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Brustimplantate Brustimplantate: Mehr als 1000 Frauen betroffen

rai, vom 17.02.2012 19:28 Uhr
  Foto: AP
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Stuttgart - Vom europaweiten Skandal um gesundheitsgefährdende Brustimplantate sind in Baden-Württemberg nach jetzigem Stand mindestens 1108 Patientinnen betroffen. Wie das Sozialministerium in Stuttgart auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, bekamen allein im Regierungsbezirk Karlsruhe 1011 Frauen in den zurückliegenden Jahren Implantate eingepflanzt, die mit billigem Industrie-Silikon gefüllt sind und Entzündungen verursachen können.

Der Regierungsbezirk Freiburg meldete dem Ministerium 52 Betroffene, der Regierungsbezirk Tübingen 41 und der Regierungsbezirk Stuttgart 4. Bislang war nur bekannt, dass von den Ärzten im Land über 1300 der fraglichen Implantate der Hersteller PIP (Frankreich) und Rofil (Niederlande) verwendet worden waren. Nun haben die vier Regierungspräsidien in mühevoller Kleinarbeit auch die Zahl der betroffenen Frauen in Erfahrung gebracht.

Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) forderte angesichts des bürokratischen Aufwands für künftige Fälle klare Meldepflichten für die Hersteller von solchen Medizinprodukten. „Es kann doch nicht sein, dass wir den Rückruf von Autos perfekt geregelt haben, aber beim Rückruf von gefährlichen Implantaten oder Herzschrittmachern wie eine Steinzeitgesellschaft handeln“, sagte sie unserer Zeitung. Ihr Ministerium erarbeite dazu gerade einen entsprechenden Entschließungsantrag, den das Land nächsten Monat in den Bundesrat einbringen wolle.

Anfang des Jahres hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn wegen festgestellter Gesundheitsrisiken den Austausch der fraglichen Implantate empfohlen. Ihr Vertrieb und Verkauf sind europaweit bereits seit dem ­vergangenen Jahr verboten.

Im Regierungsbezirk Stuttgart wurden die fraglichen Implantate nach jetzigem Kenntnisstand nur von der Privatklinik May in Stuttgart verwendet. Auf der Lieferliste der französischen Herstellerfirma stand dem Vernehmen nach auch eine Privatklinik in Bad Friedrichshall, aber deren bisheriger Inhaber ist ins Ausland verzogen und nicht erreichbar, so dass in diesem Fall noch unklar ist, ob und wie viele betroffene Frauen es gibt.

Im Regierungsbezirk Tübingen gab es die meisten Fälle (40) an der Uni-Frauenklinik in Tübingen sowie einen Fall in Ulm. Im Regierungsbezirk Freiburg ist schwerpunktmäßig eine Praxis in Freiburg betroffen, zudem wurde ein Fall aus Konstanz gemeldet.

Im Regierungsbezirk Karlsruhe ist die Uniklinik Heidelberg mit 281 betroffenen Patientinnen vorne dabei. In der Stadt Karlsruhe haben insgesamt drei Ärzte die billigeren Implantate verwendet. Mit Abstand die meisten betroffenen Patientinnen (389) waren bei Schönheitschirurg Dr. Bernd Loos, der Anfang des Jahres dem „Stern“ ein Interview gab. Darin sagte er, dass er bei 90 Prozent seiner Patientinnen die fraglichen Implantate von PIP verwendet habe. „Bei etwa 25 Patientinnen habe ich die Implantate bereits ausgetauscht, bei fünf von ihnen waren sie gerissen“, so Loos damals. Er rate allen seinen Patientinnen zu einem Austausch, da durchweg alle Implantate dieser Marke verstärkt Silikon ausgeschwitzt hätten.

Loos verlangte in dem Interview ein strengeres Zulassungsverfahren für Medizinprodukte in Europa – eine Forderung, die auch Ministerin Altpeter erhebt. „Die Hürden sind hier viel zu niedrig“, sagte sie. Die Kriterien müssten künftig ähnlich streng sein wie die bei der Zulassung von Arzneimitteln in Deutschland. Zuständig ist in dem Fall die EU. Brüssel hat bereits angekündigt hat, nach dem Skandal tätig werden zu wollen.

Kommentare (1)
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FEB
18
15:23 Uhr, geschrieben von R. Säckler
Die gute Madame Altpeter soll sich mal nicht aufplustern!
schließlich ist doch gerade IHRE PARTEI immer gleich mit vorndran am zetern, wenn irdendwo irgendwelche "persönliche" Daten erfasst und (G'ttmögschützen!) womöglich sogar auch noch gespeichert werden sollen. Tja - und genau wegen dieser Datenspeicherhysterie, genau deswegen gibt es dann solche Reinfälle wie den vorliegenden.....
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