Der gesamte Landkreis Böblingen wird von Drecklastern aus Stuttgart überrollt. Der gesamte Landkreis? Nein! Ein von unbeugsamen Bahn-Befürwortern bewohntes Städtchen an der Würm hört nicht auf, den Eindringlingen von Stuttgart 21 Widerstand zu leisten.
An den - leicht abgewandelten - Beginn der Asterix-Comics mag der Weiler Bürgermeister Hans-Josef Straub gedacht haben, als er sich Ende vergangener Woche schriftlich an seinen Calwer Kollegen, Oberbürgermeister Manfred Dunst gewandt hat. Denn die Möglichkeit, dass bis zu 1,2 Millionen Kubikmeter Aushub aus den Stuttgart 21-Tunnels per Lastwagen statt per Güterzug zur Hirsauer Deponie Fuchsklinge gebracht werden, verursacht auch in Weil der Stadt Zündstoff. Während aber entlang der möglichen Transportroute B 295 derzeit vor allem ein kommunalpolitisches Murren zu hören ist, droht Straub bereits konkreten Widerstand an.
Schließlich hat Weil ein ungewöhnliches Druckmittel in der Hand: Die Keplerstadt ist offiziell "Straßenbaulastträger" für ein Teilstück der Bundesstraße, nämlich die Südumfahrung. Im Klartext: obwohl es sich bei der B 295 um eine Bundesstraße handelt, kann die Stadtverwaltung "verkehrsrechtliche Anordnungen" treffen. Schließlich muss sie aus ihrem Stadtsäckel auch den Unterhalt der Südumfahrung finanzieren.
In seinem Schreiben macht Straub nun deutlich, dass Weil der Stadt nicht gewillt ist, "eine übermäßige Straßennutzung hinzunehmen, die zu unverhältnismäßigem Unterhaltungsaufwand führt". Zwar kann es die Stadtverwaltung niemandem verbieten, das öffentliche Straßennetz zu benutzen. Aber ein beschränktes Lkw-Durchfahrtsverbot für die Südumfahrung könnte sie erlassen - dann müssten die Transporte auf umliegende Straßen ausweichen, was den Zeitplan und damit letztlich die Kalkulation ins Schlingern bringen würde.
Noch ist offiziell nicht entschieden, ob überhaupt und wenn ja wie Aushub von Stuttgart 21 nach Hirsau gebracht wird. Darum möchte der Weiler Bürgermeister seinen Brief auch nicht als Drohung verstanden wissen. Doch sei es eben "sehr bedauerlich, dass Weil der Stadt als Anliegergemeinde an der B 295 aus der Presse von den Plänen erfahren habe". Auch sei über den derzeitigen Stand der Calwer Planungen in Sachen Deponiesanierung nichts bekannt. Straub hält es deshalb für "wünschenswert und hilfreich", wenn die Calwer Nachbarn zu diesem Thema künftig vorab informiert werden.