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Castingsshow Null Bock auf Bohlen und Klum

Martin Weber, vom 04.02.2012 05:29 Uhr
Dieter Bohlen mit seinen Jurykollegen von „Deutschland sucht den Superstar“ Natalie Horler und Bruce Darnell. Foto: dapd
Dieter Bohlen mit seinen Jurykollegen von „Deutschland sucht den Superstar“ Natalie Horler und Bruce Darnell. Foto: dapd
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Berlin - Sie drängen sich zu Tausenden vor den Toren von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) oder „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM). Die Bilder von riesigen Bewerberschlangen gehören zum Auftakt jeder Castingshow genauso dazu wie Dieter Bohlens fiese Sprüche oder Heidi Klums zickiger Befehlston. Eine ganze Generation, so suggerieren es die Fernsehbilder, träumt von einer Karriere als Gesangskünstler oder laufender Kleiderständer, vom Ruhm auf der Bühne oder dem Laufsteg. Doch das stimmt so gar nicht. Eine neue Studie, auf der das Buch „Auf Augenhöhe? Rezeption von Castingshows und Coachingsendungen“ (UVK-Verlag, Konstanz, 272 Seiten, 29 Euro) der Erziehungs- und Medienwissenschaftler Daniel Hajok, Olaf Selg und Achim Hackenberg basiert, zeigt nämlich: Die meisten Kinder und Jugendliche denken nicht im Traum daran, sich vor einer Jury zum Affen zu machen. Sie haben null Bock auf Bohlen oder Klum.

Entwarnung also für die Eltern. Zwar werden Millionen junger Leute den Fernseher einschalten, wenn „DSDS“ an diesem Samstag wieder über den Bildschirm flimmert – als Kandidat dabei sein wollen jedoch nur die wenigsten. Die Menschen in den Bewerberschlangen sind eine Minderheit.

„Selbst einmal bei einer Castingshow mitzumachen, ist nur für die wenigsten der befragten Heranwachsenden eine Option“, heißt es in dem Werk von Hajok, Selg und Hackenberg. Und weiter: „Auch wenn es ihnen ihrer eigenen Einschätzung nach nicht an Talent fehlt, fürchten sie, sich mit einem Auftritt bei „DSDS“ und „GNTM“ zu ‚blamieren‘, oder finden es schlichtweg ‚peinlich‘, auf diese Art und Weise in der Öffentlichkeit zu stehen. Insgesamt betrachtet sprechen für die Heranwachsenden mehr Gründe gegen als für eine Teilnahme.“

Eltern müssen sich kaum Sorgen machen

Die Aussage basiert auf einer von der Arbeitsgemeinschaft Kindheit, Jugend und neue Medien (AKJM) in Auftrag gegebenen Studie, bei der knapp 1200 Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren und knapp 1500 junge Erwachsene zwischen 18 und 24 zu Castingshows befragt wurden.

Die meisten jungen Leute haben zum Thema Casting eine gesunde Distanz und gehen mit den entsprechenden Shows sehr souverän um – schlichtweg Unterhaltung, Spaß und Spannung sind laut AKJM-Studie die vorherrschenden Motive, RTL oder Pro Sieben einzuschalten, wenn Dieter Bohlen über die stimmlichen Bemühungen von Kandidaten lästert oder Heidi Klum spindeldürre Nachwuchsmodels professionellen Mode­fotografen vor die Linse treibt.

Dabei werden die in Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Germany’s Next Topmodel“ propagierten Eigenschaften wie Ehrgeiz, Disziplin und Durchsetzungsvermögen von vielen Jugendlichen zwar durchaus als vorbildlich begriffen – nicht aber der oft harsche, zuweilen sarkastische und manchmal herabwürdigende Umgang mancher Show-Jurys mit den Kandidaten. „Die AKJM-Untersuchung kann die Kritik vonseiten der Öffentlichkeit und des Jugendmedienschutzes, Kinder und Jugendliche könnten den hämischen und zynischen Umgang der Jury mit den Kandidaten als nachahmenswerte Verhaltensmuster übernehmen, nicht bestätigen“, bilanzieren Daniel Hajok, Olaf Selg und Achim Hackenberg in ihrem Buch.

Zu einer Verrohung jugendlicher Sitten tragen Dieter Bohlen, Heidi Klum und deren Kollegen der Studie zufolge viel weniger bei als gemeinhin angenommen wird – auch in dieser Hinsicht müssen sich Eltern also kaum Sorgen machen.

"Deutschland sucht den Superstar" läuft am Samstag um 20.15 Uhr auf RTL

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