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Bürgerumfrage S 21 gibt rote Laterne an Milaneo ab

Von Konstantin Schwarz 

Der Kundenmagnet Milaneo schneidet in der Umfrage der Stadtverwaltung nicht gut ab Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Der Kundenmagnet Milaneo schneidet in der Umfrage der Stadtverwaltung nicht gut abFoto: Lichtgut/Max Kovalenko

Alle zwei Jahre fühlt die Stadtverwaltung in einer Umfrage den Puls der Bürger. Wie denken die Stuttgarter über Bauprojekte? Das Spektrum ist weit gestreut: Die gut besuchten Automuseen sind akzeptiert, der Einkaufstempel Milaneo und Stuttgart 21 bleiben umstritten.

Stuttgart - Auch in der Ferienzeit ist das 42 000 Quadratmeter große Einkaufszentrum Milaneo beim Hauptbahnhof gut besucht. Die Kundschaft ist überwiegend jung, die Kennzeichen der Autos in der Tiefgarage beginnen häufig mit Doppelbuchstaben. In der Umfrage der Stadtverwaltung nach der Beliebtheit von Bauprojekten und Einrichtungen spiegelt sich die entspannte Einkaufsatmosphäre nicht: Das Milaneo hat mit 42 von 100 Punkten den schlechtesten Wert eingefahren – und damit den Neubau des Hauptbahnhofs (49 Punkte) vom letzten Platz verdrängt.

Bei der Ursachenforschung tut sich Stuttgarts Ordnungsbürgermeister am Montag bei der Pressekonferenz schwer. „Das Milaneo steht in einem städtebaulich unfertigen Umfeld, die Straßen rundum werden umgebaut, das fließt wahrscheinlich auch ins Meinungsbild ein“, sagt Schairer. Außerdem seien nur Stuttgarter (rund 3700) befragt worden. Die Kundschaft kommt aber vor allem aus der Region.

In Prozenten haben 41 vom Milaneo eine schlechte oder sehr schlechte, aber nur 24 eine sehr gute oder gute Meinung. Für das Einkaufszentrum Gerber, im September 2014 nur zwei Wochen vor dem Milaneo eröffnet, ist die Zustimmung mit 31 Prozent knapp höher als die Ablehnung mit 27.

Das Bahnprojekt ist für die Statistiker ein alter Bekannter

Nach der Beliebtheit des Milaneo wurde in der Umfrage erstmals geforscht. Das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 ist dagegen für die Statistiker ein alter Bekannter. Seit 1995 pendeln die Zustimmungswerte zwischen 40 Punkten (2009), dem schlechtsten Wert, der je in der Umfrage erreicht wurde, und 52 (2011) von 100 der auf dem „Kommunalbarometer“ erreichbaren Zähler. 100 Punkte bedeuten dabei, dass die Bürger eine „sehr gute Meinung“, 0 eine „sehr schlechte Meinung“ über das Projekt haben.

Vor sechs Jahren splittete Thomas Schwarz, der Leiter des Statistischen Amts, Stuttgart 21 in den Bahnhofbau, das neue Stadtviertel und die Parkerweiterung auf. Der Tiefbahnhof pendelt seitdem um die Marke von 50 Punkten, das später mögliche neue Stadtviertel (54) und der Park (71) sind deutlich beliebter. Zusammengefasst erreicht das Projekt 50 Punkte, vier mehr als 2013. Damals war die gigantische Kostensteigerung von 4,5 auf 6,5 Milliarden Euro just während der Umfrage bekanntgeworden. Männer beurteilen Stuttgart 21 positiver als Frauen, jüngere und ältere Stuttgarter (bis 45 und über 65 Jahre) ebenfalls. In den Altersklassen dazwischen überwiegt ein negatives Meinungsbild.

Keine Meinung zur neuen Zugstation haben übrigens nur zwei von je 100 Befragten. Beim geplanten Wohnbau im Neckarpark sind es immerhin 32 Prozent, und beim geplanten Lern- und Gedenkort zum Nationalsozialismus im Hotel Silber in der Dorotheenstraße wollten sich 30 Prozent nicht positionieren.

„Zu Stuttgart 21 kann man nach wie vor behaupten, dass die Stadt geteilt ist“, sagt Schairer. An der Meinungsbildung wirke die Stadt selbst nicht mit, findet der Bürgermeister. „Die Öffentlichkeitsarbeit für Stuttgart 21 macht die Bahn, wir achten darauf, die Belastungen für die Bürger gering zu halten.“ Das gelte für den Verkehr und den Lärmschutz. Bei Planänderungen der Bahn gibt die Stadt ihre fachliche Stellungnahme ab.

Die Stadt am Fluss ist eine beliebte Vision

Sehr hohe Zustimmungswerte fahren seit Jahren die Automuseen von Mercedes und Porsche, aber auch der Ausbau des Stadtbahnnetzes ein. Umstrittene Straßenbauten wie der Rosensteintunnel (67 Punkte) stiegen in der Wertschätzung genauso wie die Stadtbibliothek und das Kunstmuseum (75).

Ganz weit oben auf der Beliebtheitsskala rangiert auch ein Projekt, das sich bisher eher als Vision denn als gebaute Wirklichkeit auszeichnet: die Stadt am Fluss. OB Fritz Kuhn (Grüne) will die alten Pläne, mit denen der Neckar für die Menschen erlebbar werden soll, aus der Schublade holen, eine Prioritätenliste für Planung und Umsetzung erstellen. Der Gemeinderat soll dafür einen zweistelligen Millionenbetrag lockermachen. „Die Stadt am Fluss ist noch ein virtuelles Projekt“, sagt Schairer. Doch mit der Umfrage will die Stadtverwaltung ja auch ergründen, für welche Zukunftsaufgaben sich die Stuttgarter interessieren oder begeistern könnten. „Die Erkenntnisse werden in die Verwaltung eingespeist. Sie wird, soweit möglich, ihr Handeln danach ausrichten“, verspricht der Bürgermeister.

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