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Bürgerbeteiligung "Salz und Suppe" Gemeinsam kochen, über Stuttgart plaudern

Von Christoph Donauer 

Die Organisatoren Birgit Kastner und Ulrich Dilger freuen sich auf Meinungen der Teilnehmer Foto: Salz und Suppe
Die Organisatoren Birgit Kastner und Ulrich Dilger freuen sich auf Meinungen der TeilnehmerFoto: Salz und Suppe

Bürgerbeteiligung, die schmeckt: Bei „Salz und Suppe“ darf in Stuttgart heftig über urbanes Leben, Zuwanderung und die Bahn diskutiert werden – am Esstisch. Ein Gespräch mit Organisatorin Birgit Kastner über Stadtentwicklung, Chili con Carne und fliegende Fetzen.

Stuttgart - „Viele Köche verderben den Brei“. Was jede Hausfrau weiß, bringt Birgit Kastner zum Lachen. Die Soziologin arbeitet beim Stuttgarter Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung und hat das Projekt „Salz und Suppe“ mitorganisiert. Ihre Meinung zum sprichwörtlich verdorbenen Brei: „Gerade die Mischung macht’s!“

Denn bei dem mehrmonatigen Projekt sollen möglichst viele Stuttgarter aus allen Stadtteilen zusammen Suppe kochen und am Esstisch über ihre schöne Stadt plaudern.

Ziel des Ganzen sei es, die Wünsche und Sorgen der Bürger zu sammeln und bei der Stadtplanung aus diesem Ideen-Pool zu schöpfen. „Oft sprechen die gleichen Leute zum gleichen Thema. Es ist total interessant, mal den unterschiedlichsten Menschen zuzuhören“, beschreibt es Kastner.

Doch was muss man für das politische „perfekte Dinner“ mitbringen? Vor allem Freude am Diskutieren, Hunger und natürlich muss man ein waschechter Stuttgarter sein. Das sei wichtig, so Kastner, weil die Stadtplaner mit verschiedensten Daten arbeiten, die sie zu den Stadtteilen vorliegen haben, beispielsweise zur Einkommensstruktur.

Deshalb musste die Organisatorin schon Absagen erteilen: „Eine Anmeldung kam aus Filderstadt, die lebten jahrelang in Stuttgart und haben sogar ein Gedicht geschrieben. Das tut dann im Herzen weh, denen abzusagen.“

„Man muss kein Spitzenkoch sein“

Alle angenommenen Teilnehmer werden von einem Projektteam in Sechsergruppen eingeteilt – je unterschiedlicher, desto besser. Diese Einteilung soll es den Menschen leichter machen, über das Projekt hinaus Bekanntschaften zu schließen: „Wir haben überall geschaut, wo man Barrieren abbauen kann. Neben demografischen gibt es auch topografische. So bringen wir zusammen, was sonst nicht zusammen kommt, zum Beispiel Süd und Degerloch,“ erklärt Kastner.

Wer am Ende in einer der Sechsergruppen landet, geht vier Mal essen und darf auch selbst den Kochlöffel schwingen. Gemüsebrühe, Maultaschensuppe oder Tomatencreme – was auf den Tisch kommt, darf jeder selbst entscheiden. Denn die Teilnehmer kochen entweder bei sich zuhause oder in einer städtischen Einrichtung mit Küche.

Die „Tiefkühlköche“ kann Kastner beruhigen. Natürlich müsse man kein Spitzenkoch sein, es ginge einfach um das Zusammensein und miteinander Reden. Und damit Vegetarier nicht vor einem Teller Chili con carne verhungern müssten, gebe es am Anfang Checklisten zu Ernährungsweisen und Allergien.

„Stuttgart 21 ist außen vor“

Das Projekt lebt vom Dialog. Daher darf das Kochteam selbst entscheiden, welche Oberthemen es sich aussucht. Zur Wahl stehen beispielsweise „Wohnraum“, „öffentlicher Nahverkehr“ oder „Zuwanderung“. Dass diese Themen auch Konfliktpotenzial haben, ist den Organisatoren bewusst. Daher werden die Diskussionen immer von einem Moderator begleitet, der abschweifende Diskussionen wieder zum Thema zurückführt.

Kastner sieht das gelassen: „Natürlich kann es zu Streit kommen. Stuttgart 21 ist außen vor. Aber es gibt auch Themen, bei denen die Menschen einfach diskutieren müssen. Wenn die Rolltreppe kaputt ist, läuft der Eine vielleicht einfach hoch, für den Anderen ist es vielleicht total schwierig.“

„Die Bürger haben die Expertise“

Damit am Ende alle gewinnen, werden die Ergebnisse der „Suppen-Stammtische“ festgehalten und später in einem Buch zusammengestellt – egal ob positiv oder negativ. Dieses wird dann dem Gemeinderat Ende 2016 vorgestellt.

Wann und ob die Ideen aus diesem Buch umgesetzt werden, weiß Kastner nicht: „Das liegt nicht in meinen Händen und da kann ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.“

Dennoch sollen die Ergebnisse dem Amt für Stadtentwicklung und Stadterneuerung als Ideen-Pool dienen, aus dem man für zukünftige Stadtplanungen schöpfen kann. Denn die Stadt Stuttgart braucht die Meinungen der Menschen. „Die Bürger leben ja in der Stadt, die haben die Expertise, wenn es um Verbesserungen geht,“ sagt Kastner.

Sie selbst freue sich vor allem darauf, die Teilnehmer kennenzulernen: „Man macht sich ein Jahr Gedanken und ist dann echt gespannt, was passiert und was nicht.“

Bis 31. März kann sich jeder, der in Stuttgart lebt und gerne diskutiert für „Salz und Suppe“ anmelden.

 

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