Bufdis Gute Geschäfte mit den Freiwilligen

Von Jürgen Bock 

Christopher Cline ist der aktuelle Bufdi auf dem Aktivspielplatz Seelberg. Für ihn einen Nachfolger zu finden, ist nicht leicht.  Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Christopher Cline ist der aktuelle Bufdi auf dem Aktivspielplatz Seelberg. Für ihn einen Nachfolger zu finden, ist nicht leicht. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Seit der Bundesfreiwilligendienst den Zivildienst abgelöst hat, leisten die Bufdis wertvolle Arbeit. Die günstigen Helfer sind besonders im sozialen Bereich begehrt. Davon will auch ein kommerzieller Vermittler profitieren. Zum Leidwesen mancher Arbeitgeber.

Stuttgart - Chris ist auf dem Aktivspielplatz Seelberg unentbehrlich. Der junge Mann ist ein sogenannter Bufdi. Er leistet auf dem Gelände in Bad Cannstatt den Bundesfreiwilligendienst ab. Er repariert gegen ein geringes monatliches Taschengeld Spielgeräte, geht mit zum Fußballturnier und ist die gute Seele im Haus und auf dem Hof.

Doch nur noch bis zum Sommer, dann endet seine Dienstzeit. Die beiden hauptamtlichen Betreuer brauchen dringend einen Nachfolger für Chris, wenn die Kinder weiterhin auf dem Aktivspielplatz toben können sollen. „Wir benötigen einen Bufdi, um Schließtage zu vermeiden“, sagt Gisela de Longueville. Sie gehört zum Vorstand des Vereins, der den Spielplatz betreibt. Und macht sich Sorgen um die Zukunft. Denn Bufdis sind gar nicht so einfach zu finden. „Die Bewerber fehlen in vielen Einrichtungen“, sagt sie, „bisher sind bei uns alle aus dem Umfeld des Spielplatzes gekommen, meist über Bekannte.“

Da erscheinen zusätzliche Suchmöglichkeiten verlockend. Im vergangenen Herbst stießen die Mitarbeiter im Internet auf das Portal www.bufdi.eu. Dort können Arbeitgeber ihre Stellenangebote für Bufdis einstellen. Bewerber können sich dann direkt mit ihnen in Verbindung setzen. „Es war für uns nicht gleich zu erkennen, dass das ein kommerzielles Angebot ist“, sagt Gisela de Longueville. Man habe dem Betreiber daraufhin ein Einschreiben geschickt, um einen Rückzieher zu machen. Danach sei es monatelang still gewesen.

793,73 Euro fordert das Internetportal

Bis vor wenigen Tagen. Da erreichte eine gesalzene Rechnung den Aktivspielplatz. Genau 793,73 Euro fordert das Internetportal als „Nutzungspauschale für den Account bis zum 31.10. 2016“. „Wir haben uns jetzt einen Anwalt genommen. Wir werden das nicht bezahlen“, sagt Gisela de Longueville.

So wie dem Aktivspielplatz Seelberg geht es offenbar immer mehr sozialen oder kulturellen Einrichtungen, die auf günstige Bufdis angewiesen sind. „Der Großteil unserer Stellen ist zwar besetzt, aber wir sehen schon einen gewissen Bewerbermangel. Und dann entstehen solche Angebote“, sagt Friedhelm Nöh, Geschäftsführer der Stuttgarter Arbeiterwohlfahrt. Bei Bufdi.eu erkenne man erst im Kleingedruckten, welche Kosten auf den Arbeitgeber zukämen, heißt es dort. Man habe deshalb die Mitarbeiter mit einem Rundbrief auf diesen Sachverhalt hingewiesen. Das hat auch die Diakonie Württemberg getan. „Das Thema ist bereits bei diversen Einrichtungen aufgekommen“, sagt Sprecherin Andrea Schlepper.

Am Mittwochabend fanden sich auf Bufdi.eu lediglich 33 Stellenangebote für Stuttgart. Auf der offiziellen Seite www.bundesfreiwilligendienst.de waren es dagegen 300, für Baden-Württemberg gar über 3200. Sie dient als zentrale Anlaufstelle für Arbeitgeber und Stellensuchende. Zudem gibt es Außendienstmitarbeiter und Zentralstellen für persönliche Beratung. Die Vermittlung dort ist kostenlos. „Insofern sind kommerzielle Anbieter wie Bufdi.eu überflüssig“, sagt ein Sprecher des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

Bufdi.eu versteht die Aufregung nicht

Von einer Bezahlfalle mag man dort offiziell nicht sprechen. „Es handelt sich um eine Grauzone, gegen die wir rechtlich bisher nicht vorgehen können“, so der Sprecher. Vor wenigen Tagen hat das Amt auf seiner Seite einen Hinweis veröffentlicht, in dem es sich von dem kommerziellen Angebot distanziert. Man habe damit nichts zu tun, heißt es dort. „Der Anbieter hat keinen Auftrag von uns“, betont der Sprecher. Es gebe diverse Beschwerden von Arbeitgebern, die auf das Angebot eingegangen seien. Bisher sei kein zweites Unternehmen bekannt, das ähnliche Bezahldienste anbiete.

Bei Bufdi.eu versteht man die Aufregung nicht. „Warum wir den Anschein erwecken sollen, ein offizielles Portal zu sein, ist mir nicht klar“, sagt eine Sprecherin des Berliner Unternehmens. Die Aufmachung der Seite unterscheide sich erheblich von der des offiziellen Angebots. Eine Begründung für die Vorwürfe habe man „trotz Rückfragen leider noch nicht erhalten“. Arbeitgeber müssten den Kosten von 29 Euro im Monat explizit zustimmen, zudem lägen die Preise weit unter dem Durchschnitt gewöhnlicher Stellenportale. Suchende bezahlten gar nichts für das Angebot. Ein Blick auf die Seite zeigt, dass sich der Punkt „Gebühren für Einsatzstellen“ klein ganz unten als letzter Eintrag findet.

Bei Bufdi.eu betont man den Erfolg des Angebots. Die Seite verzeichne bis zu 50 000 Besucher pro Monat, man helfe zudem kostenfrei bei Verbesserungen der einzelnen Stellengesuche. Bei „guten Einträgen“ erhielten die Arbeitgeber im Normalfall bereits in den ersten Tagen mehrere Bewerbungen von Interessenten.

Beim Aktivspielplatz Seelberg ist das freilich nicht der Fall gewesen. Kein einziger Bewerber hat sich dort gemeldet, der Chris ersetzen will. Es kam nur die Rechnung.

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