Für gewöhnlich stehen Trampolinturnerinnen in Deutschland nicht gerade im Mittelpunkt des sportlichen Medieninteresses. Eine Ausnahme stellte lediglich der Olympiasieg der eingebürgerten Georgierin Anna Dogonadze 2004 in Athen dar. Umso erwähnenswerter ist deshalb das, was ihrer Nationalmannschaftskollegin Lara Hüninghake vor gut einem Jahr passiert ist: Da wurde die gebürtige Isenbüttelerin, die an der Universität in Vaihingen Sportwissenschaften studiert, in Niedersachsen bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres überraschend Zweite. Nicht erst seitdem hat sie ein großes Ziel: eine eigene Olympia-Teilnahme - allerdings nicht in diesem Jahr in London, sondern 2016 in Rio.
Bei der erwähnten Wahl hat Lara Hüninghake einstweilen schon einmal einiges an Prominenz distanziert. Hinter der 22-Jährigen landeten unter anderem die Springreit-Weltmeisterin Meredith Michaels-Beerbaum, die Triathlon-Europameisterin Sandra Wallenhorst und der Tennis-Shootingstar Julia Görges. Ausgezeichnet wurde die Wahlschwäbin in ihrem Heimbundesland unter anderem für die Silbermedaille, die sie bei der Europameisterschaft in Bulgarien mit dem deutschen Team gewonnen hatte sowie den deutschen Mannschaftsmeistertitel mit der TG Jugenddorf Salzgitter. "Ich habe das damals gar nicht beim Sportlerball selbst erfahren, sondern erst hinterher. Bei der Ehrung wurden nämlich nur die Sieger auf die Bühne gerufen und die weiteren Platzierungen gar nicht bekannt gegeben", erzählt Lara Hüninghake.
Beim Höhepunkt der aktuellen Saison, Olympia 2012, wird die Turnerin aus zwei Gründen fehlen: Zum einen gibt es im Programm anders als bei Welt- und Europameisterschaften keinen Synchronwettbewerb, in dem die Chance der letztjährigen deutschen Vizemeisterin auf eine Teilnahme wesentlich größer gewesen wäre als im Einzel - dies im Übrigen gemeinsam mit Leonie Adam aus Bonlanden. Zudem verzichtet Lara Hüninghake eben im Einzel freiwillig darauf, die nationale Qualifikation zu durchlaufen. Der Weg hätte über die Europameisterschaft in Sankt Petersburg führen müssen, die der Bundestrainer Michael Kuhn als letzte Chance festgesetzt hat, der bereits so gut wie sicher nominierten Anna Dogonadze doch noch den einzigen deutschen Startplatz für London streitig zu machen.
"Die EM macht für mich keinen Sinn, solange der dreifache Salto nicht richtig sitzt. Daran werde ich in der nächsten Zeit im Training feilen, um den Abstand zur internationalen Spitze weiter zu verkleinern", sagt Lara Hüninghake, die sich im vergangenen Jahr bei der Weltmeisterschaft in Birmingham nach einer abgebrochenen Kür mit dem 61. Platz begnügen musste. Ähnliche Missgeschicke will die zweimalige deutsche Jugend- und Juniorenmeisterin künftig vermeiden, deshalb fährt sie derzeit fünfmal pro Woche direkt vom Unicampus in Vaihingen nach Ruit. Dort, in der Sportschule, feilt sie dann jeweils zweieinhalb Stunden lang gemeinsam mit dem Bundestrainer Kuhn an der Technik und der Ausführung der Höchstschwierigkeiten auf dem Trampolin.
Auch wenn die Europameisterschaften und Olympia in diesem Jahr für die angehende Sportwissenschaftlerin kein Thema mehr sind, so gibt es doch große sportliche Ziele: "Ich will im zweiten Halbjahr nach Ende meiner Uni-Prüfungen richtig durchstarten und mindestens an einem Weltcup teilnehmen", sagt Lara Hüninghake. Und schließlich sei eines schon im Hinterkopf - doch Olympia, nämlich 2016 in Brasilien. Das werde für sie dann durchaus realistisch, schätzt die 22-Jährige. Im besten Sportleralter wird sie jedenfalls immer noch sein.