Costa Rica Die schöne Natur in La Tigra

Von Michael Juhran aus La Tigra 

Der Rotaugenlaubfrosch ist ein besonders hübsches Kerlchen - und sozusagen das Nationaltier von Costa Rica. Foto: Juhran
Der Rotaugenlaubfrosch ist ein besonders hübsches Kerlchen - und sozusagen das Nationaltier von Costa Rica.Foto: Juhran

Urlaub in Costa Rica mit und in der Natur: Auf Baumwipfelpfaden entdeckt man den unglaublichen Reichtum der Wälder.

Otto Mendez sieht mit seinen streng zu einem Zopf geordneten Haaren aus wie ein Künstler. Doch seine Leinwand ist die Natur. Mit grenzenloser Fantasie und fundierten botanischen Kenntnissen ausgestattet, vermag er innerhalb weniger Wochen trostlose Sandbrachen in blühende Landschaften zu verzaubern. Rund um sein Haus im costa-ricanischen La Tigra wähnt man sich in einem botanischen Garten. Palmen aus Malaysia, Japan und Madagaskar gedeihen neben Pandanusbäumen aus Australien oder Mandelbäumen aus Mittelamerika. Mutter Natur platzt auf Ottos Mendez’ Grundstück aus allen Nähten. Aus einer kleinen Quelle ließ der Landschaftsgärtner eine terrassenförmig angelegte Teichlandschaft entstehen, eingesäumt von 60 Bromelienarten, Farnen, Helikonien, Amelien, Hortensien und Calatheen - ein ausuferndes Grün, in dem sich die schönsten Pflanzen der Regenwälder unserer Erde ein Stelldichein zu geben scheinen.

Gern führt Mendez deutsche Touristen durch sein Pflanzenparadies, das sich beim näheren Hinsehen auch als idealer Biotop für Frösche, Vögel, Schmetterlinge und Insekten aller Art entpuppt. Unter einer Helikonie bettet sich gerade ein Vogel zur Nacht, auf dem benachbarten Busch kuscheln zwei rotäugige Laubfrösche miteinander, ein aus der Familie der Leguane stammender Basiliskus lässt sich auf einem Farnblatt vom Wind schaukeln, Kolibris sammeln emsig den letzten Nektar zum Abendessen ein, und aus dem Inneren einer Bromelie schaut neugierig ein winziger Pfeilgiftfrosch nach dem Rechten. Eine Wildtiersafari in Afrika könnte kaum aufregender sein als dieser Abendspaziergang durch Otto Mendez’ Garten.

Ferienhäuser aus selbst gepflanztem Bauholz

Der Gärtner ist schon wieder in ein neues Projekt involviert. Vor acht Jahren hatten seine Freunde Paul und Gelbert gemeinsam mit dem deutschen Reiseveranstalter Travel-to-nature auf einer ehemaligen Rinderweide mit einem sechs Hektar großen Aufforstungsprojekt begonnen. Aus einigen der inzwischen herangewachsenen Bäume entstanden in achtmonatiger Bauzeit zehn Ferienhäuser, wobei nur selbst gepflanztes Bauholz Verwendung fand. „Bei unserem aktuellen Tourismusprojekt haben wir uns konsequente Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben“, sagt Otto Mendez. „Aktivtourismus und die Renaturierung ehemaligen Weidelandes ergänzen sich dabei beispielhaft. Was unsere Väter und Großväter der Natur nahmen, werden wir ihr jetzt zurückgeben.“ Mittlerweile machen die ersten Reisegruppen aus Deutschland in den Ferienhäusern Station, und jeder Besucher pflanzt auf einem hinzugekauften, zweieinhalb Hektar großen Gelände einen Baum. „Die von Menschenhand gesetzten Guabas, Rambutan-, Doraden- und Brotfruchtbäume, Caobillas und Mandelbäume gedeihen in dem von Vulkanasche gedüngten und jährlich mit bis zu 6000 Millimeter Regen bewässerten Boden prächtig. Sie locken Vögel an, die weitere Samen herantragen und damit die Biodiversität vergrößern. So entsteht ein Bewuchs, der dem ursprünglichen Primärwald unseres Landes sehr ähnlich ist“, freut sich Otto Mendez, der auch bereits einen ersten Teich angelegt hat.

Für die Uferbepflanzung will er aber im Gegensatz zu seinem heimischen Garten nur regionale Arten verwenden. Bald soll es in dem entstehenden Biotop auf dem Rande eines uralten Vulkankraters genauso von Reptilien, Fröschen, Amphibien, Vögeln, Schmetterlingen und Insekten wimmeln wie bei ihm zu Hause. Tourismus in und mit der Natur ist die Vision, die bislang erst selten mit einer solchen Konsequenz umgesetzt wurde wie bei dem Projekt. Während die Bauern des Landes zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den 1980er Jahren insgesamt ein Drittel der Wälder in Weiden für ihre Kühe verwandelten, um Schnellrestaurantketten mit Fleisch zu versorgen, erkennen sie heute in den Wäldern einen natürlichen Schatz. Vielerorts hat man wie im Nebelwald um den Vulkan Rincón de la Vieja Baumwipfelpfade (Canopy-Touren) eingerichtet. Auf schwankenden Hängebrücken kommt man so auch als Tourist dem quirligen Leben auf der obersten Baumebene sehr nahe. Schillernde Tukane, krächzende bunte Aras und fliegende schwarze Truthähne zeigen sich in ihrem gewohnten Lebensraum von den fremden Eindringlingen unbeeindruckt.

Kreisende Geier hoffen vergebens auf einen leckeren Happen, Blattschneideameisen rennen geschäftig die Stämme hinauf und hinunter, Schmetterlinge und Vögel huschen durch das dunkle Grün. Eine unglaubliche Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten lebt hier oben in luftiger Höhe, nahe dem Sonnenlicht und distanziert von den Gefahren der Ebene. Dabei erfassen ungeübte Augen nur einen Bruchteil. 1982 sammelte der Biologe Terry Erwin erstmals systematisch Insekten in den Baumkronen Mittelamerikas und er überraschte damals die Welt der Wissenschaft mit geschätzten 30 Millionen Arten. Die Erforschung dieses Lebensraumes befindet sich somit noch in den Kinderschuhen, das Potenzial für die medizinische Nutzung scheint riesig zu sein. Für Abenteuerhungrige haben die Ticos, wie sich die Einheimischen selbst nennen, Stahlseile (Zip-Lines) zwischen den Baumkronen gespannt, die ein berauschendes Dahingleiten über Schluchten, Bäche und Vegetation ermöglichen. Adrenalin schießt durch den Körper, beschleunigt den Kreislauf und löst ein Gefühl beglückender Schwerelosigkeit aus. Nur wenige Sekunden dauert die Fahrt, prägt sich aber im Gedächtnis nachhaltiger ein als so manches Cyber-Game.

  Alle Reisereportagen sind in Sonntag Aktuell erschienen
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