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Bundesweite Studie Region Stuttgart steht vor Wohnungsnot

Von Sascha Schmierer 

Auf dem Böblinger Flugfeld entstehen derzeit auch Mietwohnungen – in der Region ist das aber eher die Ausnahme, Bauträger verdienen lieber mit Wohneigentum ihr Geld. Foto: Leif Piechowski
Auf dem Böblinger Flugfeld entstehen derzeit auch Mietwohnungen – in der Region ist das aber eher die Ausnahme, Bauträger verdienen lieber mit Wohneigentum ihr Geld.Foto: Leif Piechowski

Studie: Bis 2017 fehlen im Ballungsraum über 22.000 Mietobjekte – In Stuttgart sind zwei Drittel überaltert.

Stuttgart - Wer sich in Stuttgart nach einer Wohnung umsieht, merkt schnell, dass die Landeshauptstadt ein teures Pflaster ist. Bezahlbare Unterkünfte sind rar gesät, die Kosten für das Dach über dem Kopf klettern nicht nur in zentraler Lage oft in schwindelerregende Höhen. „Die Mietpreise liegen bei uns mehr als 20 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt“, bestätigt Udo Casper, Geschäftsführer des Mieterbunds Baden-Württemberg. Mit Quadratmeterkosten von 6,40 bis 13,20 Euro liegt Stuttgart nur knapp hinter München und Frankfurt, selbst in Hamburg gibt es günstigere Wohnungen.

Weil es im Neckartal zu wenig Wohnraum gibt, weichen die Menschen laut Casper verstärkt in die Nachbarkreise aus. Die Folge ist, dass auch im Speckgürtel rund um die Landeshauptstadt die Preise explodieren. In Sindelfingen oder Leonberg lebt es sich inzwischen fast so teuer wie in Wiesbaden, auch Esslingen, Waiblingen oder Ludwigsburg liegen im bundesweiten Mietspiegel noch vor Städten wie Hannover und Bremen.

Diese Entwicklung droht sich in den nächsten Jahren eher noch zu verschärfen: In einer deutschlandweiten Studie hat das Pestel-Institut jetzt ermittelt, dass in fünf Jahren allein in Stuttgart fast 9400 Mietwohnungen fehlen werden. Im Landkreis Esslingen liegt der Nachholbedarf bei über 4600 Wohneinheiten, rund um Ludwigsburg prognostizieren die Gutachter fürs Jahr 2017 einen Mangel von fast 4200 Objekten. Insgesamt summiert sich das rechnerische Defizit in der Region auf 22.787 Wohnungen.

„Die größte Bausünde war, dass wegen schlechten Rahmenbedingungen viel zu wenig Neubauten entstanden sind“

„Wenn der Wohnungsbau in den nächsten Jahren nicht deutlich zulegt, werden bezahlbare Unterkünfte zur Mangelware“, erklärt Matthias Günther, der Vater der Studie. Schuld am Defizit haben aus Sicht des Diplom-Ökonomen die Versäumnisse in der Wohnungsbaupolitik: „Die größte Bausünde war, dass wegen schlechten Rahmenbedingungen viel zu wenig Neubauten entstanden sind. Es war einfach zu unattraktiv, in Mietwohnungen zu investieren.“ Ablesbar sei dieser Trend schon am Alter bestehender Objekte. Während in den Nachbarkreisen fast jede zweite Mietwohnung mehr als vier Jahrzehnte auf dem Buckel hat, sind in Stuttgart zwei Drittel vor dem Jahr 1970 erbaut. „Ein Großteil dieser oft in der Nachkriegszeit entstandenen Objekte ist weit von dem entfernt, was Standard ist“, spricht der Wissenschaftler den Nachholbedarf bei Grundriss, Energieverbrauch und einer altersgerechten, barrierearmen Ausstattung an. Noch den besten Bestand hat nach den Ergebnissen der Pestel-Studie der Landkreis Böblingen. Doch auch zwischen Engelberg und Schönbuch sind 38 Prozent der Mietwohnungen vor 1970 entstanden, die Quote der jährlichen Neubauten liegt wie überall in der Region weit unter ein Prozent.

Auftraggeber der Studie waren neben der Bauwirtschaft auch der Mieterbund und die Branchengewerkschaften. Sie fordern, dass der Bund den Ländern künftig mehr Geld für den Bau von Sozialwohnungen zur Verfügung stellt. „Die Quittung der verfehlten Förderung zahlen Menschen, die es ohnehin schwer haben, auf dem Markt eine bezahlbare Wohnung zu finden“, heißt es in einem Appell der Initiative an die Politik. Die in Baden-Württemberg erhöhten Fördergelder um 22 Millionen Euro reichten längst nicht aus, um Impulse für die Wirtschaft zu geben.

Tatsächlich scheuen sich Bauträger selbst bei großen Wohngebieten, in die Erstellung von Mietwohnungen zu investieren. Dass die Leonberger Mörk-Gruppe derzeit auf dem Böblinger Flugfeld einen Komplex mit gleich 121 Einheiten errichtet ist eher die Ausnahme – und liegt auch daran, dass die ursprünglich gewünschte Ansiedlung von Unternehmen auf wenig Resonanz stieß. Schon bei der Leonberger Bausparkassen-Brache werden nur Eigentumswohnungen geplant. „Viele Hausbesitzer haben keine Lust, sich Ärger einzuhandeln – und vermieten deshalb nicht“, weiß der Ludwigsburger Immobilienmakler Jürgen Pflugfelder. Er bietet kaufwilligen Kunden deshalb an, die Hausverwaltung fürs neue Objekt zu übernehmen: „Das ist ein neues Geschäftsfeld.“

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