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Das Teufelsding aus Dingolfing wird 55

"Fellbach und Rems-Murr-Kreis", vom 13.07.2010 02:38 Uhr
Weiler zum Stein Das Goggomobil feiert Geburtstag - und hat noch immer eine Menge junger und alter Fans. Uwe Staufenberg versorgt seit mehr als 25 Jahren die Liebhaber des betagten Kleinwagens mit den passenden Ersatzteilen und hilfreichen Tipps. Von Annette Clauß

Knatter, knatter, röhr. Wenn Uwe Staufenberg mit seinem Auto durch Weiler zum Stein fährt, müssen die Nachbarn erst gar nicht aus dem Fenster schauen, um zu wissen, wer da unterwegs ist. Das Geräusch eines Goggomobils ist unverwechselbar. Zu verdanken ist das dem luftgekühlten Zweizylinder-Zweitaktmotor, der den Kleinwagen antreibt. Das Knattern des vom Volksmund einst als "Teufelsding aus Dingolfing" bezeichneten Goggomobils bringt Uwe Staufenbergs Gesicht zum Strahlen.

Für das Goggomobil hat der Betriebswirtschaftler im Jahr 1984 "einen guten Job bei der Firma mit dem Stern" gekündigt und sich selbstständig gemacht. Seitdem versorgt er Goggo-Fans mit Ersatzteilen, die er neu anfertigen lässt, quasi als Monopolist. Für die Herstellung einer Pressform für Kotflügel legt er schon mal 50 000 bis 60 000 Euro hin. "Man kann eigentlich jedes Goggo wieder zum Leben erwecken." Staufenberg kennt und beliefert Goggo-Freunde auf der ganzen Welt. "Manche nutzen es als Alltagsauto, andere restaurieren es für ihre Enkel. Manche stellen es sich ins Wohnzimmer." In einem Punkt seien sich aber alle Goggo-Fahrer gleich, sagt er: "Es sind alles sehr freundliche und liebe Menschen."

Dem kleinen Gefährt aus dem Bayerischen hat Uwe Staufenberg schon als Kind fasziniert hinterhergeschaut. Damals saßen meist ältere Herrschaften hinter dem Lenkrad, denn dank des 250 Kubikzentimetermotors durften es auch diejenigen steuern, die nur einen Führerschein der Klasse vier hatten, der eigentlich für Motorroller und Zugmaschinen in der Landwirtschaft galt. Das machte das Goggomobil zwar nicht gerade zum hippen Flitzer, aber zu einem sehr begehrten, ja, zum erfolgreichsten Kleinwagen der Nachkriegszeit.

Und darüber ist Uwe Staufenberg heute froh, denn Jahrzehnte später ist trotz des Goggos schlimmstem Feind - dem Rost - noch immer eine recht beachtliche Zahl der Kleinwagen übrig geblieben: Limousinen, Coupés und Transporter. Der Goggo-Experte spricht von rund 9000 zugelassenen Exemplaren, die bis heute rund um den Globus über die Straßen knattern und geht davon aus, dass die Dunkelziffer der noch existierenden Goggos um das Zwei- bis Dreifache höher liegt.

Ein seltener Goggo-Transporter hat lange ausharren müssen, bis Uwe Staufenberg ihn wach küsste. Das gute Stück gehörte zum Fuhrpark eines Mannes, der einst Generalvertreter für Goggomobile in Spanien war. Den grünen Transporter hat er nie verkauft, das Fahrzeug wartete 45 Jahre in einer Tiefgarage in Madrid auf seine erste Fahrt. Uwe Staufenberg hat es dort mit seinem Anhänger abgeholt und ins Schwäbische transportiert. Auch das amerikanische Export-Modell das einem türkisfarbenen Lutschbonbon ähnelt, hat seine eigene Geschichte. Die beginnt mit einem amerikanischen Kaugummifabrikanten und Sammler und führte 1997 nach London ins Auktionshaus Christie"s. Dort ersteigerte der britische Unternehmer Peter de Savary das Autochen für umgerechnet 24 542 Euro - und machte es zum teuersten Goggomobil der Welt. Sein Einsatzort war fortan das Schlossgelände des schottischen Skibo Castle, wo Popstar Madonna den Filmregisseur Guy Ritchie geheiratet hat. "Madonna ist mit ziemlicher Sicherheit in diesem Goggo gesessen", beteuert Staufenberg. Er hat es Jahre später "für einen Appel und ein Ei" im Internet ersteigert und nach Hause verfrachtet.

Im August erfüllt sich Staufenberg einen Traum und fährt mit seinem Goggo und einem befreundeten Co-Piloten die Route 66. 2800 Kilometer, von Los Angeles nach Chicago. Zehn Tage wird das dauern, schätzt er. Seine einzige Sorge angesichts der Mammutstrecke ist, dass bei den sommerlichen Temperaturen das Benzin im Tank kochen könnte. "So werden wir wohl nachts fahren." Und zwar "mit Vollgas bis zum Anschlag", denn dann läuft der Goggomotor erst richtig rund - mit seinem unverkennbaren Sound: knatter, knatter, röhr.

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