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Daimler-Boss Zetsche verdient jede Stunde 1000 Euro

dpa, vom 22.02.2012 12:46 Uhr
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Stuttgart - Das Rekordjahr beim Autobauer Daimler flutet auch wieder das Konto des Chefs: Dieter Zetsche verdient 2011 fast 9 Millionen Euro. Das ist mehr als die meisten Hauptgewinne im Lotto bringen. Ist das noch gerecht?

8,813 Millionen Euro - Daimlers Boss Dieter Zetsche hat im Rekordjahr seines Unternehmens auch rekordverdächtig verdient. Für einen Normalsterblichen sind das schwindelerregende Sphären. In Baden-Württemberg liegt der durchschnittliche Brutto-Jahresverdienst bei 45 150 Euro. Dafür benötigt Herr Zetsche nicht einmal zwei Tage. Rechnerisch verdient der Top-Manager rund 1000 Euro in jeder einzelnen Stunde eines Tages. Das Pikante an seiner Entlohnung: Daimler hat Zetsches Zaster im Vergleich zum Vorjahr konstant gehalten - und das trotz besserer Konzernergebnisse. Eine Reform der Vergütung ist schuld.

Für Rückstellungen bekäme der VfB sechs Mal Stürmer Ibisevic

Am Hungertuch nagen muss der 58 Jahre alte Top-Manager aber freilich nicht. Zwar fließen die 8,8 Millionen Euro nicht sofort komplett auf sein Konto, sondern enthalten mittel- und langfristige Teile, die erst später ausgezahlt werden und dabei auch schrumpfen könnten. Und auch der Daimler-Vorstandschef muss natürlich Steuern zahlen. Eines aber ist sicher: Da Zetsche schon länger dabei ist und dementsprechend von Boni der Vergangenheit profitiert, dürfte er der mit Abstand am besten versorgte Mitarbeiter bei Daimler sein. Allein die Rückstellungen für Zetsches Ruhestand haben einen Barwert von sage und schreibe knapp 30 Millionen Euro. Mit dem Gegenwert könnte man dem VfB Stuttgart sechs Mal den Starstürmer Ibisevic kaufen.

Mit 29 Millionen Euro liegen die gesamten Vorstandsvergütungen bei Daimler diesmal gut drei Millionen Euro höher als im Vorjahr. Das ist allerdings vor allem dem zusätzlichen Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt im neuen Ressort Integrität und Recht geschuldet. Abgeschlagen hinter dem Boss rangiert Finanzvorstand Bodo Uebber, dessen Bezüge (3,843 Mio Euro) leicht über denen der anderen liegen.

Erstmals griff bei Daimler dieses Jahr eine Reform der Vergütung. Die drei Säulen Grundgehalt, Boni und Aktienpakete sind stärker als bisher an langfristige Faktoren gekoppelt. Dadurch bekommt Zetsche trotz operativen Rekordgewinns (2011: 8,76 Milliarden Euro) keinen Rekordbonus.

Wo ist das Maß bei Managergehältern?

Doch wie misst ein Konzern eigentlich eine gerechte Vergütung? Die Gruppe der Geschäftsführer verdient in Baden-Württemberg laut Einkommensstatistik im Schnitt gut 100 000 Euro jährlich. Demnach ist Zetsche rund 90 Mal so viel wert wie die Leistung mittelständischer Manager. Ein Arbeiter bei Daimler hat in der höchsten Tarifstufe etwa 60 000 Euro Jahresbrutto. Das schafft Zetsche in zweieinhalb Tagen.

Darf das sein? Wo ist das Maß dafür? In Daimlers Geschäftsbericht müht sich der Konzern um Erklärungen. Ziel des Systems sei es „die Vorstandsmitglieder (...) angemessen zu vergüten, um auch für Spitzenkräfte ein attraktiver Arbeitgeber zu sein“. Im Umkehrschluss hieße das: nur millionenschwere Bezahlungen sichern gute Leute.

Aus ethischer Sicht wirft das enorme Vorstandssalär grundlegende Fragen auf. „Gar nicht die Höhe allein ist das Ärgerliche, sondern die Anreizwirkung und der Geist dahinter“, sagt Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann. Er gibt zu bedenken, dass sich Zetsches Zaster auch mit dem reformierten System noch immer an Kennzahlen orientiert.

„Diese Anreize treiben die Radikalität des Managements geradezu an. Professionelle Manager müssten sich eigentlich dagegen verwahren, über Anreize gesteuert zu werden“, sagt der Wissenschaftler. Mögliche Schattenseiten einer solchen Managementkultur seien längst in der Diskussion: Etwa Leiharbeit, Arbeitsverdichtung oder unsichere Arbeitsverträge. „Das ist die Logik unbedingter Rentabilität.“

Kommentare (6)
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FEB
23
22:19 Uhr, geschrieben von Kurt Huppenbauer
Peanuts
Seit Jahren wehren Zetsches Anwälte die Forderung des Bundes gegen die rd.50 %ige Betreilugungsgesellschaft an der Toll-Collect in Sachen Schadenersatz und Zinsen in Höhe von rd.5 Milliarden Euro in einem Schiedsgerichtsverfahren ab. Sollte es Zetsches Mannen gelingen den Bundesfinanzminister und seinen Verkehrsminister weiterhin von einem Griff in die Daimler- Konzernkasse abhalten zu können (rd. 2,6 Mrd. müsste die Daimler- AG bezahlen), dann hat D.Zetsche doch seinen Stundenlohn von 1000 Euro oder die rd. 9 Millionen Euro für 2011 längst verdient. Wenn die in Berlin das mit sich machen lassen -Griechenland läßt grüßen- dann versteht man auch, wieso der Herr Bundesverkehrs- minister lieber das Punktesystem in Flensburg ändert, anstatt sich um die 5 Mird.Euro zu bemühen, die dem Verkehrsetat zugeordnet werden müssten. Aber da hat der eine von dem gewaltigen Bundes- finanzminister Mores, sonst würde er doch die CSU-Presse zumindest am Aschermittwoch heißt machen. Leider nichts gehört. Herr Zetsche darf sich bis auf weiters freuen; solche Berliner-Bedingungen ("Beziehungen") muss man sich wahrscheinlich hart erarbeiten und das, obwohl ein ehemaliger BGH- Richter diesen Fall seit über 6 Jahren zur Entscheidung vorliegen hat. Einfach Klasse, Herr Zetsche, weiter so, bis den Sachverhalt der Bund der Steuerzahler aufgreift vergehen wahrscheinlich nochmals sechs Jahre. Die Peanuts von Herrn Kopper wurden also inflationiert; man muss halt alles relativieren und somit auch Herrn Zetsches Gehalt.
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FEB
23
17:33 Uhr, geschrieben von MK 0711
Gerecht?
Eine Gerechte Bezahlung wird wohl prinzipiell erst mal jeder von seinem eigenen Geldbeutel aus bewerten. Ob diese Summen trotz Allem gerechtfertigt sind kann und will ich nicht sagen. Aber eines bedenke ich immer vor einer Urteilsbildung, nämlich dass ein Mann wie Herr Zetsche wohl nur noch ein Drittel des Jahres zu Hause ist, 365 Tage im Jahr erreichbar sein muss, Verantwortung über Menschen auf dem ganzen Globus innerhalb des Daimler-Konzerns hat, wohl 10 Psychotherapeuten beschäftigen muss um solch einem Druck auszuhalten, seine Familie ständig in Sorge ist und somit wohl auch polizeilicher Beobachtung, vor irgendwelchen militanten Idioten und Erpressern, Familienfeiern nur per Skype mitmachen kann, weil er mal wieder tausende Kilometer weit weg sein muss, all jene Momente einfach gar nicht wahr nehmen kann, die das Leben so erfüllen und erfreuen, weil man schier einfach nicht zu Hause ist. Welch eine Motivation muss man geben um einen Menschen wie Zetsche zu beschäftigen? Wo man zu 90 % nur noch funktionieren muss und nicht mehr leben kann wie man es möchte? Ich glaube ich kann so einen Job wie Herr Zetsche nicht machen und will es vor Allem auch gar nicht. Auch wenn man mir 10 Mio im Jahr bieten würde. Was man in einer Position wie Herr Zetsche alles aufgibt und nicht erleben kann wie der "Normalbürger" es tagtäglich tut, kann man meines Erachtens kaum mit Geld ersetzen.
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FEB
22
19:31 Uhr, geschrieben von Albert Seitzer
Es ist ein bißchen anders, als bei den Fußballstars.
Man kauft sich die vermeintlich besten Fußballstars weltweit zusammen und muss dabei gegen die Konkurrenz bieten. Dies geschieht auch bei der Vorstandskandidatensuche. Der Unterschied ist nun, dass die Vorstände, einmal im Amt, ihre Vergütung selber gestalten. Normalerweise müßte der Aufsichtsrat die Vergütung bestimmen, aber der Vorstand schlägt den Aufsichtsrat vor, setzt ihn durch und zahlt als Gegenleistung eine total überhöhte Aufwandsentschädigung an die Aufsichtsräte. Wobei er das nur vorschlagen dürfte, aber er setzt es natürlich locker durch. Die Aufsichtsräte werden also geschmiert, sie sind korrupiert, Politiker eignen sich wunderbar dafür. Wegen der tollen Aufsichtsratsposten wurde die EnBW überteuert gekauft und die LBBW unsinnig gerettet. Auch private Aktiengesellschaften schmücken sich mit Politikern oder gar mit Vorständen anderer Aktiengesellschaften. R. M. hat vortrefflich beschrieben welche katastrophalen Auswirkungen diese Korruption hat für die Volkswirtschaft und die Arbeitnehmer. Im Fall Daimler: Leiharbeiter (Lohn- und Sozialdumping), Kapital und Know-how Transfer nach China, Luxusfahrzeuge bzw. für Normalverdiener unbezahlbare Fahrzeuge, Fußgängerrammfahrzeuge, Abhängigkeit der Regierung usw.. In diese verrückte Richtung gibt es eine weltweite Konkurrenz, allen voran von der Realwirtschaft abgekoppelte Finanzjongleure. Da lohnt es sich schon nicht mehr sinnvolle Produkte für die Menschen herzustellen. Was Daimler immerhin noch tut. Es soll aber auch Vorstände geben, die mit dem unverdienten Geld Segensreiches tun. Selten, denn sie sind nicht skrupellos genug um Vorstand zu werden.
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