Ihr Landeschef spricht sich für Stuttgart 21 aus. Kämpft die SPD bei der Volksabstimmung im Herbst gegen sich selbst?
Nein, ich sehe da keine Schwierigkeiten. Die Leute wollen sich artikulieren. Bis jetzt gab es keine Volksabstimmungen im Land - wir müssen alle lernen, mit dieser bisher verhinderten Form direkter Demokratie umzugehen.
Sie selbst können der neuen Bahn-Infrastruktur nicht viel abgewinnen. Woran liegt das?
Stuttgart 21 hat viele Vorzüge und die Chancen des Wohnungsbaus. Eine Stärkung des Bahnverkehrs ist unser Ziel, aber ob Stuttgart 21 in der jetzt geplanten Form das schafft muss sich erst erweisen.
Was erwarten Sie vom Stresstest?
Die Bahn muss nachweisen, dass das Projekt zu einer starken Verbesserung der Leistungsfähigkeit führt.
Wird es überhaupt zu einer Volksabstimmung kommen, wenn Stuttgart 21 deutlich teurer werden sollte?
Wir müssen den Stresstest abwarten. Nur über die Volksabstimmung können wir eine Befriedung der Stadtgesellschaft bekommen. Ein neuer Bahnhof ist die Spaltung dieser Gesellschaft nicht Wert.
Sie beklagen, dass Ihre Ortsvereine nicht arbeitsfähig sind, die Geschäftsstelle eingedampft wurde. Sie wollen ausbauen. Ist die Unterstützung des SPD-Landesverbandes da?
Ich glaube, dass der Landesverband in der Landeshauptstadt eine lebendige, funktionierende SPD will. Wir werden auch unseren Teil leisten.
Sie wollen die SPD zu einer Denkfabrik machen. Wie modelt man den Debattierclub vorwiegend älterer Herrn dahin um?
Das Wissen unserer älteren Genossen ist ein kostbares Gut. Ich nehme von diesen gerne Ratschläge entgegen. Außerdem ist die Kreiskonferenz mittlerweile stark durchmischt. Sie ist oberstes Beschlussorgan. Dort bedarf es ausführlicher Debatten, ergebnisoffen. Es darf keine vorgefertigten Ergebnisse mehr geben.
Sie haben bei Ihrer Wahl gefordert, bei der Neubebauung von Breuninger und dem Land am Karlsplatz auch Sozialwohnungen zu schaffen. Versprechen Sie da nicht zu viel?
Der Abriss des Hotels Silber, der alten Gestapo-Zentrale, war auch mal gesetzt. Jetzt bleibt sie stehen. Nichts ist in Stein gemeißelt, und die SPD wird klar ihre Positionen vertreten. Der Stadt tut mehr bezahlbarer Wohnraum gut.
Sie sind, anders als ihre Vorgänger, in keinem Parlament vertreten. Ist das ein Nachteil für den Kreisvorsitzenden?
Das sehe ich nicht so. Wenn man im Gemeinderat sitzt, hat man Entscheidungszwänge. Der Partei wird es gut tun, offener denken und sich offener positionieren zu können, ohne Zwänge. Die Fraktion braucht Ideen.
Der Kreisvorsitz ist ein Vollzeitjob?
Mein Mandat für den stellvertetenden Juso-Landesvorsitz läuft aus. Da werden Kapazitäten frei. Außerdem habe ich mir einen Arbeitsvorstand gewünscht. Die Mitglieder haben das umgesetzt. Es bleibt nicht alles an einer Person hängen. Da würde sonst jeder scheitern.