Daimler Vertragsverlängerung für Dieter Zetsche - um nur drei Jahre

dpa, 21.02.2013 15:26 Uhr

Stuttgart - Dämpfer für Daimler-Chef Dieter Zetsche: Der Aufsichtsrat des Autobauers hat den Vertrag des 59-Jährigen überraschend nur um drei Jahre verlängert. Das teilte der Dax-Konzern am Donnerstag in Stuttgart mit. Eigentlich werden Vorstände bei dem Autobauer mittlerweile für fünf Jahre wiederbestellt. Der bisher als Kronprinz gehandelte Top-Manager Wolfgang Bernhard bekommt eine neue Aufgabe: Er tauscht die Posten mit dem bisherigen Nutzfahrzeugchef Andreas Renschler.

Nach dpa-Informationen hatte sich vor allem die Arbeitnehmerseite für die geringere Vertragslaufzeit stark gemacht. Zugleich wurde auch der Kontrakt von Forschungsvorstand Thomas Weber nur bis Ende 2016 erneuert. An der Börse gaben die Papiere des Autobauers nach der Bekanntgabe um mehr als 2 Prozent auf rund 44,27 Euro nach.

Nach Angaben von Daimler hat die kürzere Periode Altersgründe: Man habe sich entschieden, die Verträge aller Vorstände, die während einer Vertragsverlängerung 60 Jahre alt sind oder es werden, nur noch um drei Jahre zu erneuern.

Zetsche wird damit bis Ende 2016 verpflichtet. Der 59-Jährige steht seit Anfang 2006 an der Spitze des Konzerns. Sein Vertrag wäre Endes dieses Jahres ausgelaufen. Einem Daimler-Sprecher zufolge sei die Entscheidung für die Verlängerung einstimmig gewesen

„Erfolgreiche Unternehmen entwickeln ihre Strategien gemeinsam mit den Vertretern der Arbeitnehmer“, sagte Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm der Nachrichtenagentur dpa. „Die jetzt beschlossenen Veränderungen erleichtern einen solchen konstruktiven Dialog.“

"Ursprünglich war er mal in der Rolle des Kronprinzen"

Autoexperte Stefan Bratzel sagte: „Das Signal heißt natürlich Kontinuität. Aber der Anspannungsgrad steigt. Man muss mit den Zielen, die man sich gesetzt hat, die Wetterbewerber auch aufholen.“ Statt sich entspannen zu können, stehe Zetsche mit der Vertragsverlängerung jetzt eher unter größerem Druck.

Zetsche hat das Ziel ausgerufen, bis 2020 an den Konkurrenten Audi und BMW vorbeizuziehen. Zuletzt hatte der 59-Jährige allerdings sowohl für den Gesamtkonzern als auch für die wichtige Autosparte einen Rückgang beim operativen Gewinn bekanntgeben müssen. Beim Absatz und Umsatz verbuchte der Autobauer indes neue Bestwerte.

Mit Zetsches Wiederbestellung geht auch ein Umbau des weiteren Vorstands einher: Produktionschef Wolfgang Bernhard, dessen Vertrag erst vor knapp einem Jahr bis 2018 verlängert worden war, wechselt von April an in das Vorstands-Ressort für Daimler Trucks. Der bisherige Truck-Chef Andreas Renschler wird im Gegenzug Chef für Produktion und Einkauf von Mercedes-Benz Pkw und Mercedes-Benz Vans.

Aus mit der Sache vertrauten Kreisen hieß es, den Arbeitnehmervertretern sei es wichtig gewesen, dass Bernhard „nicht mehr Pkw“ mache. Der einst als Kronprinz gehandelte Manager hatte in der Vergangenheit für Unmut gesorgt, als es um Einsparungen bei Mercedes-Benz ging.

„Ursprünglich war er mal in der Rolle des Kronprinzen“, sagte Branchenkenner Willi Diez von der Hochschule Nürtingen-Geislingen. „Im Moment hat man nicht den Eindruck, dass es einen Kronprinzen gibt.“ Allerdings falle zur Zeit häufiger der Name von Finanzvorstand Bodo Uebber.

 

 
 
Kommentare (4)
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FEB
22
wecci aus Ditzingen, 11:07 Uhr

'Das Beste oder nichts',...

...dieser unter Zetsche reaktivierte dümmliche Spruch fällt auf ihn selbst zurück. Da müssen erst ein paar Italiener kommen, um den deutschen Managern zu zeigen, wie man eine heruntergekommene Firma wie Chrysler, an der Zetsche sowie sein Duzfreund Bernhard lange genug erfolglos herumdoktern durften, wieder auf Vordermann und in die Gewinnzone bringt. Und zwar so erfolgreich, dass sich in den USA General Motors und Ford verwundert die Augen reiben. Hier in Deutschland wird jetzt erstmal – erstens die Belegschaft (Produktivität extrem steigern) und – zweitens – die Zulieferfirmen (Kosteneinsparungen von 2 Mrd.Euro kurzfristigst) in Angst und Schrecken versetzt. Dabei geht das Wichtigste, das Vertrauen der Kunden, ganz so nebenbei durch eine völlig beliebige Modellpolitik, bei der die Idendifikation mit der Marke inzwischen völlig verloren ging, flöten. Über die Qualität, das ehemalige Merkmal von Daimler-Benz, lassen sich die Fachzeitschriften gar nicht mehr aus, nicht nur der Rost nagt seit geraumer Zeit am Nimbus der vormaligen Premiummarke Nr.1. Zusammengeschustere modische Modelle wie die A-Klasse liegen in Tests, meist geschlagen von Audi und BMW, nur noch im Mittelfeld. Ach ja, wenigstens stimmen die Gehälter der Bosse sowie die Dividenden der Aktionäre. Die Mischung macht's.

FEB
22
AndreasS, 11:07 Uhr

Rente

Es ist doch offensichtlich, warum der Vertrag nur 3 Jahre verlängert wurde. Herr Zetsche ist dann 63 und geht in seinen wohlverdienten Ruhestand. Da kann er es mit Desiree nochmal so richtig krachen lassen. Verdient hat er sich den Ruhestand jedenfalls.

FEB
21
ello, 16:17 Uhr

Verwalter

Zetsche ist ein Verwalter. Schrempp und Reuter waren Vollnieten, insofern ist Zetsche schon ein Fortschritt. Ein echter Unternehmer ist er aber auch nicht.

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