiegend aus dem linken Spektrum gestört worden. Die Polizei erteilte acht Platzverweise.

Stuttgart - Hedwig Beverfoerde ist ganz aus dem Häuschen vor Freude. „Trotz Streik sind heute fast 3000 Demonstranten zu unserer Demo gegen den Bildungsplan gekommen. Wäre der Streik nicht gewesen, hätten wir mit über 4500 Demonstranten rechnen können!“, jubelt die Koordinatorin der sogenannten Demo für alle, die sich gegen die Idee der grün-roten Landesregierung richtet, das Thema Homosexualität im Lehrplan tiefer zu verankern.

Die Polizei hat anders gezählt: Nur 1200 Demonstranten seien zum Demozug gekommen, der auf dem Schillerplatz seinen Anfang genommen und beim Staatstheater sein Ende gefunden hat. Gleichzeitig hatten die Beamten ganz andere Sorgen: Über 500 Polizisten bemühten sich, die nach Polizeiangaben etwa 200 Gegendemonstranten, die meisten davon aus dem linken Spektrum, im Zaum zu halten. Sie traten dieses Mal besonders aggressiv auf. Am ­Ende der Veranstaltung flogen sogar Klappstühle. Insgesamt erteilte die Polizei acht Störern Platzverweise. Sie hatten ihrem Ärger über die Bildungsplangegner mit lauten Singchören und vereinzelten Stinkbomben Luft gemacht. Auch drei Körperverletzungen, die sich gegen die Demonstranten richteten, wurden angezeigt.

Nicht gewalttätig, aber umso kreativer drückte der Württembergische Kunstverein Stuttgart seinen Protest gegen die Demonstranten aus, zu denen sich seit der ersten von vier Demonstrationen gegen den Bildungsplan auch rechte Gruppen wie die Identitäre Bewegung oder die NPD gesellen. Verkleidet als Ku-Klux-Klan-Anhänger und Faschisten versuchten sie das rechte Image der Veranstaltung zu überzeichnen und klatschten dem Demozug ironisch Beifall. „Die Kunst hat schon immer Freiheit gefordert. Und die Aufklärung über Sexualität in Schulen verhindern zu wollen, kann nicht in diesem Sinne sein“, sagt ein 56-jähriges Mitglied des Kunstvereins über die ­Bildungsplangegner.

Dort sieht man es deutlich anders und ­fordert, dass Sexualaufklärung Elternsache bleibt. Unter den Demonstranten ist auch AfD-Stadtrat Heinrich Fiechtner. „Mir ist vollkommen egal, was jemand in seinem Schlafzimmer macht, und ich habe auch nichts gegen Homosexualität. Aber wie früh in der Schule über das sensible Thema wie tief eingegangen wird, darüber wird man noch diskutieren dürfen“, sagt er. Mit dieser Meinung ist Fiechtner auf der Demo der Bildungsplangegner nicht alleine, aber manche vertreten auch extremere Standpunkte.

„Homosexuelle Liebe ist eine schwere Sünde“, meint Albrecht Graf von Branden­stein-Zeppelin, Unternehmer und Träger der Verdienstmedaille der historischen Bürgerwehr Mittelbiberachs. Ein Mann, der ein Plakat hochhielt, das sich ehrenrührig gegenüber Moslems äußerte, wurde schließlich von den Veranstaltern des Platzes verwiesen. Unter den Bildungsplangegnern herrscht keine Homogenität, das Meinungsspektrum ist groß.

Besonderer Aufreger der Bildungsplangegner ist, dass der Petitionsausschuss des Landtages die Eingabe der Bildungsplangegner abgelehnt hat. 192 000 Unterschriften konnten sie sammeln. Die Begründung für die erneute Demonstration rief beim Kulturministerium Kopfschütteln hervor. Parolen einer „Sexualisierung der Schule“ oder der Zerstörung der Familie durch den Bildungsplan gingen vollkommen an der Wirklichkeit vorbei.

„Die Initiatoren spielen bewusst mit den Ängsten von Eltern, um ihrer Ideologie zu entsprechen und ihre Anhänger anzuheizen“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. „Wer sich anschaut, was wir tatsächlich vorhaben, wird die Behauptungen der Demo-Organisatoren schnell als lächerlich entlarven“, heißt es weiter.

Der CDU-Landeschef Thomas Strobl gerät beim Thema in die Kritik der Landtagsfraktion der Grünen. Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand fragt Strobl in einem offenen Brief, ob er die Meinung der Bildungsplangegner teile, dass es sich bei den Plänen der Landesregierung um eine „Umerziehung zur Homosexualität“ und eine „Frühsexualisierung“ von Kindern handle. Eine Antwort Strobls steht aus.

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Kommentar Auslaufmodell

Von 31. August 2016 - 6:00 Uhr

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