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Scholl hat weiter gute Kontakte in die Nationalelf, Toni Kroos kennt er, seitdem der als 16-Jähriger zu den Bayern kam, mit DFB-Pressemann Harald Stenger hat er noch kurz vor dem Anpfiff gequatscht: "Auch Harald Stenger sagte, dass es im Moment nicht viel auszusetzen gibt an dieser Mannschaft", posaunt Scholl stolz.
Gerhard Delling, der bei den Auftritten mit Netzer flapsig und fast schon jugendlich wirkte, sieht nun oberlehrerhaft aus. Scholl ist jung, frisch, unbedarft - nicht ganz wie ein Schüler, eher wie ein Referendar, der weiß, dass er derzeit gute Karrierechancen hat. Studienrat Netzer ging in Rente, ein Job war frei und Scholl durchläuft gerade die Probezeit. Mal mit Reinhold Beckmann, nun auch mit Delling.
Auf und am Spielfeld
Vor dem Länderspiel-Anpfiff und für einen kurzen Moment in der Halbzeitpause stehen Delling/Scholl auf und am Spielfeld, Fernsehtalent Scholl wackelt ungeduldig mit dem blauen ARD-Mikorofon. Erst nach dem Spiel analysieren die beiden im Studio - und Bundestrainer Joachim Löw kommt hinzu. Während Delling und Löw eine - verständliche und nötige - Distanz haben und Delling den Bundestrainer peinlich fragt, ob Mertesacker am Wochenende spielen kann - peinlich, da die Schwere der Verletzung zu dem Moment noch nicht mal bekannt war - grinst Mehmet Scholl am rechten Bildschirmrand. Er will auch was sagen, darf aber wohl offenbar nicht so richtig. Kann aber ja noch kommen.
Bei der Frage, ob DFB-Kapitän Michael Ballack denn im Stadion war, beendet Scholl abrupt die aktuelle "Ballack-Diskussion" sympathisch flapsig: "Hier war ja eh ausverkauft." Darauf Delling: "Aber du bist doch auch hierher gekommen..." Scholl: "...aber nur durch Beziehungen." Thema erledigt, auch Löw hatte Spaß.
"Danke, Mehmet" - "Danke, Gerhard"
Anschließend wehrt sich Scholl noch gegen Dellings Behauptung, ein Podolski-Fan zu sein ("Fan? Fan ist das falsche Wort!") und Delling haut noch einen Wortwitz raus: Den nämlich, dass dem französischen Nationaltrainer Laurent Blanc zuletzt blankes Entsetzen ins Gesicht geschrieben gestand hatte ... der Abschied des Fußballfachmanns Scholl und des Fernsehprofis Delling ist kumpelhaft: "Danke, Mehmet." - "Danke, Gerhard". Mit Netzer undenkbar.
Für den gemeinen Nationalelfgucker ist dies alles eine Umgewöhnung. Aber eine dankbare. Auch, wenn Delling/Scholl sich erst noch weiter einspielen müssen - es wird auf jeden Fall lockerer und lustiger in der ARD. Fußball ist eben eine große Show.