Stuttgart - Nachts um halb 3. Ein Computer steht in einem abgedunkelten Raum auf einem Schreibtisch. Vor dem Rechner sitzt ein junger Mann in Schmuddelklamotten. Er nimmt seine Umwelt nicht wahr, so vertieft ist er in das Geschehen auf dem Bildschirm. Neben dem Rechner liegen leere Pappkartons. Die leeren Getränkedosen sind längst auf den Boden gefallen.
Ein solches Bild trifft auf so manchen Computerfreak, auch Nerd genannt, sicher zu. Auf die Mitglieder des Chaos Computer Club Stuttgart (CCCS) nicht. Obwohl die Frauen und Männer sich in ihrer Freizeit mit Technik und Internet beschäftigen, ja sogar die meisten von ihnen in der IT-Branche arbeiten.
Sprecherin Andrea „Princess“ Wardzichowski (42) und Adrien Beaucreux (30), der zweite Vorsitzende, lachen, wenn sie mit den Klischees konfrontiert werden. „Pizza schmeckt doch besser, wenn sie geteilt wird“, sagt Beaucreux, der als Programmierer arbeitet. Zum Beispiel bei Geekends.
Geekends sind Wochenenden, an denen die Mitglieder sich bei einem anderen Mitglied zuhause treffen, kochen, essen und basteln. Basteln bedeutet: Sie löten oder bringen alte Computer wieder zum Laufen. „Technische Basteleien halt“, sagt Stefan Schlott. Einmal im Monat findet ein Stammtisch statt und die Mitglieder machen oft Ausflüge. "Das ist ebenso eine Form der Vernetzung." Beaucreux lacht. Geselligkeit ist den CCCS-Mitgliedern ebenso wichtig wie das Innenleben ihres Computer.
Aufklärung steht im Vorderund
Auch die Würstchen, die bei der Geburtstags-Grillparty am 16. Juli brutzelten, schmeckten in geselliger Runde besser. In diesem Jahr feiert der CCCS sein Zehn-Jahr-Bestehen. Der Verein ist ein Ableger des 1981 gegründeten Chaos Computer Club (CCC) mit Sitz in Hamburg. Seine Mitglieder sind bundesweit in regionalen und lokalen Gruppen organisiert. Sie haben sich dem Datenschutz und der Informationsfreiheit verschrieben, sie mischen sich ein, sie kritisieren. Der feste Kern des CCCS besteht aus 20 Mitgliedern, daneben hat er mehr als 140 Unterstützer und Freunde.
Während manche Clubs mit Wirtschaftsunternehmen zusammenarbeiten, als Sicherheits-Berater oder Gutachter gefragt sind, Systeme ergründen und verstehen möchten, wie etwas technisch funktioniert und so technische Lücken aufdecken, klärt der CCCS die Öffentlichkeit vorwiegend mit Vorträgen auf.