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Christian von Holst Durchgangsbahnhof schon 1901 geplant

Nikolai B. Forstbauer, vom 18.11.2010 05:40 Uhr
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1850: Stolz präsentiert ein Stahlstich das Königliche Landhaus Rosenstein in Verbindung mit dem Eisenbahntunnel Foto: Stadtarchiv Stuttgart
1850: Stolz präsentiert ein Stahlstich das Königliche Landhaus Rosenstein in Verbindung mit dem Eisenbahntunnel Foto: Stadtarchiv Stuttgart

Stuttgart - Kühn schwingt die Bahntrasse unter dem zentralen Stadtgebiet hindurch, bewusst zurückhaltend zeigt sich der Durchgangsbahnhof. Eine Planung aus jüngster Zeit? Mitnichten. Bereits 1901 untersuchte man in Stuttgart die Möglichkeiten eines Durchgangsbahnhofs mit umfassenden Tunnelbauten.

Herr von Holst, Sie haben sich intensiv mit der Geschichte des Schlossgartens und des Bahnhofsbaus in Stuttgart beschäftigt. Wie kam es dazu?

Ich habe jetzt viel mehr Zeit, eigenen wissenschaftlichen Projekten nachzugehen. So recherchierte ich seit anderthalb Jahren in den Archiven des Landes und der Städte Stuttgart und Ludwigsburg - nach Bildern und Plänen zur Stadtentwicklung. Wie von selbst ergeben sich Verknüpfungen von Herkunft und Zukunft.

Was sind aus Ihrer Sicht entscheidende Wendepunkte in der Entwicklung der heutigen Landeshauptstadt?

Zunächst muss man die Erhebung zum Königreich im Jahr 1806 nennen. Friedrich, der erste König Württembergs, forciert die Repräsentation und beauftragt Nicolas Friedrich Thouret, vom Neuen Schloss aus in Richtung Neckar einen Volkspark zu konzipieren. Am 9. Januar 1807 präsentiert Thouret den Entwurf für einen solchen Park bis zum Mittleren Schlossgarten - und der König notiert darauf den berühmten Satz: So soll es seyn. Ein Stadtplan von 1807 zeigt den Park bereits realisiert.

Man hatte es also eilig?

Die junge Monarchie wollte sicher auch planerische Zeichen setzen. Bereits 1812/1813 wird die heute noch erlebbare Platanenallee mit 481 Bäumen angelegt. Sie war auf die Kirchturmspitze von Cannstatt ausgerichtet. Eine Sicht, die versperrt wurde, als Friedrichs Sohn König Wilhelm auf der zuvor Kahlenstein genannten Anhöhe sein Landhaus errichten lässt - bekannt als Schloss Rosenstein, benannt nach der Lieblingsblume seiner verstorbenen Gemahlin Katharina.

Wie ging es weiter?

Mitte der 1840er bemühte man sich um eine Anbindung an den weiterführenden Verkehr: daher der Entschluss, einen Bahnhof zu errichten. Der bestehende in Cannstatt kommt nicht infrage, die Residenzstadt braucht einen eigenen - mitten im Zentrum, an der heutigen Bolzstraße. Am Schlossgarten entlang entsteht ein doppelgleisiger Bahndamm, eine zweite Verbindung führt nach Feuerbach. Diese Schienenstränge markieren noch das heutige Gleisareal.

Um nach Cannstatt zu gelangen, brauchte es einen Tunnel?

Hier kommt etwas Überraschendes: Der König lässt diesen Tunnel direkt unter Schloss Rosenstein hindurchführen und das von Cannstatt aus anzufahrende Tunnelportal fast triumphbogenartig gestalten. Moderner Verkehr und überkommene Herrschaftsarchitektur vereinen sich zu einem Bild. Bald beschleunigt sich die Entwicklung, Stuttgart und die Gleiszahl wachsen, der Güterbahnhof kommt hinzu, und vormalige Bauten verschwinden zugunsten des Bahnverkehrs.

Kommentare (40)
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FEB
16
19:07 Uhr, geschrieben von waihdag
Gründe gegen den damaligen Durchgangsbahnhof
Baurat Prof. Kübler (TH Stuttgart) im Jahr 1905: „Nach meiner Ansicht ist (..) für den neuen Bahnhof das Interessse des ganzen Landes in den Vordergrund zu stellen und dieses besteht zweifellos darin, daß eine Anlage geschaffen wird, die sowohl bezüglich des Personen- als auch des Güterverkehrs möglichst leistungsfähig ist, und die auch bis in späte Zukunft den Bedürfnissen Stuttgarts voraussichtlich genügt. (..) Ausschlaggebend muss die Schaffung einer möglichst leistungsfähigen Anlage sein. Hierunter ist aber nicht ein großes, imposantes Empfangsgebäude zu verstehen, sondern eine möglichst brauchbare Gleisanlage. Das Äussere eines Empfangsgebäudes ist für die Abwicklung des Betriebes vollständig Nebensache. (...) Es wäre leicht gewesen, hier ein pompöses Empfangsgebäude sowie unter Beiziehung eines nicht sehr großen Teils der Anlagen einen sehr geräumigen Vorplatz mit gärtnerischen Anlagen herzustellen. Dies und der Umstand, daß ein Durchgangsbahnhof gedacht war, mußte Laienaugen bestechen, umsomehr als die gesamte Grundfläche des jetzigen Bahnhofs von der Schloßstraße bis zur Schillerstraße vollständig frei geworden wäre. Welche Aussichten für ein finanzielles Unternehmen! Das Projekt ist jetzt glücklicherweise mit Hilfe einer Kommission auswärtiger Sachverständiger begraben. Das Projekt war von Anfang an nicht lebensfähig. Abgesehen von den kaum überwindbaren Bauschwierigkeiten, wären die einzelnen Teile der Bahnhofsanlage unzureichend geworden. Dieses Projekt ist aber ein glänzendes Beispiel dafür, wie für eine Sache durch ausgiebige Propaganda Stimmung gemacht werden kann, die an sich nicht brauchbar ist.“ (Quelle: »Neues Tagblatt« Stuttgart, Nr. 253-256 im Oktober 1905) Dieser Kommentar könnte 1:1 auch für S 21 übernommen werden.
FEB
16
19:02 Uhr, geschrieben von waihdag
warum wurde der Durchgangsbahnhof damals nicht gebaut?
Immer wieder wird auf die technischen Schwierigkeiten hingewiesen, sowie auf die beengte Lage. Die weitere Gründe gegen den 11-gleisngen Durchgangsbahnhof werden nicht genannt: 3. Die Wirksamkeit der Tunnelventilatoren muss angezweifelt werden. 5. Die Anlage des Durchgangsbahnhofs ist (..) für einen wesentlichen Verkehrszuwachs nicht ausreichend. 6. Von elf Hallengleisen müssen mindestens zwei für Rangier- und Lokomotivfahrten sowie Postwagen freigehalten werden. Neun Bahnsteiggleise reichen nicht aus, da lange Belegungen durch Überholungen zu erwarten sind, ferner beginnen und enden die meisten Züge im Stuttgarter Hauptbahnhof, sodass ein Durchgangsbahnhof ohnehin seines Hauptvorteils beraubt ist. 7. Die Bahnsteigbreiten sind unzureichend, die Bahnsteigzugänge wegen des Höhenunterschiedes von rund sechs Metern zwischen den Brücken und den tiefliegenden Bahnsteigen unbequem. 8. Darüber hinaus behindern die Quersteige die Übersicht. 9. Rangierfahrten müssen vielfach in den Tunnel einfahren. 10. Der Abstellbahnhof ist weit entfernt, schienengleiche Kreuzungen auf dem Weg zum und vom Abstellbahnhof können nicht vermieden werden. 14. Beim Bau müssen 23 Gleise des alten Bahnhofs unterfangen werden, da dieser nicht aufgelassen werden kann, bevor der neue Bahnhof in Betrieb ist. Mit folgendem zusammenfassenden Untersuchungsergebnis legte die Generaldirektion der württembergischen Staatseisenbahn die Idee eines Durchgangsbahnhofs für Stuttgart schließlich ad acta: ›Der Gedanke, einen Durchgangsbahnhof (..) auf verhältnismäßig beschränktem Platz und bei ungünstiger Geländegestaltung anzulegen – wozu die Verhältnisse zwingen –, muss als nicht glücklich bezeichnet werden; er bedingt unter allen Umständen eine in mannigfacher Beziehung verfehlte Anlage.
NOV
23
21:35 Uhr, geschrieben von schwabenstolz
2046
"Zunächst einmal steht dem Verzicht auf 283 Bäume der Gewinn von bis zu 5300 neuen Bäumen gegenüber." Tatsache ist: Erst im Jahr 2046 würden die neu anzupflanzenden Bäume laut Gutachten der LVA eine dem heutigen Zustand vergleichbare Leistung hinsichtliche der CO2-Bilanz erreichen. Die Gutachter scheuten sich, vergleichende Aussagen über die Funktion der Bäume als Feinstaubfilter und über die kleinklimatische Wirkung zu treffen. Die positive wertende Stellungnahme Herrn von Holsts hierzu wird durch eine nähere Betrachtung der Fakten relativiert. Dass das Alternativkonzept K21 ebenfalls große städtebauliche Chancen bietet, ist in diesem unausgewogenen und rückwärtsgewandten Interview leider nicht erkennbar.
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S21: Weitere Bäume im Mittleren Schlossgarten ausgegraben
Bilder [Kommentare 9] Ausgrabungen im Schlossgarten und Südflügel-Abriss gehen weiter. Wir zeigen die Arbeiten.
Mittlerer Schlossgarten bleibt  Sperrzone
Bilder [Kommentare 58] Erst wenn die festen Bauzäune komplett stehen, wollen Bahn und Polizei die Durchgangswege öffnen.

 

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