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Debatte über Pelzverbot Soll vor Stuttgarter Clubs „gepustet“ werden?

Von Uwe Bogen 

„So trägt man Pelz“, findet der Schauspieler Thomas Kretschmann mit seiner Katze Foto: Peta
„So trägt man Pelz“, findet der Schauspieler Thomas Kretschmann mit seiner KatzeFoto: Peta

Für Jan Peifer, Gründer des Deutschen Tierschutzbüros in Berlin, steht fest: „Die Debatte, die der Artikel der Stuttgarter Nachrichten ausgelöst hat, zeigt eindeutig: Pelz ist out!“ Pelzhändlerin Regina Enssle-Bräuning sieht dies freilich anders und protestiert.

Stuttgart - Sollen Türsteher Pelzträger nicht mehr in Clubs lassen? Im Netz wird diese Frage hitzig diskutiert, worüber sich Jan Peifer, Gründer des Deutschen Tierschutzbüros in Berlin, freut: „Die Debatte, die der Artikel der Stuttgarter Nachrichten ausgelöst hat, zeigt eindeutig: Pelz ist out!“ Regina Enssle-Bräuning, Chefin des traditionellen Stuttgarter Pelzhauses Enssle, sieht dies freilich anders. „Nicht in allen Clubs sind Pelze unerwünscht“, sagt sie, „wir haben etwa die Türsteher des Amici und des Grace mit Pelzen ausgestattet.“

Die Umsetzung eines Pelzverbots ist pro­blematisch. Darauf weist Carlos Coelho, der Chef des Keller Klubs und des Wintergartens, hin: „Ich frage mich, wie die Türsteher auf Anhieb echten Pelz von Kunstpelz unterscheiden sollen.“ Rolf Hiltl, der Betreiber des pelzfreien Clubs Hiltl in Zürich, schickt seine Türsteher zu Schulungen beim Tierschutz. Dort lernen sie den „Blastest“. Bei echtem Fell geht beim Pusten das Deckhaar zur Seite, darunter kommt leicht gekräuselte Unterwolle zum Vorschein.

Demonstration vor Bogner in Stuttgart

Was für Clubbetreiber Coelho außerdem ungeklärt ist: „Hören wir beim Pelzverbot auf, oder machen wir gleich mit Lederjacken weiter?" Jan Pfeifer vom Deutschen Tierschutzbüro weist auf einen für ihn wichtigen Unterschied von Leder und Pelz hin: „Leder, etwa von Kuhhäuten, fällt bei der Schlachtung an.“ Es sei sinnvoller, diese Reste zu nutzen, als sie wegzuwerfen. Dagegen würden Pelztiere extra gezüchtet und nur getötet, dass sie als Kleidung verwendet werden.

„Wir sind keine Neandertaler mehr und brauchen bei der Auswahl an Textilien keinen Pelz mehr“, findet Petra Veiel, die Sprecherin des Stuttgarter Tierheims, „es gibt genügend modische Alternativen, die keinem Tier ein Haar krümmen müssen.“ Wer es trotzdem teuer brauche, sollte sich an Designer wenden, die pelzfrei als Luxus anböten.

Für Petra Veiel ist es „eine Respektlosigkeit gegenüber den Lebewesen, aus modischen Gründen qualvoll gehalten und abgeschlachtet zu werden“. Der Pelz würde ihnen vom Leib gerissen, der Rest weggeworfen. Auch Pelzhändlerin Regina Enssle-Bräuning lehnt es ab, Jackenkragen oder Bommelmützen mit Pelz von chinesischen Marderhunden herzustellen. Ihr Unternehmen suche Zuchtfarmen etwa in Kanada deshalb ganz genau aus. „Das macht es auch nicht besser“, findet dagegen der Berliner Tierschützer Jan Peifer. Für nächsten Donnerstag hat er eine Demonstration gegen Pelze vor der Stuttgarter Bogner-Filiale an der Königstraße angemeldet. Motto des Protests: „Bogner tötet“.

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