Brandschutz Stuttgart 21 Stadt überweist 930.000 Euro an die Bahn

Von Konstantin Schwarz 

Im Brandfall muss Rauch aus den Tunneln des Bahnprojekts Stuttgart 21 abziehen können. Dazu braucht es Gebläse. Eines davon will die Bahn am Wartberg platzieren. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Im Brandfall muss Rauch aus den Tunneln des Bahnprojekts Stuttgart 21 abziehen können. Dazu braucht es Gebläse. Eines davon will die Bahn am Wartberg platzieren. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Im Rahmen der Bauarbeiten für Stuttgart 21 wird der geplante Rauchabzug für den Tunnel verlegt. Die Senioren am Killesberg sind damit nicht mehr betroffen, dafür aber andere Anwohner.

Stuttgart. - Die Deutsche Bahn AG darf sich auf einen Zuschuss für ihr Projekt Stuttgart 21 aus der Stadtkasse freuen. Die Stadt wird außerhalb des Finanzierungsvertrages 930 000 Euro für die neue Bahn-Infrastruktur beisteuern.

Mit der Summe soll die Verlegung eines Entrauchungsbauwerks eines Tunnels beglichen werden. Der Rauchabzug war ursprünglich auf dem Killesberg an der Oskar-Schlemmer-Straße geplant. Das Gebäude dafür würde „mitten im Innenhof des Augustinums realisiert werden müssen“, sagt ein Projektsprecher. Dagegen hatte sich die DFH Immobilien Verwaltungsgesellschaft Augustinum KG, die ihre Seniorenresidenz im höheren Preissegment angesiedelt hat, früh zur Wehr gesetzt. Beim Kauf des Grundstücks, auf dem zuvor Messehallen standen, erwirkte DFH von der Stadt im Jahr 2006 wegen des Abzugs einen Abschlag von 930 000 Euro. Die Entrauchung war bereits genehmigt, die Bahn hätte also einen 80 Meter tiefen Schacht bis zum Tunnel graben können.

Stadt: Alter Plan städtebaulich unbefriedigend

Die Stadt hatte die Verlegung angeregt, denn die Entrauchung in der Nähe hochwertiger Wohnbebauung sei „städtebaulich unbefriedigend“. Grundstücke sind dort 1380 Euro pro Quadratmeter wert. Die Bahn präsentierte eine Lösung: Im Brandfall könne Rauch aus den Tunneln vom Hauptbahnhof nach Feuerbach über einen Baustollen unter dem Wartberg entweichen. Er endet bei der Stresemannstraße am Pragtunnel. Hier ist auch eine Rettungszufahrt vorgesehen.

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Die Verlegung sei machbar und beantragt, teilte die Bahn ihren Partnern Land, Stadt und Region Stuttgart im jüngsten S-21-Lenkungskreis mit. Die Bau- und Planungskosten stiegen. Die Stadt hatte 2008 74 789,92 Euro für die Planung bezahlt, nun überweist sie den Rest bis zu 930 000 Euro, also das, was das Augustinum nachzahlen muss, weil dessen Hof frei bleibt.

„Wichtig ist: Der Stadt entstehen keine Mehrkosten“, sagt Stadtsprecher Sven Matis. Aber auch keine zusätzlichen Einnahmen. Und: „Mit der Weiterreichung teilt die Stadt den finanziellen Vorteil mit den übrigen Finanzierungspartnern“, sagt der Projektsprecher.

Anwohner fordern finanziellen Ausgleich

In der Verlegung sehen die Anwohner am Wartberg und im Dornbusch Nachteile für sich. Wenn für das Augustinum eine Wertminderung anerkannt worden sei, dann müsse auch gelten, das „unsere Familien nicht weniger schützenswert sind als die Senioren“. Man habe, so die Anwohner-Initivative Netzwerk Killesberg, einen Alternativstandort für die Entrauchung vorgeschlagen. Doch weder Stadt noch Bahn seien darauf eingegangen.

Die Anwohner fordern nun, die Nachzahlung des Augustinums als Ausgleich für die Wertbeeinträchtigung ihrer Grundstücke (1280 bis 1540 Euro pro Quadratmeter) einzusetzen. „Wir sind keine Bürger zweiter Klasse“, heißt es in einem Schreiben an OB Fritz Kuhn (Grüne). Der Brief sei da, bestätigt Matis, „unsere Experten kümmern sich darum“. Die Anwohner, sagt er, könnten Einwendungen im Planänderungsverfahren vorbringen. Die zwei Ventilatoren in dem Abzug (52 Meter lang, 23 breit und 13 hoch) würden einmal jährlich zur Probe unter Volllast laufen, der Lärmschutz werde sicher eingehalten, sagt der S-21-Projektsprecher. Es gebe keine genehmigungspflichtige Betroffenheit der Anwohner.

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