Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [0.00/0]

Bücher für Jungs Männer kommen in Kinderbüchern schlecht weg

Andrea Kachelrieß , vom 15.03.2010 18:35 Uhr
  Foto:
Foto:

 

Jungs brauchen also eine bessere Förderung. Brauchen sie auch bessere Bücher, also solche, die ihren Interessen mehr entgegenkommen? Ein Großteil der Neuerscheinungen im Kinder- und Jugendbuchsektor, so ein oft bemühtes Argument, spreche sie nicht an. Schlimmer noch: Weil vornehmlich Frauen Kinderbücher schrieben, kämen die Männer darin schlecht weg. "Sie sind meist traurige Wesen, arbeitslos, untreu, unzuverlässig, nicht selten gewalttätig oder alkoholsüchtig", sagt Hans-Heino Ewers, Leiter des Instituts für Jugendbuchforschung an der Uni Frankfurt.

Liegt es also am mangelnden Stoff für Starke-Kerle-Fantasien, dass Jungs am Lesen so wenig finden? Bei mehr als 6000 Neuerscheinungen im Jahr, sagt Klaus Willberg, Leiter des Stuttgarter Thienemann-Verlags, müsste eigentlich für jeden etwas dabei sein. Freilich: Mädchen werden leichter fündig; der dankbaren Zielgruppe hat man bei Thienemann nun sogar einen eigenen Planeten erfunden; seit Januar sind Angebote wie die Reihe "Freche Bücher für freche Mädchen" unter dem Verlag Planet Girl zusammengefasst. Auch Jungs hat man beim Thienemann-Verlag schon eigene Reservate eingerichtet, ohne Erfolg. "Für Mädchen verboten" hieß eine Serie, die prompt das falsche Geschlecht anlockte.

Jungen als Zielgruppe, das verspricht offenkundig nicht das große Geschäft. "Jungs gehen unter", schränkt denn auch Willberg sehr realistisch ein - und berichtet aus eigener Erfahrung: Im Thienemann-Verlag arbeiten 36 Menschen, nur drei davon sind Männer. "Jungs kommen zu kurz, weil die Kette derer, die sich mit Büchern beschäftigen, stark weiblich geprägt ist. Lektorinnen haben verständlicherweise eine weibliche Perspektive, genauso wie Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen. Mein Rat lautet deshalb: Männer, lest den Kindern vor."

Warum, fragen sich Frauen, die keine Lust mehr auf die männliche Raushaltetaktik und Jammerstrategie haben, schreiben nicht mehr Männer Kinderbücher? Bis es so weit ist, sollten Eltern, so ein Rat der Hirnforscher, darauf achten, ihre Söhne nicht zu oft vor Daddel- und Flimmerkisten abzustellen. Weil es im Gehirn nämlich keine spezielle Region für die Lesefähigkeit gibt, werden verschiedene Bereiche dafür herangezogen. Das weibliche Gehirn hat ein komplexeres Nervennetz, folglich tun sich Mädchen mit dem Lesen leichter. Leider fällt die Phase, in der sich die Lesekompetenz ausbildet, in die gleiche Zeit, in der sich Jungs vor allem für Computerspiele interessieren. Mit circa 15 Jahren geht das Fenster zur Lesekompetenz zu: Liest ein Kind nicht während dieser Zeit oder nur wenig, geht Gehirnpotenzial, das die Lesefähigkeit ermöglicht, teilweise wieder verloren.

Das heißt: Jungs haben ein biologisches Defizit, das man durch besonders spannende Lektüre ausgleichen muss. Wie die aussehen kann, hat die Kinderbuchautorin Charlotte Habersack im Gespräch mit Bruno Köhler für MannDat so formuliert. "Wichtig ist auf jeden Fall eine männliche Hauptfigur. Auch wenn Mädchen zwar Bücher mit männlichen Hauptfiguren lesen, Jungs legen ein Buch mit einer weiblichen Protagonistin eher zur Seite. Außerdem sollte die männliche Hauptfigur stark sein - wobei es ganz egal ist, ob sie eine physische, psychische oder moralische Stärke besitzt. Sie sollte also einen gewissen Vorbildcharakter haben und Abenteuer bestehen müssen, die tendenziell eher in der Außenwelt liegen. Zu guter Letzt sollte die Hauptfigur das Abenteuer aus eigener Kraft meistern. Wenn das alles stimmt, ist es egal, ob es eine Fantasy-Geschichte oder eine realistische Geschichte ist. Das ist dann nur noch Geschmackssache."

 

Kommentare (8)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Anzeigen
DEZ
08
10:32 Uhr, geschrieben von Frau Bock
Keine männlichen Helden mehr??
Der angebliche Mangel an männlichen Vorbildern und Helden in der heutigen Jugendliteratur, ist aus meiner Sicht, nicht nachvollziehbar. Man denke nur an "Harry Potter", "Herr der Ringe" oder "Eragon" - das alles sind Bestseller mit Weltruhm. Und sie alle leben von ihren charismatischen männlichen Protagonisten, oder hab ich da was verpasst?? Der Vorwurf, es gäbe zu wenig Kinder- und Jugendliteratur mit männlichen Helden, die auch Vorbildcharakter haben und Jungs demzufolge ansprechen ist... einfach eine Ausrede! Was allerdings (auch aus eigener Erfahrung) ein entscheidender Faktor ist, ob der eigene Vater liest. Ein Vorbild zu sein ist wichtig, aber auch kein Garant, dass die eigenen Kinder selbst zum Buch greifen. Das Buch hat bei Jungs einfach einen zu starken Konkurrenten- den PC. Die endlosen Welten von WoW und Co. bieten ihnen eine Weite, einen Handlungsspielraum und eine Möglichkeit sich zu profilieren und zu messen, die die Wirklichkeit nicht (mehr) bietet! Unsere Gesellschaft ist kinderfeindlich. Kinder können nicht einfach so raus und ein Baumhaus bauen oder überhaupt mal laut sein, raufen etc..(bis auf die richtigen "Landkinder") . Heute schreit doch sofort der Nachbar "Seid leise!" sobald jemand vor dem Haus zu laut lacht oder mal nen Ball gegen eine Wand bolzt. Und gerade Jungs treffen diese ganzen Einschränkungen besonders hart. Wenn man keinen Platz zum spielen findet, dann sucht man ihn sich eben woanders einen - und das ist dann häufig in der virtuellen Welt. Da kann man sich dann auch mit seinen Kumpels unterhalten und feixen- allerdings nur über Headset...
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
0
Kommentar bewerten
MRZ
18
01:05 Uhr, geschrieben von Diego
Die Jungen einfach Jungen sein lassen!
Die Kritik, dass es nicht genug Kinderbuch schreibende Männer gäbe, kann ich nicht teilen. Viel eher wird zutreffen, dass es nicht genug Verlage gibt, die allgemeine oder explizite Jungenliteratur veröffentlichen. Es fehlt inzwischen der Markt, der zuvor durch die vielen pseudopädagogischen und feministisch-frauenzentrierten Bücher zerstört wurde, die man den Jungen in angeblich guter Absicht aufzwingen wollte. Diese Bücher sollten das (vulgär-)feministische Ideal in die Köpfe der kleinen Rambos portieren und aus ihnen Jungen machen, die sich wie Mädchen verhalten! Dementsprechend hatten diese Bücher nie etwas mit dem Selbstkonzept und der täglichen Selbsterfahrung der Jungen zu tun. Michael und Robert wollen raufen, aber nicht mit Melanie bei einem Schluck Himberblütentee über "Männergewalt" schwabulieren. Wettkampf, Selbstbehauptung, Abenteuer und Risiko - das ist, worüber Jungen lesen wollen und was mit ihrer echten Welt identisch ist. Heutzutage würde hingegen doch selbst schon die Rauferei der Schulklassen aus dem fliegenden Klassenzimmer als "gewaltverherrlichend " abgetan, und es müssten ! Mädchen sowie Kinder mit Migrationshintergrund und vielleicht noch ein Behinderter in der Geschichte vorkommen. Nur kommen genau diese Figuren nicht in der realen Welt der Jungen vor, oder sind nicht bedeutsam, so dass es kaum Identifikationsmöglichkeiten mit der Hauptfigur gibt. Wenn ich an mein absolutes Lieblingsbuch von früher zurückdenke (Alfred Weidenmann - "Die Fünfzig vom Abendblatt"), dann höre ich heute noch im Geiste die Fahrradketten sirren und den Schorf von den Knien rieseln. Und obwohl ihm immer wieder Steine, auch in unfairer Art und Weise in den Weg gelehnt wurden gewinnt am Ende trotzdem der Gute, weil er sich ehrlich angestrengt und fair gekämpft hat. Heutzutage würden die Jungen aus dieser Geschichte mit Ritalin ruhiggestellt und von Sozialpädagogen betreut werden. Dabei ist das alles nur eine Phase dieser Jungen und dieser (Lebens-)Geschichte, die am Ende des Ausprobierens - wenn der Knoten geplatzt ist - sich für alle Beteiligten in Wohlgefallen auflöst. So - auf die unbequeme Art - werden spätere, gesunde Männer gemacht - und nicht, indem man sie dominiert und von ihnen verlangt, sich wie Mädchen zu verhalten.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
0
Kommentar bewerten
MRZ
18
00:25 Uhr, geschrieben von Carl Becker
Nun ist es aus,...
Sie geben wohl nie auf, was? Hab' ich mir auch nicht anders gedacht. Von Lyrik keine Ahnung; die Metapher nicht erkannt? Ich lache zu Hause. Das war doch nur ein Test, um herauszufinden, wie Sie gestrickt sind, ob Sie auf meine Falle hereinfallen. Schön gelandet sind Sie. Von der Kinder- und Jugendliteratur zur schönen Literatur - das nenne ich mir mal einen Werdegang. Da haben Sie ja einen schönen Weg beschritten. Na, den beschreiten Sie mal ruhig weiter - aber bitte schön allein. Ich gehe nicht mit auf solche Irrwege der Literatur. Wenn Sie meinen, man solle nicht alles so ernst nehmen was manche Menschen im Internet schreiben, so lassen Sie sich einen guten Rat geben. Das Internet vergisst nichts. Ehe man also etwas Unüberlegtes schreibt, sollte man es tunlichst überdenken. Ach ja, noch eine Sache, ich vergaß es beinah'. Wenn Sie sich auf meinen nächsten Kommentar freuen, so muss ich Sie enttäuschen. Nach diesem Kommentar hier, werden Sie von mir zu diesem Thema nichts mehr hören. Man soll dann aussteigen, wenn es am Schönsten ist.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
0
Kommentar bewerten
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  3
nächste
Das Kapital sucht sich seine Stadt
Bilder Der Kunstverein Stuttgart bietet unter dem Titel „Oh, My Complex“ Annäherungen an urbane Strukturen.
Letztmals über die Kunst kurven
Bilder An diesem Samstag ist Finale für die Michel-Majerus-Skaterrampe auf dem Schlossplatz.

 

 

Anzeige
Nachrichtenticker
10:10   45 Tonnen Hagel, Blitze und viel Regen: Millionenschaden in NRW
10:06   Strafprozess gegen Julia Timoschenko vertagt
09:56   Verfassungsprobleme für neuen serbischen Präsidenten Nikolic
09:51   Zehn Verletzte bei Zusammenstoß von Bus und Straßenbahn
09:41   Afghanistan: Politologe warnt vor "Abzugswettbewerb"
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Interaktiv
  • Umfrage
Robben

Der FC Bayern München schloss die Bundesliga auf Platz zwei ab, verlor erst das DFB-Pokalfinale und nun das Champions-League-Finale. Haben Sie Mitleid mit den Bayern?

 
Ja sicher. Das ist im Moment eine ganz bittere Phase für die Bayern
Nein, auf keinen Fall. Gewinnen die erfolgsverwöhnten Bayern halt mal nix
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise