Noch heute ist der 29. Mai 1983 bei den Mitgliedern der Fußball-Abteilung der SpVgg Rommelshausen - zumindest den älteren unter ihnen - Gesprächsthema. An jenem Sonntag stand der damalige Landesligist um den Spielertrainer Rolf Brazel kurz vor dem Aufstieg in die Verbandsliga. Als Tabellenzweiter (47:19 Punkte) hätte am finalen Spieltag ein Heimsieg gegen den Spitzenreiter TSG Backnang (48:18 Zähler) zum Klassensprung gereicht. Nach 90 Minuten und dem 3:0-Erfolg für die Gäste war jedoch klar: Die SpVgg Rommelshausen bleibt in der Landesliga.
Dennoch findet die Partie bis heute Erwähnung in den vereinseigenen Annalen. Denn nie zuvor - und auch nie wieder danach - kamen mehr Zuschauer zu einem Fußballspiel ins Saint-Rambert-Stadion. Auf der Internetseite der SpVgg-Fußballer werden 4000 zahlende und insgesamt 5000 Besucher angegeben. Im Bericht der Fellbacher Zeitung vom 30. Mai 1983 ist von immerhin 3000 Zuschauern zu lesen.
Fast 27 Jahre später steht am Sonntag (15 Uhr) mal wieder ein Fußball-Spiel im Saint-Rambert-Stadion an, zu dem eine außerordentlich große Kulisse erwartet wird. Drei Spieltage vor Saisonende kommt es in der Kreisliga B, Staffel 1, zum Derby zwischen der SpVgg Rommelshausen und dem TV Stetten. Der Gastgeber ist Tabellendritter, die Gäste stehen an der Tabellenspitze. Zwei Punkte (und ASGI Schorndorf als Tabellenzweiter) trennen die beiden Nachbarn. Der Verlierer dieses Duells dürfte mit dem Kampf um den Aufstieg in die Kreisliga A aller Voraussicht nach nichts mehr zu tun haben. "Ganz klar, wir müssen gewinnen. Und ganz ehrlich: Lieber wäre mir, es kommen 30 Leute und wir siegen als 2000 Zuschauer und wir verlieren", sagt SpVgg-Abteilungsleiter Ralph Storz, der zwar nicht mit einer ähnlichen Kulisse wie am 29. Mai 1983 rechnet, aber doch von "mindestens 700 Zuschauern" ausgeht.
Damit kein Chaos wie am 28. September 2008 entsteht, als die SpVgg Rommelshausen zwar mit 3:0 gegen den TV Stetten gewann, dafür aber Probleme mit dem Andrang von rund 500 Zuschauern hatte, soll die Organisation am kommenden Sonntag wesentlich besser sein. Damals war nur ein Verkaufsständchen geöffnet, und das Wechselgeld ging aus. "Das passiert uns dieses Mal nicht", sagt Ralph Storz, der deshalb mehr Grill- und Getränkestände öffnen lassen will. Zudem weist der Vordenker die Besucher des Derbys darauf hin, dass die Parkmöglichkeiten rund um das Stadion frühzeitig erschöpft sein werden: "Es lohnt sich also, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu kommen."
Am 29. Mai 1983 war das nicht anders. Die Geschichten vom damaligen Spiel gegen die TSG Backnang kann Ralph Storz allerdings nicht mehr hören: "Ach, an den Stammtischen ist die Partie noch immer Thema. Da heißt es dann, dass wir damals vor 4000 Zuschauern und in der Landesliga gespielt haben und heute nur noch in der Kreisliga B vor ein paar Unentwegten."
Das kommende Derby gegen den TV Stetten stellt da eine willkommene Abwechslung zum Alltag in der Kreisliga B dar. Zumal dann, wenn die SpVgg Rommelshausen gewinnen sollte. Ralph Storz ist diesbezüglich guter Dinge, auch wenn er dem Lokalrivalen Respekt zollt: "Beim TV Stetten ist in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet worden. Die Stettener haben sich richtig was aufgebaut und spielen schönen Fußball. Aber auch wir sind gut drauf."
Ähnliches kann Michael Kienzle von seiner Mannschaft behaupten. Der Trainer des TV Stetten, der gelegentlich noch selbst mitwirkt, hat mit seinem Team seit dem 6. Dezember alle elf Ligaspiele gewonnen. Die bis jetzt letzte Niederlage datiert vom 21. November - dem Tag des Hinspiels zwischen dem TV Stetten und der SpVgg Rommelshausen (0:1). Wie das Derby oder die Saison ausgehen wird, darüber will Michael Kienzle keine Vermutungen anstellen. Er sagt nur so viel: "Auf das Torverhältnis wird es am Ende nicht ankommen." Bei einem Sieg am Sonntag bliebe sein Team erster Bewerber auf den Direktaufstieg, ein Unentschieden hielte zumindest die SpVgg auf Distanz.
So oder so dürften die Mitglieder der Fußball-Abteilung der SpVgg Rommelshausen ein weiteres Gesprächsthema bekommen - nicht nur die älteren unter ihnen.