Vor nicht allzu langer Zeit haben Menschen auf der ganzen Welt den Jahreswechsel mit einem Feuerwerk eingeläutet. Böller, Kracher und Feuerwerksraketen füllten die Körbe an den Kassen der Supermärkte, um pünktlich um Mitternacht binnen Minuten in Schall und Rauch aufzugehen. Bleigießen und Neujahrsgrüße sind feste Bräuche geworden. Doch wie feiert man dieses Ereignis eigentlich auf der anderen Seite des Globus?
Chinesische Traditionen - auch bei uns
Wer den Jahreswechsel im Reich der Mitte erleben möchte, kann sich zunächst noch etwas Zeit lassen. Dort begrüßt man das kommende Jahr des Drachens nämlich erst am 23. Januar 2012 pünktlich zum Neumond. Dieses Datum wird traditionell nach dem chinesischen Mondkalender berechnet und variiert daher jährlich. Seit jeher suchten die Kaiser und Herrscher des stark agrarisch geprägten China die Gunst der Götter der Natur. Das Neujahrs-, oder auch Frühlingsfest Chunjie genannt, setzt somit traditionell die Hoffnung auf ein weiteres fruchtbares Jahr.
Die Feste zum chinesischen Neujahr sind jedoch nicht nur auf einen Tag beschränkt, sondern werden über 15 Tage hinweg bis zur Vollmondphase begangen. Verständlich, denn sie entsprechen quasi Weihnachten, Silvester und Ostern zusammen. Im ganzen Land wird schon Tage zuvor reichlich geschmückt, vor allem in kräftig roten Farben, denn das Schriftzeichen für die Farbe "Rot", hong, ist gleichklingend mit dem Schriftzeichen für "groß und prächtig". Rote Neujahrssprüche zieren Türen und Eingänge, in roten Umschlägen bereitet die ältere Generation Geldgeschenke für die Jüngeren vor. Während im Westen die Kinder ihre Geschenke unter dem Weihnachtsbaum suchen, werden diese nun für das Fest bereit gelegt. Neue Kleidung wird erst am Neujahrstag getragen. Selbst heute noch werden große Geschenke vor allem an diesen Tagen gemacht.
Vor allen Dingen ein Familienfest
Aus dem ganzen Land strömen Scharen von Wanderarbeitern in ihre Heimatstädte, die Werkbank der Welt steht für zwei Wochen still. Im Kreis der Familie werden vor allem im Norden des Landes kleine Maultaschen Jiaozi gefaltet und in der Nacht zum 23. gemeinsam gegessen. Im Süden ist es vor allem Brauch, gemeinsam Fisch yu zu essen, denn der ist gleichklingend mit dem Wort für "Überfluss“.
Wer einmal das Vergnügen hatte, unser Silvester neben einem nahen China-Restaurant einzuläuten wird festgestellt haben, dass selbst Auslandschinesen – wenn auch Tage zu früh – dieses Fest mit mindestens ebenso großer Leidenschaft feiern. Denn die bei uns beliebten Knallkörper, die um Mitternacht gezündet werden, stammen aus dem Reich der Mitte.
Feuerwerk: laut und lang
Die ersten Feuerwerkskörper fanden in China bereits während der Südlichen Song-Dynastie (1126–1279) vor allem militärische Verwendung. Zum Jahreswechsel dienten sie bald, ähnlich wie hierzulande, der Vertreibung böser Geister und sollten außerdem verhindern, dass diese nicht auf den Gedanken kommen zurückzukehren. Die Begeisterung für diese geräuschvolle Feuerkunst-Tradition wird von Auslandschinesen auch gerne bei dem hiesigen Silvester ausgelebt, denn in China erstreckt sich das chinesische Neujahrsfeuerwerk über alle 15 Tage hinweg und ist daher vor allem eines: laut.