Seite 2Christian Lindner in Ludwigsburg Der FDP-Chef fordert ein Einwanderungsgesetz

Von Hilke Lorenz 

Natürlich fängt er nicht mit der Notwendigkeit von Innovationen und dem Abbau von Innovationshindernissen an. Da ist seine Position klar: Man müsse nicht die Bürger ändern, sondern die Wirtschaftspolitik. Lindner spricht erst mal über das Thema der Themen: Flüchtlinge. Er macht sich stark für ein Bleiberecht auf Zeit für Bürgerkriegsflüchtlinge und ein Einwanderungsgesetz, das sich am Beherrschen der deutschen Sprache, an Qualifikationen und der Rechtstreue der Bewerber orientiere. Schneller arbeiten sollen sie zudem dürfen. „Was spricht eigentlich dagegen“, so fragt er, „dass ein Koch aus Syrien in der Küche der Asylunterkunft mithilft?“ Applaus. Der Kanzlerin schreibt er ins Stammbuch, sich beim nächsten EU-Gipfel an die anderen europäischen Länder anzunähern.

Problemlösungen

Nicht Europa müsse deutscher werden, sondern Deutschland europäischer. Nur mit Problemlösungen halte man die Alternative für Deutschland (AfD) klein. Wer sie dennoch wähle, müsse wissen, dass so „die schreckliche braune Brühe in die Parlamente gespült wird“. Lindner ist hier so klar wie in seinem in den sozialen Netzwerken zehntausendfach geteilten Video dazu. Einer Partei, die rassetheoretische Redner zulasse, erteilt er eine klare Absage. Einen Ausschluss der AfD von den Debatten im Vorfeld der Wahl hält er hingegen für falsch.

Nach gut einstündiger Rede macht er sich wieder auf in Richtung Düsseldorf. Da hat er die Krawatte längst abgelegt. „Meine Ehefrau“, setzt er zu einer Antwort auf eine Frage aus dem Publikum an, um anzudeuten, dass er zu Hause erwartet werde. Der Fragende, bald Vater von vier Kindern, spricht ihn an, was die FDP zur Stärkung der Familie tun wolle. Lindner denkt kurz nach, betont ausdrücklich seinen Respekt vor dem Lebensmodell des Familienvaters, macht aber auch deutlich: Eigentlich präferiere er statt der Transferleistungen für die Förderung der Ein-Ernährer-Familie den Ausbau der Betreuungsangebote, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sicherstellen zu können. Eine zufriedenstellende Antwort, wie sich sein „Freund Ulli“, der Spitzenkandidat Ulrich Rülke, in Sachen grün-rot-gelber Ampelkoalition verhalten werde, bleibt er schuldig.

Maultaschen und gelber Schal

Am Schluss überreicht Stephanie Knecht dem prominenten Gast einen gelben Schal und Maultaschen von ihrem Lieblingsmetzger. „Einen gelben Pullunder muss man sich erarbeiten“, ulkt Lindner erleichtert. Den einzig auffällig gelben Pulli trägt an dem Abend übrigens der Altliberale Wolfgang Weng.

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