Debatte - VfB Stuttgart Die Favoriten auf die Zorniger-Nachfolge

Von Thomas Näher 

Diskutieren Sie mit - Alexander Zorniger ist Geschichte beim VfB Stuttgart – wer wird neuer Trainer? Lucien Favre gilt als beste Lösung. Sicher ist nur: Der nächste Schuss muss sitzen. Erstens aus sportlichen Gründen. Und zweitens, weil sonst die Luft auch für Sportvorstand Robin Dutt dünn wird.

Stuttgart - Es war eine reichlich absurde Situation, als die VfB-Profis am Dienstag um 10 Uhr den Trainingsplatz betraten. Mit dabei war auch Trainer Alexander Zorniger (48), der zu diesem Zeitpunkt bereits der Ex-Trainer des VfB war – allerdings noch nicht offiziell. Das geplante Frühstück mit der Mannschaft war abgesagt worden, um acht Uhr setzte sich der Coach mit Sportvorstand Robin Dutt (50) zusammen. Knapp zwei Stunden lang steckten die beiden Strategen die Köpfe zusammen und suchten nach einem Weg aus der sportlichen Krise mit zehn Punkten aus 13 Bundesligaspielen und Platz 16 in der Tabelle. Im Laufe des emotionalen Gesprächs bahnte sich die Trennung an. Als sich die beiden auf die Zeit nach dem Training vertagten, war sie für Dutt bereits beschlossene Sache. „Alexander Zorniger ist auf den Platz gegangen in dem Wissen, dass ich nach dem Training mit keiner anderen Entscheidung auf ihn zukommen würde“, sagte der Sportvorstand.

Die Spieler ahnten von all dem nichts, drinnen im Clubheim besprach sich Robin Dutt derweil mit Präsident Bernd Wahler und informierte den Aufsichtsrat. „Letztlich habe ich die Konsequenz gezogen, nach dem Gespräch mit Alexander Zorniger hatte ich keine Handlungsoption“, sagte er.

Zorniger habe rasch erkennen lassen, dass er die vom Verein gewünschten Antworten auf die sportliche Krise nicht liefern konnte oder wollte. „Es war eine Mischung aus der sportlichen Situation und den Lösungsmöglichkeiten, die der Trainer angeboten hat“, sagte Dutt. Das kompromisslose Festhalten am erfolglosen Spielsystem mit extremem Pressing und Gegenpressing war für Zorniger trotz der immer kopfloser agierenden Defensive bis zuletzt alternativlos – auch noch am Dienstagmorgen, als es um seinen Job ging. „Ich stehe für eine bestimmte Spielweise und hätte teilweise gegen meine Überzeugung handeln müssen“, erklärte er. Die Konflikte mit einzelnen Spieler und das psychologische Moment, dass zumindest Teile der Mannschaft Zornigers Philosophie nicht (mehr) mitzutragen bereit waren, bestärkten beide Seiten zusätzlich, die Trennung zu vollziehen. „Darüber bestand hundertprozentiger Einklang“, erklärte Dutt.

Mit Zorniger muss das ganze Trainerteam gehen

Zusammen mit Zorniger informierte er die ahnungslose Mannschaft und skizzierte die nähere Zukunft: Mit Zorniger mussten die Co-Trainer Andre Trulsen (50) und Armin Reutershahn (55) sowie Torwarttrainer Andreas Menger (43) ihre Sachen packen. „Uns war es wichtig, in so einer Ausnahmesituation eine grüne Wiese zu schaffen“, sagte Dutt. Tabula rasa also. Jürgen Kramny (44) rückt als Interimstrainer vom VfB II zu den Profis auf, sein bisheriger Co-Trainer Walter Thomae (49) übernimmt vorerst das U-23-Team. Als Torwarttrainer ist Ex-Kickers-Keeper Marco Langner (46) im Gespräch, der mit Dutt in gleicher Position schon beim SC Freiburg und bei Werder Bremen zusammengearbeitet hat. Zorniger, der einen Vertrag bis 2018 besaß, erhält eine festgeschriebene Abfindung, alles in allem dürfte den VfB das Revirement rund 1,5 Millionen Euro kosten.

Kramny sitzt erstmals im Spiel bei Borussia Dortmund am Sonntag (15.30 Uhr) bei den Profis auf der Bank. Wie lange er dort bleiben darf, hängt ­davon ab, wie schnell Dutt einen neuen Cheftrainer findet. Das Anforderungsprofil engt den Kreis der Kandidaten ein. Der VfB wird an seiner sportlichen Konzeption mit Offensivfußball und einer engen Verzahnung zwischen Profis, Nachwuchs und Scouting festhalten. „Die rote Linie soll bleiben“, sagte Dutt, „es gibt Leitplanken, die jeder Trainer unterschreiben muss. Aber jeder hat seine eigene Note.“

Auf fast ideale Weise erfüllt Lucien Favre (58) die Wunschvorstellungen des VfB. Der Ruf des Schweizers hat nach dessen abruptem Abgang bei Borussia Mönchengladbach zwar gelitten, als er den Verein nach fünf Pflichtspiel-Niederlagen zu Saisonbeginn verließ, generell gilt Favre als schwieriger Charakter, doch sportlich ist er über jeden Zweifel erhaben – spätestens, seit er die Borussia als Abstiegskandidat übernommen und in die Champions League geführt hat. Und nach allem, was zu hören ist, scheint Favre nicht generell abgeneigt, in Stuttgart einen Neubeginn zu wagen. Schon vor einem halben Jahr, so verlautet aus zuverlässiger Quelle, hat er sich wohlwollend über den VfB sowie dessen Umfeld und Perspektiven geäußert. Zurzeit ist Favre in Urlaub, ein Engagement wäre wohl erst zur Winterpause möglich, was kein Hinderungsgrund wäre. „Die Interimslösung mit Kramny ist zeitlich nicht beschränkt“, sagte Dutt.

Zu den Kandidaten zählen auch Markus Gisdol und Tayfun Korkut

Mit seiner Art, Fußball spielen zu lassen, wäre auch Markus Gisdol ein geeigneter Kandidat. Allerdings zählt er offenbar nicht zum engeren Favoritenkreis. Gisdol hatte zuletzt die TSG Hoffenheim sportlich wiederbelebt, zumindest für geraume Zeit. Dann hatte sich die Beziehung zu einzelnen Spielern und zur Vereinsführung jedoch relativ rasch abgenützt. Auch Markus Kauczinski (45/zurzeit Karlsruher SC) und Tayfun Korkut (41/von 2013 bis 2015 Trainer von Hannover 96) würden sportlich passen. Der gebürtige Stuttgarter Korkut konnte als Profi zwar von renommierten Trainern wie Javier Clemente und Vicente del Bosque lernen, als Trainer verfügt er aber über wenig Erfahrung, zudem hat er in Hannover keine Bäume ausgerissen. Gehandelt wird auch Thomas Schaaf (54), der von 2014 bis 2015 Eintracht Frankfurt trainiert hat. Allerdings hat das Bremer Urgestein trotz seiner Mannheimer Abstammung Probleme mit der südlichen Mentalität. Zurzeit vereinslose Trainer wie Jos Luhukay (52/von 2012 bis 2015 Trainer von Hertha BSC), Christoph Daum (62), Felix Magath (62) und Mirko Slomka (48) sind dagegen kaum vorstellbar.

 
Neuer VfB-Trainer gesucht - wer ist Ihr Favorit?
Lucien Favre
Jürgen Kramny
Tayfun Korkut
Markus Kauczinski
Markus Gisdol
Thomas Schaaf
Quiz Maker
 
 
 
 
 
 
13 Kommentare

ARTIKEL KOMMENTIEREN

  1. Kommentarregeln Registrieren Login

Erschreckend wie lange Herr Dutt, den Satz geprägt hat "der Trainer ist nicht das Problem, sondern die Lösung..." dann kann man daran ablesen, dass ggf. Herr Dutt das Problem sein könnte ?!? Ich bin seit fast 40 Jahren durch und durch VfB-Fan und mir blutet das Herz, wie jedes Jahr die Leidensfähigkeit bei uns VfB-Fans weiter ausgereizt wurde... Ich hätte mir gewünscht man hätte Herrn Tuchel die Chance gegeben, der ja scheinbar (mein Kenntnisstand) sich beim VfB beworben hat...stattdessen "demontiert" man Huub, der erstklassige Arbeit geleistet hat...durch die äußerst taktlose Vorgehensweise...da hätte ich mir schon (auch vom Präsidenten) eine "harte" Hand, eine klare Linie gewünscht...aber Konsequenzen sind ausgeblieben...sodass sicherlich auch die Frage erlaubt sei, ob Herr Wahler der Präsi ist der eine Krise meistern kann...mir kommen da so meine Zweifel. Auch Herrn Dutt spreche ich die absolute Kompetenz ab, denn die Neuverpflichtungen zünden auch nicht wirklich...Tyton macht jetzt, nach anfänglichen Schwierigkeiten einen relativ guten Job, zumindest vermisse ich Ulle nicht ! Insua ist stark, Heise durfte bisher nicht wirklich ran, obwohl ich ihn für einen guten Typen halte...Gerorg Niedermeyer hat all die Jahre einen kompromissloses und guten Job für unserem VfB geleistet...wie kann man, gerade wenn man permanente Not hat, diesen Mann ignorieren ??? Warum hat bisher Niemand den angeblichen Leistungsträgern, allen voran Didavi mal richtig in den A... getreten ??? Herr Didavi liebäugelt öffentlich mit Leverkusen...schiesst Selfies im Sportwagen (super Vorbild) und versprüht weder Kampfgeist noch Torgefahr...unfassbar...ebenso Kostic...sollen sie doch gehen...aber bitte direkt im Winter, dass sie wenigstens noch Geld in die Kasse spielen...wir brauchen die Experten nicht...Maxim, Rupp, Gentner und der ein oder andere Youngster werden die Kuh schon vom Eis holen...unser Kader reicht nicht für die CL, aber sicherlich für die Plätze 7-10 locker aus...darauf kann man nach den mageren Jahren aufbauen...und zur Trainerdiskussion...lasst Herrn Kramny doch erstmal machen, vielleicht wird er Schubert Nr. 2? Ich habe ein gutes Gefühl :-)

Zur erstklassigen Arbeit von Hub: in der Rückrunde 2014/2015 hatte er aus den ersten 13 Spielen genau 10 Punkte. Wie viele hatte Alexander Zorniger nochmal? Und warum huldigt man dem Einen und entlässt den Anderen? Sind wir jetzt alle ein bisschen schizo??

Entschuldigen sie Herr Kuhnt, aber mutige Entscheidung hatten wir genug, und alle gingen in die Hose, siehe Keller, Schneider und zuletzt Zorniger. Jetzt muss endlich ein Fachmann her wie Favre, sonst wird das gar nichts mehr. Der VfB soll wieder dahin, wo er herkommt, nämlich ins internationale Geschäft und das funktioniert nur mit Profis, und nicht mit 2.Liga Trainern deren Mannschaft nur 13 Gegentore bekommen.

Normalerweise sind wir Schwaben nicht geizig sondern sparsam und äusserst erfolgreich weil an der richtige Stelle gespart wird.Es ist bei unserem Verein leider nicht der Fall. Bei neue Spielerverpflichtungen ist nicht nur der Verein sondern auch der Trainer wichtig. Bei Lucien Favre ist diese Möglichkeit vorhanden .Ausserdem ist ein bekannter guter Trainer auf jedenfall vorzuziehen um die Mannschaft auf die Erfolgspur zu bringen.

Ich kann mich den anderen Kommentaren dahingehend anschließen, dass H. Favre sicherlich fachlich eine gut Wahl wäre. Ich habe aber nur das dumpfe Gefühl, dass es uns bei ihm ähnlich ergehen könnte wie bei Armin Veh oder zum gewissen Maße auch bei Hub Stevens. Sie sind entweder zeitnah mit Grauen geflüchtet oder aber haben sie signalisiert nicht längerfristig beim VfB arbeiten zu wollen, da der dringend nötige Umbruch wohl länger dauern würde. Daher ergeben sich für mich zwei mögliche Alternativen. Man holt entweder einen etablierten Fachmann wie Favre und stattet ihn mit einem entsprechenden Budget für Spielereinkäufe aus, oder man holt einen jungen unverbrauchten, positiv authentischen Mann wie Frank Schmidt aus Heidenheim und gibt ihm die nötige Zeit ein Team zu entwickeln. Nachdem zu befürchten steht, dass im kommenden Sommer eine ganze Reihe von Leistungsträgern den VfB verlasen werden, vielleicht die bessere Lösung . Mit ihm hätte der VfB ein Traineroriginal vergleichbar mit Streich in Freiburg. Wer ihn noch nicht kennen sollte, er ist seit 2007 Trainer in Heidenheim und hat den Verein von der Oberliga in die 2. Liga geführt (= drei Aufstiege!). Er steht für Offensivfußball, hat aber mit seinem Team aktuell die wenigsten Gegentreffer (= 13 in 15 Spielen) in der 2. Liga bekommen. Davon kann der VfB aktuell nur träumen. Solch eine Lösung würde Mut erfordern, könnte uns aber langfristig wieder in die richtige Richtung führen. Wie gesagt, dies ist nur ein Denkansatz, aber ein interessanter....

Bitte bringen Sie den Namen Marcelo Bielsa ins Spiel. Er ist aktuell nicht nur vereinslos und verfügbar, sondern über jeden Zweifel erhaben. Ein Trainer von Format, mit dem die rote Linie absolut fortgesetzt werden könnte. Bielsa steht für genau das gleiche Spiel, wie man es bis in den Jugendbereich installieren will: Aggressives Attackieren und Spielkontrolle. Im Gegensatz zu Zorniger aber viel ausgewogener mit der Defensive. Bielsa hat den Grundstein dafür gelegt, dass Sampaoli mit Chile jüngst solche Erfolge feiern konnte. Zudem hat er mit der Nationalmannschaft Chiles eindrucksvoll bewiesen, dass defensive Stabilität auch mit qualitativ weniger starken Verteidigern (welche teils noch nicht mal gelernte Verteidiger sind) hinzubekommen ist bei gleichzeitigem Offensivfußball. Ein weiterer Unterschied zwischen Zorniger und Bielsa ist neben der immensen Erfahrung Bielsas auch die angestrebte Ausrichtung auf dem Platz. Während Zorniger gerne alle Spieler ins Zentrum orientierte setzt Bielsa fest auf zwei Außenangreifer, was gut zu unserem Kader (Kostic, Kruse, bald vllt. Usami) passen würde. Bielsa hat damals im Europa-League-Spiel gegen Schalke 04 mit Athletic Bilbao ebenso eindrucksvoll bewiesen, dass er eine neue Mannschaft schon nach kurzer Zeit in die Spur bringen und ihr seine Handschrift vermitteln kann. Mit Bielsa, der gleichermaßen unter Trainern (enger Freund Guardiolas) als auch unter Spielern einen exzellenten Ruf genießt, würde man sich neue Optionen auf dem lateinamerikanischen Spielermarkt eröffnen, der weit mehr zu bieten hat, als die überteuerten Talente aus Brasilien. Dass Bielsa nicht nur in spanisch sprechenden Ländern Erfolge feiern kann, zeigte er bei seiner letzten Station in Frankreich, wo er große Erfolge mit Marseille feierte, was den gesamten Kaderwert enorm erhöhte und große Ablösesummen generierte. Als kleinen Scherz zum Abschluss: Bielsa würde im Falle einer Trennung auch keine Abfindung kosten, da er (genannt "El Loco") ein Mann ist, der auf Absprachen viel Wert legt. Bei Chile legte er sein Amt nieder, da er nicht seine Wunschassistenten bekam und in Marseille hielt sich der Verein nicht an Absprachen bezüglich seines neuen Vertrages, woraufhin Bielsa das Handtuch warf.

Hallo Herr Schmiedel, vielen Dank für ihre fundierten Ausführungen zu Herrn Bielsa. Vielleicht sollten Sie damit persönlich bei Herrn Dutt vorsprechen. Vielleicht würde "El Loco" unseren verwöhnten Millionären mal Beine machen - so wie in den letzten 10 Jahren kann es jedenfalls nicht weitergehen....

Lesen Sie jetzt