CDU-Landeschef Strobl „Grün-Rot will die Gymnasien schleifen“

Jan Sellner, 07.02.2013 19:21 Uhr
Der baden-württembergische CDU-Vorsitzende Thomas Strobl hat mit ungewöhnlich scharfer Kritik auf die aktuelle Bildungspolitik der grün-roten Landesregierung reagiert. Er wirft ihr vor, Gemeinschaftsschulen zu bevorzugen und fordert ein Bekenntnis von Kretschmann zur Zukunft der Gymnasien.

Stuttgart – Der CDU-Landesvorsitzende Thoma Strobl wirft der Regierung vor, Gemeinschaftsschulen zu bevorzugen.

Führen Sie einen Kulturkampf, Herr Strobl?
Nein!

Das sagt die Landtags-SPD . . .
Absurd. Die Bildungspolitik ist das zentrale Feld der Landespolitik. Dass Regierung und Opposition um den richtigen Weg ringen, ist das Normalste der Welt. Der Rücktritt der Kultusministerin zeigt ja, dass es bei der Bildung nicht zum Besten bestellt ist. Die Regierung versagt auf ganzer Linie.

Was ist Ihr Hauptkritikpunkt?
Grün-Rot hat kein Geld und kein Herz für die Grund- und Hauptschulen, nicht für die Realschulen, nicht für die Werkrealschulen und auch nicht für die berufliche Bildung. Stattdessen trägt die Regierung wie eine Monstranz die Einheitsschule vor sich her, die man Gemeinschaftsschule nennt. Dafür ist ihr kein Euro zu schade.

Der neue Kultusminister Andreas Stoch sagt, die Gemeinschaftsschule stelle nur ein Angebot dar .
Wenn sich die gesamte Kultuspolitik aber nur noch auf dieses Angebot fokussiert und man alles andere den Bach hinuntergehen lässt, dann ist das für unser Bildungsangebot verheerend.

Die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, Kinder mit Gymnasialempfehlung müssten an Gemeinschaftsschulen vergleichbare Angebote wie an Gymnasien haben – etwa bei den Fremdsprachen. Was haben Sie dagegen?
Die GEW-Vorsitzende Moritz hat die Katze aus dem Sack gelassen, und der Kultusminister steht schweigend daneben und grinst. Mit ihrer Ankündigung, dass das Zwei-Säulen-Modell aus Gemeinschaftsschule und Gymnasium nur eine Übergangslösung sei, ist völlig klar, um was es geht – das Gymnasium zu schleifen und abzuschaffen. Die Maske ist gefallen. Ich erwarte jetzt ein klares Bekenntnis des Ministerpräsidenten für unsere hervorragenden Gymnasien. Sie sind ein zentrales Element der Bildungslandschaft und genießen höchstes Ansehen.

Die GEW beziffert den Übergangszeitraum auf 20 bis 30 Jahre.
Was ist das für ein Signal für die Gymnasien? Wenn man Lehrern und Schülern sagt, ihr interessiert uns überhaupt nicht mehr, wir werden euch langsam vor die Hunde gehen lassen, dann halte ich das für eine Katastrophe. Die CDU wird alles tun, um die Abschaffung der Gymnasien zu verhindern.

Bei Amtseinführung sagte Stoch, alle Schularten sollten sich weiterentwickeln können . . .
Sein dröhnendes Schweigen, nachdem die GEW den Minenhund gespielt hat, spricht doch Bände. Jeder, der zwei und zwei zusammenzählen kann, weiß, was in Wahrheit dahintersteckt: das Ende des Gymnasiums.

Wie steht die Landes-CDU zur Gemeinschaftsschule?
Ach wissen Sie, das Problem ist gar nicht so sehr, wenn es in diesem Land einige Dutzend Gemeinschaftsschulen gibt. Was uns gewaltig stört, ist der Umstand, dass die gesamte übrige Bildungslandschaft total vernachlässigt wird. Um ein guter Lehrer zu sein, muss man auch eine gute Motivation haben. Diese Motivation hat die grün-rote Landesregierung in weiten Teilen zerstört.

Die CDU habe keine Antwort als ein Weiter-so, kritisieren umgekehrt die Grünen. Was haben Sie anzubieten?
Natürlich muss sich Bildungspolitik weiterentwickeln. So brauchen wir beispielsweise bei der Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich ein verlässliches Angebot. Das ist eine riesige finanzielle Herausforderung. Hier wollen wir gemeinsam mit der Landesregierung eine Lösung finden.

Der Kultusminister will dieses Jahr weniger Stellen einsparen als die vereinbarten 1000. Im Staatsministerium stößt das auf Missfallen. Wie viele Stellen würden Sie einsparen?
Für uns hat im Grundsatz immer gegolten, dass wir überall sparen außer an der Bildung.

Wie soll das gehen?
Wenn ich sehe, dass dem Land ein Milliardenbetrag flötengeht, weil Grün-Rot sich beim Steuerabkommen mit der Schweiz unter die Knute von Frau Kraft in Düsseldorf begibt, dann ist das ein gutes Beispiel dafür, wie die Regierung Geld verplempert.
 
 
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Kommentare (8)
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Bildung Ist schon länger als 1 Jahr her
Wir haben in Baden Württemberg kein Bildungssystem mehr. Das von der CDU hinterlassene System ist ein totalitäres System in einem demokratischem Bundesland. Es hat Institutionen geschaffen, die Lehrer und Eltern für ihre politischen Vorteile missbrauchen. Nur ein paar Beispiele: Unnütze Staatliche Schulämter, Bildungswegekonferenzen... Gut abgestimmt mit nicht mit vom Volk gewählten Landräten. Das Ergebnis ist ein nicht finanzierbares Bildungswesen. Man sieht es an den extremen Budgetlücken. Man gewinnt den Eindruck, das System ist nicht für die Kinder da, sondern die Kinder für das System, damit dies eine Beschäftigung hat. Kinder, die die Komfortzone dieses Systemes verletzen, werden in entsprechende Kategorien bis hin zu Sonderschulen eingesperrt. Natürlich ist die SPD nicht mit fähigen Bildungspolitikern umgeben, zumal viele in der SPD genauso denken wie in der CDU, nicht umsonst hat man sich eine CDU orientierte Ministerialdirektorin zur Hilfe geholt. Des Weiteren sind einige wichtige SPD-Schulpolitiker mit X-fach Positionen besetzt: Rektor, Kreisrat, Mitglied im Städtetag und Landtagsabgeordneter in Einem, was soll da rauskommen, außer persönliche Interessen. Die, die hier leer ausgehen, sind unsere Kinder. Im Moment geht es nur darum, Geld zu sparen, weil das 'Schulsystem' bankrott ist. Der neue Kultusminister steht vor einer lösbaren Aufgabe. Da wir kein Bildungssystem haben, kann nichts schlechter werden. Und zum Schluss zur Gemeinschaftsschule. Es war eine Idee der CDU und von der SPD zwecks mangelnder Alternativen umgesetzt. Es geht bei den Gemeinschaftsschulen nicht um ein besseres Bildungssystem, sondern um die Reduzierung von Lehrern, Bildungsmitteln und um den besseren Einsatz von Sonderschullehrern. Den für die Inklusion sucht die SPD auch noch ein Hintertürchen, sie nicht umzusetzen, denn sie bedeutet eine massive Änderung im System und Kosten. Das will das Schulsystem natürlich nicht und natürlich der Landrat und deren Kreisräte schon gar nicht.
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Aha Ist schon länger als 1 Jahr her
ernsthaft dieser Landesregierung einen Hauch von Know-how in Bezug auf Bildungspolitik unterstellen??? Schrecklich wie unser gutes (NACHWEISLICH!) Bildungssystem kaputtgesparte wird und mit unausgegorenen Alternativen (=Gemeinschaftsschule) zerstört werden soll! Die Motivation der Lehrer ist im Keller, das Vertrauen in rot / grün dahin! Weg mit diesen Möchtergernpolitikern! Am besten vor 2016!
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te Ist schon länger als 1 Jahr her
Haben sie noch nicht bemerkt, dass es hier ausnahmsweise mal um etwas wichtiges geht. Nämlich die Bildung unserer Kinder. Hier zeigt sich das wahre. Gesicht der Wutbürger. Wenn es nicht um ihren dämlichen Bahnhof geht ist ihnen alles andere egal. Armes Baden-Württemberg.
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Abi '88 Ist schon länger als 1 Jahr her
Damit würde Grün-Rot ja nur konsequent die Bildungspolitik der Vorgänger-Regierung, die uns u.A. mit G8 'beglückt' hat, fortsetzen. Da fragt man sich beim genaueren Überlegen doch, was CDU-Landeschef Strobl denn eigentlich dagegen haben kann ... Merkwürdig! Oder merkt der Mann schon nicht mehr, was für einen 'Doppel-Quatsch' (Zitat Thomas Strobl) er da - wieder einmal - verzapft?
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Bildungsfreund Ist schon länger als 1 Jahr her
Man muss kein CDU-Wähler sein, um die Schulpolitik der grün-roten Landesregierung mit vielen Fragezeichen zu versehen. Es ist noch keine drei Jahre her, dass der jetzige Kultusminister verlautbarte, Ziel seiner Partei sei das zweijährige Gymnasium - als Aufsetzer auf eine für alle verbindliche Gemeinschaftsschule bis Klasse 10. Dass die GEW-Chefin Doro Moritz jetzt Forderungen stellt, die genau in diese Richtung zielen, lässt Schlimmes befürchten, schließlich kennt man die enge Verflechtung von SPD und GEW. Um sich gegen die Bedenken kritischer Pädagogen zu wappnen, mindert man deshalb in der Öffentlichkeit ihre Leistungen herab und leugnet kaltschnäuzig die besonderen physischen und psychischen Anstrengungen, die ihr Beruf besonders für Ältere mit sich bringt - selbst Mayer-Vorfelder, dem man sonst als Pädagoge nicht unbedingt nachweinen möchte, erwies älteren Lehrern gegenüber mehr Respekt als der jetzige Regierungschef. Die Art und Weise, wie die Gemeinschaftsschule, ohne je erprobt worden zu sein, als Non-plus-ultra angepriesen und flächendeckend durchgedrückt wird, erinnert an die Geschäftspraktiken von Verkäufern, für die das Prädikat 'seriös' mehr als schmeichelhaft wäre. Blauäugigkeit ist aber auch keine Entschuldigung für diesen schulpolitischen Sprung ins Dunkle.
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