Der Duft von Kaffee und Kuchen empfängt die Besucher im Kleinen Kaufhaus in Stammheim. Bunt tapezierte Wände und restaurierte Möbel geben den Räumen ein gemütliches Flair, die Cafe-Ecke mit Stehtischen lädt zum Verweilen ein. "Schön ist es geworden", sagt Rolf Kaltenberger, der für die Neue Arbeit mehrere Sozialkaufhäuser betreut: "Hauptsächlich werden hier Haushaltswaren: Teller, Gläser, Besteck, Einrichtungsgegenstände verkauft. Aber auch Kleidung und Elektrowaren haben wir im Angebot." Eine hauptamtliche Mitarbeiterin und fünf Ein-Euro-Jobber sind im Stammheimer Sozialkaufhaus beschäftigt. Die Waren werden vor dem Verkauf überprüft, saubergemacht und repariert. "Auf Elektrogeräte geben wir dann sogar wieder ein Jahr Garantie", erklärt Kaltenberger. Wer bei Gebrauchtwarenläden an muffige Kleider und unübersichtliche Wühltische denkt, der irrt: Das Stammheimer Kaufhaus ist gut geordnet, die Waren sind trotz des begrenzten Raums liebevoll arrangiert.
Mit der Resonanz bei den Stammheimern ist Rolf Kaltenberger bislang zufrieden. Besonders am Anfang seien viele Neugierige in den Laden gekommen. "Das Gute ist, dass jeder im Kleinen Kaufhaus einkaufen kann." Auch diejenigen, die gerade so oberhalb der Grenze zur Bedürftigkeit leben, hätten die Möglichkeit, günstig Waren des täglichen Lebens zu erstehen. Es gibt eine Vorteilskarte, mit der die Waren nochmal dreißig Prozent billiger werden. Auf der anderen Seite kämen auch Menschen, die nicht bedürftig sind. "Es geht uns darum, einen Ort der Integration zu schaffen." Kaltenberger hofft, dass weiterhin Menschen verschiedensten Hintergrunds das Kaufhaus besuchen. Aus Angst, anderen vielleicht etwas wegzunehmen, hätten viele Hemmungen, im Kleinen Kaufhaus einzukaufen. Das sei jedoch eine unbegründete Sorge: "Der Spendenzulauf ist bis jetzt sehr gut. Wir bekommen von vielen Seiten gute Ware." Der größte Teil stammt aus Sachspenden, aber es gibt auch Neuware. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Ausstellungsstücke von Messen, die es ebenfalls zu günstigen Preisen gibt. "Wünschenswert wäre nun noch, dass die, die uns etwas spenden, auch bei uns einkaufen", meint Kaltenberger.
Das Kleine Kaufhaus enstand durch eine Initiative der Stammheimer Bezirksbeirätin Judith Vowinkel und der Diakonieschwester Erika Schittenhelm. Die beiden hatten urprünglich einen Tafelladen ins Leben rufen wollen. Im Gespräch mit dem Sozialunternehmen Neue Arbeit wurde jedoch klar, dass ein soziales Kaufhaus sich besser für Stammheim eignet. Im Gegensatz zu den Tafelläden können dort alle einkaufen - ob bedürftig, oder nicht. Beworben wurde das Kaufhaus bis jetzt nur zurückhaltend, da keine anderen Läden vom Markt verdrängt werden sollen. Dennoch ist es natürlich wichtig, im Gespräch zu bleiben: Dabei soll das Hoffest am 10. September zwischen 15 und 20 Uhr helfen. Gefeiert wird im Hof des Hauses in der Korntalerstraße 51. Es wird gegrillt, dazu gibt"s Getränke, Kaffee und Kuchen in entspannter Atmosphäre. Und die Möglichkeit, System und Team des Kaufhauses kennenzulernen. Kaltenberger: "Das Fest ist unter anderem auch ein Startschuss für alle, die sich bis jetzt nicht getraut haben, mal herein zu schauen."