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Bundestagswahl 2013 Die Politik ist eine Baustelle

jac, 27.08.2013 10:00 Uhr

Besigheim - Eddie muss zeigen, wer der Herr in der Box ist. Immer wieder reibt der Wallach seine Nüstern am gelben Wahlkampf-Poloshirt von Christian Meyer. Der 50-jährige Liberale stemmt sich dagegen. „Eddie!“, ruft er. Dann sieht Meyer ein, dass es nichts bringt: Wallach Eddie wartet auf seine Chefin, Meyers Tochter Jule, die gleich zum Reiten kommt. Meyer ist in Eddies Rangliste eben nur derjenige, der die Morgenmohrrübe bringen darf.

Der Liberale grinst. Diesen Kampf gibt der FDP-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Neckar-Zaber gern verloren. In einen anderen Kampf, den Wahlkampf, hängt sich der Kraftwerksbauer aus Besigheim dagegen voll rein. Es muss das Direktmandat sein, denn einen Listenplatz hat Meyer nicht. Sein Versuch, mindestens auf Platz 15 der Landesliste zu kommen, scheiterte. Einen Platz noch weiter unten wollte er nicht akzeptieren. „Das kann man als Führungskraft in der Wirtschaft nicht machen“, sagt Meyer. Entweder ganz oben mit dabei – oder anders. Und das heißt: Erststimmenwahlkampf.

Meyer braucht das Direktmandat – er hat keinen Listenplatz

Meyers Frau Imke Dröscher ist inzwischen dazugekommen. Dröscher organisiert den Wahlkampf. Die Dolmetscherin ist seit April Vorsitzende der Besigheimer FDP. Ihr stellt sich die Frage überhaupt nicht, ob Meyer im konservativen Wahlkreis Neckar-Zaber aus dem Stand Platzhirsch Eberhard Gienger von der CDU überflügeln kann. „Ja natürlich glauben wir an das Direktmandat“, sagt Dröscher. Wer das nicht tue, müsse doch gar nicht antreten. Christian Meyer wiegt den Kopf. Leicht werde es nicht, sagt er.

Andererseits: bislang habe er quasi aus dem Stand politisch Karriere gemacht. Aktuell ist Meyer stellvertretender Vorsitzendes des Kreisverbandes Ludwigsburg. Dabei trat der den Liberalen erst 2009 bei – auf der Bundestagswahlparty, die seine Frau zuhause im Garten veranstaltete. Vor einem Jahr sah Meyer dann seine Chance zum großen Sprung. Harald Leibrecht, bis dahin FDP-Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Neckar-Zaber, gab überraschend bekannt, nicht mehr anzutreten. Zuvor hatte Meyer bereits einmal damit geliebäugelt, in die Landespolitik zu gehen. Aber gegen Monika Chef, Bürgermeisterin aus Gemmrigheim und aussichtsreiche Kandidatin, wollte er nicht antreten. Das mache man nicht, sagt er.

Blitz-Entscheidung für die Kandidatur

„Die Kandidatur für den Bundestag haben wir an einem Nachmittag am Kaffeetisch beschlossen“, sagt Dröscher. Meyers Chancen waren ungewiss. Fortunato Bergamotto, langjähriger Schatzmeister der FDP im Kreisverband Ludwigsburg, hatte ebenfalls seinen Hut in den Ring geworfen – verlor allerdings hoch. Hier, so glaubt Meyer, habe es sich ausgezahlt, das zu tun, was er im Wahlkampf nicht tun will: Hausbesuche machen.

Warum keine Hausbesuche? Warum Auftritte nur dort, wo er als Kandidat namentlich begrüßt wird? Alles andere koste zu viel Zeit, sagt Meyer. Er setzt lieber auf eine Anzeigenkampagne mit dem Titel „Drei Fragen – drei Antworten“. Zack. Zack. Zack. Auf den Baustellen, auf denen der Kraftwerksbauer als Projektleiter gearbeitet hat, waren seine Mails berüchtigt, sagt er. „Drei Sätze waren bereits Prosa.“ Kurz und bündig – so schreibt er in seinem Blog „Meyers Meinung“, so tritt er auf Podiumsdiskussionen auf: Steuern runter, Nein zur Schuldenunion, Ja zum dreigliedrigen Schulsystem. „Mehr reden bringt nichts. Die ersten 20 Sekunden müssen sitzen, sonst schalten die Leute ab.“

Politiker müssten öfter mal „Nein“ sagen

Warum dann in die Politik, wo zäh um Kompromisse gefeilscht wird? „Politik funktioniert nicht anders als eine Baustelle. Man muss anpacken und machen. Ein Nein muss auch mal ein Nein sein.“ Er stehe für ein klares Nein zu einer längeren Fortführung des Soli. Er kritisiert die nachgiebige Linie der CDU zur Euro-Rettung.

Doch Meyer gibt auch längere, überraschende Antworten. Die Bildungs- und Integrationspolitik bezeichnet der Kraftwerksbauer als zwei seiner Themen. „Da entscheidet sich, wie es mit unserem Land weitergeht“, sagt er. Und neben Meyers Mitgliedschaft im Golf-Club steht die beim Sozialverband VDK. „Liberale sind nicht immer bei den Rotariern“, sagt Meyer dazu.

 
 
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