Obwohl die Ereignisse schon einige Tage zurückliegen, hat sich Silvia Kaufmann von dem Schrecken noch nicht erholt. Der erste Vorfall ereignete sich in der Nacht auf 20. März am Geisinger Weg 35. "Gegen 1 Uhr wollte ich gerade ins Bad gehen und sah mich beim Öffnen der Tür mit Blick zum Fenster einer für mich gewaltigen Feuerwand gegenüber", beschreibt die Stammheimerin den Vorfall. In Schlafanzug, Schuhen und Mantel rannte sie aus ihrer Wohnung und alarmierte die Feuerwehr. "Zur gleichen Zeit haben Jugendliche an unseren Haustüren geklingelt und mir gesagt, dass, dass unsere Hecke brennt." Glücklicherweise seien Feuerwehr und Polizei schnell vor Ort gewesen und hätten das Feuer schnell unter Kontrolle gebracht. Doch bei dem einen Feuer sollte es nicht bleiben: "Nachdem ich dann seit Freitagnacht nicht mehr schlaffen konnte, kam ich am Dienstagabend vom Sport nach Hause und sah mich dem nächsten Feuer gegenüber." Dieses Mal wurde die gegenüberliegende Hecke des derzeit leer stehenden Hauses direkt an der ehemaligen Endhaltestelle angezündet. "Das war dann endgültig zu viel. Ich habe mit einem Nachbarn meine Wohnung betreten, ein paar Sachen gepackt und bin vorübergehend bis Sonntagabend ausgezogen."
Polizeisprecher Jens Lauer bestätigt die Vorkommnisse. Wer die Brände gelegt hat, sei allerdings nicht bekannt. "Im ersten Fall hat ein Zeuge vier junge Personen wegrennen sehen.", sagt Lauer. Um wen es sich dabei gehandelt, sei nicht festzustellen gewesen. Unmittelbar nach dem zweiten Brand habe man eine Gruppe junger Menschen vor Ort kontrolliert, in direkten Zusammenhang mit dem Brand seien sie aber nicht zu bringen gewesen.
Silvia Kaufmann und weitere Anwohner haben sich an Bezirksvorsteherin Tina Hülle und den Bezirksbeirat Stammheim gewandt. In der jüngsten Sitzung vergangene Woche brachten sie ihre Sorgen vor. "Es sollte dort mehr kontrolliert und die Beleuchtung verbessert werden", forderte Kaufmann, die seit zwölf Jahren in Stammheim lebt und dies auch weiterhin tun möchte. Sie bat den Bezirksbeirat, rasch zu klären, was mit dem leer stehenden Gebäude an der Poppenweilerstraße geschieht. "Vielleicht könnte man einen Bauzaun aufstellen, der hilft."
Dem zuständigen Revierleiter Dieter Steinmann, der ebenfalls an der Sitzung teilgenommen hatte, ist der Sachverhalt bekannt. Das Gebiet werde von den Polizeibeamten verstärkt bestreift, auch Kontrollen würden durchgeführt. Steinmann unterstrich bei der Gelegenheit seine Forderung nach Jugendsozialarbeitern im Stadtbezirk: "Seit Jahren weise ich in diesem Gremium darauf hin, welche Entwicklung die Jugendkriminalität im Stadtbezirk nimmt." Es gebe keinen Anlass, Panik zu machen, jedoch sei der negative Trend nicht von der Hand zu weisen. "Es ist in Stammheim mittlerweile eine Entwicklung eingetreten, die Maßnahmen erfordert, die außerhalb des Aufgabenbereichs der Polizei liegen." Schon seit Jahren fordern Bezirksbeiräte und Polizei für den Stadtbezirk Mobile Jugendarbeit. "Mein Ruf in den Wald ist leider verhallt", bedauert der Revierleiter. Den Anwohnern sagte er ein Gespräch mit dem Präventionsbeamten zu. Es findet am Mittwoch statt. "Ich verspreche, wir lassen Sie nicht im Stich."
Das angesprochene Grundstück mit dem leer stehenden Haus gehört der Stadt Stuttgart. Das Gebäude soll abgerissen werden, um Platz für neue Wohnhäuser zu machen. Die Heckenreste sollen "so bald wie möglichst entfernt werden", äußert sich ein Mitarbeiter des zuständigen Amtes für Liegenschaften und Wohnen.