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Bürgerentscheid Die Loveparade und die Frage der Ehre

Johannes Nitschmann, vom 12.02.2012 16:31 Uhr
Eine Karikatur von Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Rund eineinhalb Jahre nach dem Loveparade-Unglück soll sich das politische Schicksal Sauerlands am Sonntag entscheiden. Foto: dapd
Eine Karikatur von Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Rund eineinhalb Jahre nach dem Loveparade-Unglück soll sich das politische Schicksal Sauerlands am Sonntag entscheiden. Foto: dapd
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Duisburg - Adolf Sauerland kommt in Fahrt. Längst hat der Duisburger Oberbürgermeister sein Jackett abgelegt, als er im Walsumer Hof in seine Anekdotenkiste greift. „Leckomio“, seufzt der füllige CDU-Rathauschef bei Pils und Wacholder in dem rustikalen Fischlokal am Rheindeich, der Kees Bregmann habe ihn als jungen Fußball-Fan wegen seiner leichtfüßigen Dribblings im eigenen Strafraum „zur Raserei“ gebracht. Bregmann war in den 70er Jahren eine Fußball-Legende beim MSV Duisburg, bis ihn die eigenen Fans wegen seiner fahrlässigen Spielweise aus dem Stadion buhten.

Heute ist Sauerland, ein gelernter Lehrer, der Buhmann in der Revierstadt. Nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten im Juli 2010 gilt der 56-jährige Christdemokrat als Versager. Der einstige Macher, der den Bau Deutschlands größter Moschee im Stadtteil Marxloh anschob und für die Umgestaltung des Innenhafens den britischen Stararchitekten Sir Norman Forster holen konnte, ist bei vielen Bürgern unten durch.

Sauerland ist der Buhmann in der Revierstadt

Der Rathauschef steht seit vielen Monaten im Abwehrkampf. An diesem Sonntag sollen die Wahlberechtigten unter den 485.000 Duisburger Bürgern – erstmals in der Geschichte Nordrhein-Westfalens – entscheiden, ob sie ihren OB aus dem Amt befördern. Falls mindestens 91.478 Bürger gegen Sauerland stimmen, muss er seinen Sessel räumen. Ihm wird vorgeworfen, er habe das Techno-Spektakel auf Teufel komm raus nach Duisburg geholt, um sich als modernes Stadtoberhaupt zu inszenieren. Den Loveparade-Veranstaltern seien von den Ordnungsbehörden leichtfertig Genehmigungen erteilt worden. Damit falle Sauerland die politische und moralische Verantwortung für die Sicherheitslücken bei der Massenveranstaltung zu.

Kritiker halten dem Rathauschef vor, mit seiner Verwaltung bei den Auflagen für die Loveparade-Macher gemauschelt und an der Kante des Strafgesetzbuchs agiert zu haben. Mehr aber noch empört sie, dass Sauerland lange kein Wort des Bedauerns und der Entschuldigung gegenüber den ­Opfern über die Lippen gebracht hatte.

Der Rathauschef steht seit vielen Monaten im Abwehrkampf

„Wir meinen, er kann Duisburg nicht mehr vertreten, weder nach innen noch nach außen“, sagt Werner Hüsken, einer der Mitinitiatoren der Initiative Neuanfang für Duisburg. Die Initiative hat 79.000 Unterschriften zusammen , um das Abwahlverfahren durchzusetzen. Der OB sei unfähig, politische und moralische Verantwortung zu übernehmen.

Inzwischen schämt sich der hemdsärmlige CDU-Politiker selbst, dass er gegenüber den Angehörigen der Opfer und den Verletzten der Tragödie nie den richtigen Ton getroffen hat. Er habe „reagiert wie ein armes Schwein“, beichtete der Oberbürgermeister vor wenigen Wochen. „Dass ich Fehler gemacht habe, gestehe ich gerne zu.“ Nach der Katastrophe habe er tagelang neben sich gestanden. Engen Freunden vertraute der OB an, er habe in dieser Phase sogar daran gedacht, „gegen einen Baum zu fahren“.

Kommentare (1)
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FEB
11
15:26 Uhr, geschrieben von Reigeschmeckter
Wie wäre das schön...
...wenn es die Möglichkeit, einen Bürgermeister abzuwählen, endlich auch in Baden-Württemberg gäbe. Herr Kretschmann, Herr Schmid - das sollte sich doch ratzfatz machen lassen... Einen Kandidaten wüßte ich schon - dummerweise entfällt mir sein Name ständig. Zu Herrn Sauerland: Ein bißchen tut er mir ja leid - ein Provinzpolitiker, der sich bös verhoben hat und vermutlich bis heute nicht wirklich verstanden hat, weshalb die Leute ihn weghaben wollen. Mit ein Grund für sein Kleben am Sessel dürfte die Tatsache sein, daß er bei einem Rücktritt mit 56 ohne jede Altersvorsorge dastünde. Das kann ich durchaus nachvollziehen. Aber dann hätte Herr Sauerland dies ehrlich sagen sollen; er und seine Partei"freunde" eine Lösung finden müssen - etwa derart, daß Sauerland bis zu einer gerichtlichen Entscheidung in Sachen Loveparade die Amtsgeschäfte ruhen läßt. Einen ehrenvollen Abgang hat sich der Mann durch sein Verhalten verbaut; im besten Fall wird er durch seine Abwahl finanziell ungeschoren davonkommen. Falls sich keine Mehrheit gegen ihn findet, bleibt Duisburg bis zum Ende seiner Antszeit politisch blockiert - das wünscht man den Bürgern nicht.
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