Corvette-Treffen in der Motorworld in Böblingen Das Blubbern und Röhren der Achtzylinder

Von Günter Scheinpflug 

Joachim Hanfstein organisiert seit fünf Jahren das Corvette-Treffen in der Motorworld. Foto: factum/Bach
Joachim Hanfstein organisiert seit fünf Jahren das Corvette-Treffen in der Motorworld. Foto: factum/Bach

Das Oldtimerzentrum Motorworld auf dem Flugfeld ist ein Mekka für die Fans von PS-starken und hochglanzpolierten Vehikeln. An diesem Sonntag treffen sich die Freunde der Corvette.

Böblingen - Im Schritttempo fährt Joachim Hanfstein mit seiner Corvette C 5 auf den Parkplatz der Motorworld und stellt sie mit einem blubbernden Röhren ab. Locker schwingt er sich aus dem tiefgelegten Chassis seines Cabriolets, das 360 Pferdestärken auf den Asphalt bringt. „Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 275 angegeben. Ich bin aber auch schon mal mit 285 Sachen geheizt“, sagt der Eninger (Kreis Reutlingen). Doch der Geschwindigkeitsrausch ist nicht das Einzige, das die Gemeinde der Corvette-Fans vereint. Am kommenden Sonntag treffen sie sich wieder in der Motorworld auf dem Flugfeld von Böblingen und Sindelfingen.

Das Oldtimerzentrum, das im Jahr 2009 mit dem Namen Meilenwerk aus der Taufe gehoben wurde, zieht inzwischen nach den Angaben der Betreiber jährlich rund 600 000 Besucher an. Die heutige Motorworld ist jedoch mehr als ein Mekka für Liebhaber betagter Vehikel. Das ganze Jahr über finden Meetings mit Fahrern aktueller Markenmodelle statt. Fast tausend Porsche wurden erst jüngst auf dem Gelände gezählt, die durch eine Art Triumphbogen rollten und offiziell begrüßt wurden. An jenem Sonntag bestaunten etwa 3000 Gäste die Sportwagen, die noch keineswegs zu den Oldtimern zählen.

Als „Zuhälterfahrzeuge“ verschriene Sportwagen

Auslaufmodelle steuern auch die Freunde von Mini-Coo­pern nicht, die noch in diesem Monat ihre Lieblinge präsentieren. Dasselbe gilt für die meisten Corvette-Fans mit ihren großvolumigen Acht-Zylinder-Motoren. Der Organisator Joachim Hanfstein, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Ariane das Treffen vorbereitet, möchte eigentlich gar nicht groß Werbung machen. „Es genügt die Mund-zu-Mund-Propaganda“, sagt der 59-Jährige, „wir sind eine große Familie.“

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Wie viele Besucher zu „Corvette-meets-Motorworld“ kommen, kann Hanfstein daher kaum vorhersehen. „Das ist auch vom Wetter abhängig.“ Aber hundert der einst als „Zuhälterfahrzeuge“ verschrienen Sportwagen würden es in jedem Fall sein, schätzt der Mitarbeiter eines Kinder- und Jugendbuchverlags. Die früheren Modelle bis zum C 3 seien wohl tatsächlich gerne von Leuten aus dem Rotlichtmilieu gefahren worden.

Vielleicht, weil sie nicht so teuer waren wie Porsche, Ferrari oder Lamborghini. Aber wohl auch deshalb, weil sie eine besonders schnittige Form haben und ein recht eindringliches Motorengeräusch verursachen. Und natürlich ist mit ihnen in hohem Tempo über die Straßen zu brettern. „Ich tue das aber nur, wenn wenig Verkehr ist“, versichert Hanfstein. Und freilich auch nur, wenn er dabei niemanden gefährde. So richtig erklären kann der 59-Jährige nicht, weshalb die Corvette sein Traumauto ist. Natürlich habe er sich in das tolle Design verguckt. Und er könne sich auch mit seinen Kollegen identifizieren, die den Sportwagen von General Motors (GM) ihr Eigen nennen. Die GM-Philosophie sei es gewesen, einen Sportwagen zu bauen, den sich „jeder normale Mensch leisten kann“. Vielleicht komme noch die amerikanische Ungezwungenheit dazu, dieses eher Unkonventionelle – ein Image, das die meisten Fahrer pflegen. „Manche sparen jahrelang, bis sie sich eine gebrauchte Corvette leisten können“, erzählt Hanfstein. Ein neues C-7-Modell kostet immerhin zwischen 90.000 und 120.000 Euro.

Jede Corvette darf umsonst teilnehmen

Im Jahr 2003 machte Hanfstein eine erste Probefahrt mit einem Flitzer, danach dauerte es noch einmal sieben Jahre, bis er sich tatsächlich eine C 5 anschaffte. 30.500 Euro blättere er einem Privatmann hin – und war danach stolzer Besitzer eines rubinroten Sportwagens mit 17.000 Kilometern auf dem Tacho. Zumindest die neue Generation könne mit der Ausstattung und der Leistung anderer Marken mithalten. Allerdings sei die Corvette bei der Anschaffung und im Unterhalt deutlich preiswerter als ein Porsche oder ein Ferrari, sagt Hanfstein. Er habe einen Kumpel mit einer Autowerkstatt, der seinen Liebling warte. Alles in allem, mit der Versicherung – wenn er das Fahrzeug lediglich acht Monate im Jahr anmelde – komme er auf Kosten von rund tausend Euro im Jahr. Allerdings nur, wenn nichts Größeres anfalle, „mit Bremsen oder so“.

Im Jahr 2012 war er bei einem Stammtisch der Corvette-Freunde gefragt worden, ob er die Organisation des jährlichen Treffens auf dem Flugfeld übernehmen wolle. Inzwischen kümmert er sich um das siebte Meeting. Jede Corvette dürfe umsonst teilnehmen, eine Standgebühr für die Anbieter von Fahrzeugteilen oder Corvette-Utensilien wie Mützen, Schals oder ­Jacken werde nicht erhoben. Der Motorworld-Betreiber Andreas Dünkel stelle das Gelände zur Verfügung, ebenfalls kostenlos. „Nur dadurch können wir es machen“, sagt Joachim Hanfstein. Wenn dennoch irgendwelche Kosten wie beim Druck eines Flyers anfallen, bezahlt der 59-Jährige sie aus eigener Tasche. Überhaupt sieht er dem Event völlig locker entgegen – und legt ­etwas von dieser Ungezwungenheit an den Tag. Er trägt Polo-Shirt und kurze Hosen.

Corvette-Treffen an der Motorworld

Treffen:
Zum siebten Mal präsentieren die Corvette-Fahrer ihre Lieblinge in der Motorworld Böblingen auf dem Flugfeld. Am Sonntag, 10. September, brummen von 9.30 Uhr an die Motoren, um 18 Uhr soll das Treffen ausklingen, zu dem je nach Wetterlage 100 bis 250 Corvette und insgesamt rund 3000 Besucher erwartet werden. Nähere Informationen gibt es bei Joachim Hanfstein unter der Nummer 01 71 / 6 72 64 02; Kontakt per E-Mail: joachim.Hanfstein@arena-verlag.de.

Führungen:
Interessierte können an kostenlosen Führungen durch die Motorworld teilnehmen. Sie finden während des Corvette-Treffens um 12 und um 14.30 Uhr statt.

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