Böblingen/Berlin Ein Böblinger verabschiedet Gauck

Von Gerlinde Wicke-Naber 

Selfie mit dem Staatsoberhaupt: Isaac González (rechts) war in Berlin. Foto: privat
Selfie mit dem Staatsoberhaupt: Isaac González (rechts) war in Berlin.Foto: privat

Isaac González war beim Zapfenstreich im Schloss Bellevue für den Bundespräsidenten dabei.

Böblingen/Berlin - Wie er zu dieser Einladung gekommen ist, weiß Isaac González nicht. Vor ungefähr zwei Wochen flatterte ihm ein Brief ins Haus: Der damals noch amtierende Bundespräsident Joachim Gauck lud ihn zu seinem großen Abschied ins Schloss Bellevue ein. Der 45-Jährige war einer von etwa 300 ehrenamtlich engagierten Menschen aus ganz Deutschland, die sich das Staatsoberhaupt , das am Sonntag abtrat, bei seiner Verabschiedung als Gast wünschte.

Vor dem großen Zapfenstreich, der live von mehreren Fernsehsendern übertragen wurde, empfing Gauck die 300 Ehrenamtlichen in seinem Amtssitz im Schloss. „Er nahm sich viel Zeit, auch für Fotos“, sagt González, der selbst ein Selfie mit Gauck machte.“ Er habe aber auch Zeit gehabt, ihm von seiner ehrenamtlichen Arbeit zu erzählen. Engagiert ist der Böblinger bei der Integration von Flüchtlingen. Mit jungen Geflüchteten hat er den Verein „Wir sind da“ gegründet – ein Selbsthilfenetzwerk, das schon mehr als 500 Mitglieder hat – junge Einheimische und Flüchtlinge, die sich gegenseitig unterstützen.

Der spanische Katalane verehrt Goethe und Lessing

In seiner Rede habe Gauck ausdrücklich den großen Einsatz der Flüchtlingshelfer bundesweit hervorgehoben, sagt González. Er habe die Freiwilligen aufgefordert, „lauter zu werden“ für ein „vielfältiges Deutschland“. Dies versteht der 45-Jährige als Bestätigung und als Ansporn.

Vor 23 Jahren ist González nach Deutschland gekommen. Er stammt aus Barcelona. „Ich bin Spanier und Katalane“. Die großen deutschen Klassiker Goethe, Schiller und Lessing waren der Grund für die Immigration. „Nathan der Weise ist für mich ein Schlüsselwerk“, sagt González, „die Verständigung zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Religionen mein Lebensthema.“

Politik ist seine Leidenschaft

Er studierte in Freiburg, Würzburg und Tübingen. Seit elf Jahren ist er Deutsch-, Gemeinschaftskunde-, Geschichts- und Spanischlehrer am Kaufmännischen Berufsschulzentrum in Böblingen. Daneben engagiert er sich in der Lehrergewerkschaft GEW. Vor allem die politische Bildung der jungen Leute liegt ihm am Herzen. Dabei kooperiert er mit Parteien aller Couleur. Er kandidierte bei der letzten Kommunalwahl für ein Kreistagsmandat auf der Liste der Linken, schaffte aber nicht den Sprung. Mitglied bei den Linken sei er aber nicht, sagt der überzeugte Demokrat. „Ich mache Veranstaltungen mit der CDU, der SPD, der FDP und den Grünen.“

Er organisiert mit dem Flüchtlingsverein „Wir sind da“ eine politische Bildungsreise im Herbst nach Berlin. Das aktuelle Projekt der Gruppe ist ein Film: mit Porträts­ von Flüchtlingen und Ehrenamtlichen. Dazu kommen Interviews mit Kommunalpolitikern. Ganz oben auf der Wunschliste von Gesprächspartnern steht für González der Landrat Roland Bernhard – wegen dessen Willkommenskultur.

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