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Störte nicht der Bonatz-Bahnhof die Bonatz-Stadtautobahn?
Paul Bonatz offeriert eine Lösung, indem er seinen Bahnhof untertunnelt - vom heutigen Parkplatz an der Nordseite bis in den Schlosspark auf der Südseite. Der Mittlere Schlossgarten soll zum Verteilerbereich der kreuzungsfrei geführten Autostraßen werden. 1944 in die Türkei gegangen und nach Kriegsende erneut als Berater berufen, unterbreitet Paul Bonatz diese Pläne 1950 nahezu unverändert. Den neuen Verhältnissen angepasst, spricht er nun von einem "Parkway".
Wieso kamen dieser Plan und die Vorhaben der ersten Nachkriegsjahre, den Bahnhof zu verlegen, nicht zur Ausführung?
Die Währungsreform von 1948 stoppte alle Pläne, die das junge Nachkriegsdeutschland zu überfordern drohten. Aber deutlich wird doch das Unbehagen am bestehenden Bahnhof.
Gab es weitere Ideen, nachdem sich die Bundesrepublik wirtschaftlich stabilisiert hatte?
Es sind diverse Vorstöße dokumentiert. So erklären etwa im Frühjahr 1965 freischaffende Architekten den Bahnhof für unwirtschaftlich und schlagen stattdessen einen Durchgangsbahnhof nördlich vom Rosensteinpark vor. Die frei werdenden Gleisflächen sollen in einen innerstädtischen See verwandelt werden, an dessen Ufer an der Heilbronner Straße Hochhäuser vorgesehen sind. Zu den Unterzeichnern gehören Wilfried Beck-Erlang, Günther Behnisch und Roland Ostertag. Der damalige Erste Bürgermeister Jürgen Hahn und Oberbürgermeister Arnulf Klett lehnen die Pläne aber ab.
1991 werden erneut Pläne für einen Tiefbahnhof entwickelt. Unstrittig bedeutet dieser Teil des Verkehrs- und Städtebauprojektes Stuttgart 21 einen Eingriff in den heute noch existierenden Schlossgarten. Sehen Sie in den Planungen dennoch einen Mehrwert auch für den Park?
Der Gedanke, den Bahnhof an seinem Ort zu halten und die Gleise verschwinden zu lassen, scheint mir geradezu ideal für Stuttgarts verkehrliche Situation. Sicher ist es bitter, wenn in diesem Zusammenhang schöne alte Bäume fallen. Aber wenn ich bedenke, dass hier eine Art Wiedergutmachung gegenüber den Eingriffen der Vergangenheit möglich und im Zuge von Stuttgart 21 eine Vergrößerung des Parks um 20 Hektar vorgesehen ist, muss ich doch in Abwägung des Verlustes von sechs Hektar im heutigen Mittleren Schlossgarten, zuzüglich zwei Hektar, die nach Abschluss der Bauarbeiten wieder in Parkgelände rückverwandelt werden, sagen, dass hier über den verkehrlichen Nutzen hinaus sich für Stuttgart eine enorme Chance eröffnet.
In welcher Hinsicht?
Zunächst einmal steht dem Verzicht auf 283 Bäume der Gewinn von bis zu 5300 neuen Bäumen gegenüber. Dann gewinnt Stuttgart mit dem geplanten Rosensteinquartier ein Stadtviertel hinzu, das bereits 1880 ausgewiesen war. Hier wird also nach rund 150 Jahren eine alte Zukunftshoffnung erfüllt. Mehr noch: Hier besteht die einmalige Chance, nach der 1927 entstandenen, weltweit bekannten Weißenhofsiedlung erneut ein Stadtquartier allerhöchster Qualität zu schaffen.