Broccoli 21 Grüne fordern Vegetarier-Tag in Stuttgart

Von Andrea Jenewein 

Die Mensa im Fanny-Leicht-Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen Foto: Wagner
Die Mensa im Fanny-Leicht-Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen Foto: Wagner

Tofu statt Braten: In den Kantinen der Stadt soll es regelmäßig vegetarischen Tag geben.

Stuttgart - Tofu statt Rostbraten, Gemüsebratlinge statt Frikadellen: Künftig soll es in städtischen Kantinen, Kitas und Schulen einen vegetarischen Tag geben, so ein Antrag der Grünen.

 "Ich liebe Würste, aber ich esse sie nicht", mit diesem Satz kommentiert der US-amerikanische Autor Jonathan Safran Foer sein 2010 erschienenes, erfolgreiches Buch "Tiere essen". In diesem Werk beleuchtet Foer, welche Folgen der weltweite Fleischkonsum für die Umwelt hat.

Auf Stuttgart bezogen würde, wenn sich die Bevölkerung ein Jahr lang einen Tag in der Woche vegetarisch ernährte, der Atmosphäre die CO2-Belastung von über 40.000 Autos im Jahr erspart bleiben, sagen nun die Grünen im Stuttgarter Gemeinderat und beziehen sich damit auf eine Studie des Wuppertal-Instituts für Umwelt, Klima und Energie. Bereits im vergangenen Jahr hat die Fraktion die Umweltbelastung durch die Massentierhaltung thematisiert: Zum Umwelttag bauten sie auf dem Schlossplatz einen Stand auf, an dem der Vegetarier und Bundesvorsitzende der Partei Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, vegetarische Häppchen verteilte und über die gesundheitlichen Risiken und umweltschädlichen Faktoren des Fleischkonsums hinwies. "Damals haben wir festgestellt, wie wenig aufgeklärt die Bevölkerung ist", sagt die Forst- und Umweltwissenschaftlerin und Grünen-Stadträtin Anna Deparnay-Grunenberg.

Vom Vegetariertag profitieren Umwelt und Gesundheit

Deshalb will man nun mit einer Aktion an die Öffentlichkeit, die Signalwirkung haben soll: Die Grünen haben den Antrag gestellt, einen Veggi-Day in Stuttgart einzuführen. Für eine Probephase des Konzepts, das von einer städtischen Klimaschutzkampagne begleitet werden soll, soll alle zwei Wochen in städtischen Kantinen, Kitas und Schulen ausschließlich vegetarisches Essen angeboten werden. "Andere Städte weltweit haben dieses Modell längst eingeführt", sagt Anna Deparnay-Grunenberg. "In Bremen etwa wird der Veggi-Day inzwischen ganz selbstverständlich gelebt: Dort ist der Donnerstag der vegetarische Tag, so wie früher freitags kein Fleisch gegessen wurde. Sogar Sternelokale schließen sich an." Bis es in Stuttgart so weit sei, dauere es aber gewiss noch einige Zeit: "Die Stadt als zweitgrößter Arbeitgeber sollte mit Vorbildfunktion vorangehen", sagt die Grünen-Stadträtin Mutherem Aras. Ziel sei aber durchaus, mittel- oder langfristig freie Unternehmen und Gastronome von der Aktion zu überzeugen.

Denn nicht nur die Umwelt, auch die Gesundheit profitiere von einem Veggi-Day. Das bestätigt Gerold Wempe, der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamts Stuttgart: "Unter rein gesundheitlichen Aspekten betrachtet ist es gut, sich mindestens einmal die Woche vegetarisch zu ernähren." Tierische Fette im Übermaß stellten einen Risikofaktor dar, sie könnten Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Krebserkrankungen fördern. Zudem würde durch tierische Fette die Neigung zu Übergewicht gesteigert. Gegen eine vegetarische Ernährung sprächen höchstens medizinische Indikationen bei Einzelpersonen. "Ein anderer Aspekt ist rechtlicher Natur", sagt Wempe. "Darf man Menschen dazu zwingen, vegetarisch essen zu müssen?"

"Wir leben in einer Bedenkenträgergesellschaft", kontert Muhterem Aras. "Daran, dass er einmal auf Fleisch verzichtet, stirbt kein Mensch." Zumal es ihnen wichtig ist zu zeigen, dass vegetarisches Essen nicht nur aus Beilagen bestehen muss. Das Personal der Kantinen soll für eine "kreative und qualitativ hochwertige Zubereitung vegetarischer Speisen geschult" werden.

"Für uns wäre es kein Problem, einen vegetarischen Tag zu organisieren", sagt Adalbert Erben, Leiter des Dienstleistungszentrums des Klinikums Stuttgart. Schon heute böten alle Kantinen auch vegetarische Speisen an, die gut ankämen. Andererseits fordere der Personalrat immer "solide Fleischportionen". "Die Frage ist, ob einige Menschen dann nicht zur nächsten Döner-Bude abwandern", sagt Erben. Diese Bedenken teilt ein Mitarbeiter aus dem Bereich der städtischen Betriebsrestaurants: "Nur etwa 17,5 Prozent der Essen, die wir ausgeben, sind vegetarisch." Dennoch sei der Veggi-Day eine gute Sache. "Man muss nur ein attraktives Angebot machen, das Personal muss geschult werden." Geplant sei für Ende des kommenden Jahres ein Probelauf, der wissenschaftlich begleitet werden soll.

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