Das Stuttgarter Architekturbüro Behnisch soll am Karlsplatz zwei neue Büro-, Handels- und Hotelbauten errichten. Das Handelshaus Breuninger baut sie gemeinsam mit dem Land. Breuninger will das neue Quartier zum Weihnachtsgeschäft 2014 eröffnen.
Bei der Vorstellung des Siegerentwurfs und elf weiterer Vorschläge international renommierter Architekten am Donnerstag im Haus der Wirtschaft ließ Breuninger-Chef Willem G. Van Agtmael keinen Zweifel daran, dass er die Pläne so schnell wie möglich umsetzen will.
Finanzminister Willi Stächele (CDU) war zuvor in seiner jovialen Art im Ungefähren geblieben. Ende 2014, vielleicht eher 2015 werde man am Karlsplatz fertig werden. Der Zeitplan dieses Neubaus sei ja abhängig vom neuen Innenministerium. Das Land hat es vor wenigen Monaten entlang der Willy-Brandt-Straße begonnen. "Wir wollen unbedingt 2014 fertig sein", präzisierte van Agtmael unmissverständlich. Er betreibe die Pläne bereits seit 2006. Land und Breuninger, je hälftig an einer gemeinsamen Gesellschaft für den Neubau am Karlsplatz beteiligt, wollen 280 Millionen Euro investieren. Die von beiden eingebrachten Grundstücke sind dabei eingerechnet.
"Das ist ja keine Schalterhalle"
Die Partner wollen aus dem neuen Quartier am Karlsplatz gemeinsamen Nutzen ziehen. Das Land will hier 800 bis 950 Arbeitsplätze verschiedener Ministerien konzentrieren. Durch diesen und den Neubau an der Brandt-Straße soll sich die Zahl von bisher laut Stächele mehr als 20 Büro-Standorten der Ministerien in der Innenstadt deutlich reduzieren, was größerer Effektivität bringe.
"Edler kann es gar nicht mehr sein, wenn man Ministerien unterbringt", sagte Stächele, korrigierte sich aber später: Er habe im übertragenen Sinn gesprochen, die Beamten bekämen Büros mit einer Fläche von "netto 15 Quadratmeter".
Um die Standards des Landes hatte sich der Rechnungshof in einer kritischen Anmerkung gekümmert. Stächeles Ministerialdirektorin Gisela Meister-Scheufelen erklärte die Diskussion am Donnerstag für beendet. Die 15 Quadratmeter seien akzeptiert und im Grunde Standard. "Das ist ja keine Schalterhalle, und wir haben einen hohen Akademikeranteil unter den Mitarbeitern", rechtfertigte sie die Zimmergröße.
Er habe, begründete Willem van Agtmael seinen Vorstoß, "unverändert Sorge um die Entwicklung in der Stadt". Gemeint ist damit das Breuninger-Stammhaus am Marktplatz. Durch Neubauten und Verbesserungen in der Königstraße, die für zehn Millionen Euro einen neuen Belag erhalten hat, und durch den Bau von Stuttgart 21 mit einer drohenden Handelsfläche von 47.000 Quadratmeter hinter dem Bahnhof könnte der Standort von Breuninger "mehr und mehr zur Insellage zu werden". Im Stammhaus arbeiteten mehr als 1000 Menschen, so van Agtmael.