Bonde in der Kritik Fischer wollen keine Förster sein

Von Arnold Rieger 

In den letzten Tagen erreichen Agrarminister Alexander Bonde (Grüne) wütende Briefe, die in dem Vorwurf gipfeln, er schade dem Berufsstand der Fischer. Ursache des Aufruhrs ist eine Umorganisation in Bondes Ministerium.

Stuttgart - Das Verhältnis von Alexander Bonde, Minister für ländlichen Raum, zu den Vertretern der klassischen Land- und Forstwirtschaft ist seit jeher ziemlich gespannt. Jetzt hat sich der Grünen-Politiker auch noch den Zorn der Fischer zugezogen. In den letzten Tagen erreichten ihn wütende Briefe, die in dem Vorwurf gipfeln, er schade ihrem Berufsstand.

Ursache des Aufruhrs ist eine Umorganisation in Bondes Ministerium. Seit 15. Januar ist dort nämlich für die Fischerei nicht mehr die Abteilung 2 (Landwirtschaft) zuständig, sondern die Abteilung 5 (Waldwirtschaft, Forst BW). Was aussieht wie ein alltäglicher Verwaltungsakt, ist für die Berufsfischer eine Art Heimatvertreibung.

„Ich bin Landwirt, warum soll ich jetzt plötzlich bei der Forstwirtschaft sein?“, sagt Andreas Zordel, Vizechef des Landesverbands der Berufsfischer und Teichwirte. Fischzucht zähle zur klassischen tierischen Produktion und sei Bestandteil der landwirtschaftlichen Urproduktion. Es sei ihm unerklärlich, weshalb plötzlich die Fischerei der Forstverwaltung zugeordnet werde. Bonde, so schreibt Verbandschef Ulrich Hargina in einem Brief, der auch an den Ministerpräsidenten ging, möge das doch bitte zurücknehmen.

Die bayerischen Kollegen springen ihm zur Seite und argumentieren, Teiche würden häufig als bäuerlicher Nebenerwerb betrieben: „Mit Forstwirtschaft hat die Fischerei rein gar nichts zu tun.“ Ihnen drängt sich vielmehr der Verdacht auf, die Umstrukturierung diene dazu, die Fischerei aus der Landwirtschaft herauszulösen, „um sie im Sinn der Naturschutzabteilung indoktrinieren zu können.“

Das ist zwar wieder eine andere Baustelle, denn den Naturschutz hat Bonde in Abteilung 6 untergebracht. Doch bereits in der Abteilung 5 (Forst), so unken die Fischer, hätten die Naturschützer über Gebühr ihre Finger im Spiel. Jedenfalls stärker als in der Landwirtschaft.

Naturschützer – das ist für den FDP-Landtagsabgeordneten Friedrich Bullinger in erster Linie der Nabu-Landesvorsitzende André Baumann. Der hab doch schon im Sommer 2013 öffentlich gefordert, Bonde müsse die Fischerei aus der Landwirtschaftsabteilung herauslösen. Dabei habe Baumann auch noch das eigenwillige Argument gebraucht, dass Fische ja keine Kartoffeln seien. „Fische sind aber auch keine Bäume und gehören somit nicht in die Forstabteilung“, wendet der Abgeordnete ein – und kündigt schon mal an, die FDP werde diese Reform im Fall einer Regierungsbeteiligung wieder rückgängig machen.

In der Tat haben der Nabu und die Fischer schon so manchen Strauß miteinander ausgefochten. Meist geht es um den Kormoran, der nach Ansicht der Naturschützer zu Unrecht im Ruf steht, mit seinem Hunger den Ertrag der Fischer zu schmälern.

Als im September die Fischereiforschungsstelle Langenargen in einer Studie empfahl, zahlreiche Kormorane abzuschießen, zog auch diese zur Landwirtschaftsverwaltung gehörende Behörde den Zorn des Nabu auf sich. Mehrfach, so Bullinger, habe Baumann daraufhin gefordert, die Fischerei der Landwirtschaft zu entziehen.

Der Nabu-Chef bestreitet seinen Einfluss auf Bonde: „Ich bin keine Außenstelle des Ministeriums.“ Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte der Minister bei seiner internen Reform die Fischer nicht zum Forst, sondern zum Naturschutz gesteckt. Baumann: „Aber besser Bäume als Kartoffeln.“ Der Forst sei ja immerhin für Wildtiermanagement zuständig. Es mache jedenfalls keinen Sinn, selbst streng geschützte Fische der Landwirtschaft zuzuordnen.

Bisher deutet nichts darauf hin, dass Bonde die Umverteilung wieder rückgängig macht. Sie habe „ausschließlich arbeitsökonomische Gründe“, sagt er. Außerdem bleibe ja die Zuständigkeit der Personen für das Sachgebiet unverändert. Soll heißen: Auch weiterhin sind Fischfachleute für die Fische zuständig, keine Förster. Doch Bondes Gegner glauben das nicht. Die ganze Aktion, so mutmaßen sie, sei eine „Disziplinarmaßnahme“ für die Fischer.

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Kommentar zur AfD Rechtlich zulässig, moralisch bedenklich

Von 25. Juli 2016 - 19:49 Uhr

Der Zusammenschluss aus 14 Abgeordneten, die die AfD-Fraktion im baden-württembergischen Landtag verlassen haben, ist eine reguläre Fraktion. Das sei zwar rechtlich zulässig, moralisch aber bedenklich, meint unser Kommentator.