Debütalbum-Präsentation Yasmine Tourist spielt in den Wagenhallen

Eva Klassen, 24.01.2013 14:11 Uhr
Mit Songs, in denen Americana, Folk, Blues und ein bisschen Indierock feinsinnig zusammenfinden, macht die Band Yasmine Tourist schon seit ein paar Jahren auf Konzertbühnen auf sich aufmerksam. Nun erscheint endlich das Debütalbum. Gefeiert wird das mit einem Konzert in den Wagenhallen

Stuttgart - Die Gitarre lässt die ersten Töne tänzeln, ­bevor Dominik Gerwald in „Down Down“ Einsamkeit und Verlust besingt. Während die Akkorde wehmütig durch den Song wandern, beklagt der Sänger erst ruhig und dann immer verzweifelter klingend eine verlorene Liebe – in einer Folkrock-Ballade, die an US-amerikanische Bands wie Wilco oder Band of Horses erinnert.

Doch Gerwalds Band Yasmine Tourist ist nur musikalisch in Amerika zu Hause. Ihre Wurzeln liegen in Stuttgart. Am 8. Februar erscheint das Debütalbum „Yasmine Tourist“ mit elf Songs, die Melancholie in leichtfüßige Klänge packen und Americana, Folk und Blues vereinen.

2007 hat Dominik Gerwald die Band gegründet. Zunächst als Ein-Mann-Projekt. „Ich wollte keine Kompromisse mehr eingehen, sondern Songs für mich allein aufnehmen“, sagt der Musiker, der zuvor in einer Death-Metal-Band spielte und neben Yasmine Tourist Mitglied einer Punkband ist. Doch für Auftritte und Aufnahmen suchte der Sänger und Gitarrist die Unterstützung anderer Musiker. Fast wie von selbst wurde aus dem Soloprojekt so nach wenigen Monaten eine sechsköpfige Band.

„Ein Album habe ich schon lange ersehnt“, erzählt Gerwald kurz vor der Veröffentlichung des Debütalbums. Die 2008 aufgenommene EP „The Blue Moon“ mit vier Songs hat der Band dafür die Türen geöffnet. Die Musiker spielten zum Beispiel bei der Musik- und Talkshow „TV Noir“. Bei einem gemeinsamen Konzert in Stuttgart lernten Yasmine Tourist schließlich die Band Brokof kennen, in deren Berliner Tonstudio sie 2011 die ersten Aufnahmen für das Debütalbum machten.

Dominik Gerwald schätzt die Musiker in seiner Band. Trotzdem betrachtet er Yas­mine Tourist nach wie vor als sein Projekt: „Das letzte Veto bei einer Entscheidung liegt bei mir.“ Alle Songs stammen von ihm. Aber er räumt ein: „Die Vorschläge der anderen sind zu gut, um sie zu ignorieren. Sie haben einige maßgebliche Parts beigetragen.“ Und so betrachtet er sein Bandprojekt nicht als Diktatur, sondern „als konstitutionelle Monarchie. Jeder hat Bock und Recht, sich einzubringen“, sagt er und schmunzelt über ­seinen Vergleich.

„Ich komme mit dem Hölzernen in der deutschen Sprache nicht klar“

Doch auch ein König kann die Ideen für gute Songs nicht einfach herbeibefehlen: „Es ist wie bei einer netten Frau“, erklärt Gerwald den Prozess des Songschreibens. „Man unterhält sich, und vielleicht kommt die Frau nach einer gewissen Zeit wieder. Nur dann passt es. Wir beide müssen Lust aufeinander haben. Ich und die Idee.“ Dass Gerwald seine Ideen zu englischsprachigen Songs macht, war für ihn eine bewusste Entscheidung. „Ich komme mit dem Hölzernen in der deutschen Sprache nicht klar“, sagt er. „Meine Vorbilder singen auf Englisch, und sehr viele Menschen verstehen diese Sprache.“

Für das Cover seiner CD hat der Musiker das Bild „Dame mit Hermelin“ von Leonardo da Vinci gewählt. Warum? „Auf der Suche nach einem Cover bin ich irgendwann bei diesem Bild hängen geblieben“, erinnert er sich. „Man weiß nicht genau, wohin die Dame blickt. So will ich auch unsere Musik verstanden wissen. Die Leute sollen nicht wissen, wo wir hinschauen.“

Wenn Gerwald auf die Zukunft seiner Band schaut, dann sieht er ganz klar ­Stuttgart. Zu seinen Vorbildern zählen zwar amerikanische Sänger wie Bonnie „Prince“ Billy oder Tom Waits. Und für die Studioaufnahmen ist er mit seiner Band nach Berlin gefahren. Dennoch will er Stuttgart treu bleiben – gerade weil er hier mit seinem Bandprojekt ein Exot ist. „In Stuttgart gibt es keine Szene, und das ist auch gar nicht schlimm. Szenen nerven mich total“, sagt er, „sie sind das Todesurteil für etwas Neues.“

Komplett neu ist die Folkrock-Musik von Yasmine Tourist nicht, das sagt auch Dominik Gerwald. Und doch schafft er es, dem Genre etwas Eigenes hinzuzufügen. Mit einer Stimme, der man glaubt, was sie singt. Und mit Songs, in denen man immer wieder eine neue Blickrichtung entdeckt. Genau wie bei da Vincis Dame mit Hermelin.

Das Yasmine-Tourist-Debüt erscheint am 8. Februar; das Release-Konzert findet an diesem Samstag um 21 Uhr in den Wagenhallen statt.

 
 
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