Der erste 3er lief 1975 in München vom Band. 36 Jahre und 12,51 Millionen Exemplare später hat vor wenigen Wochen die Produktion der nunmehr sechsten Generation begonnen– zeitgleich in München, Regensburg, Rosslyn/Südafrika und Shenyang/China. Dass die Zeit reif für einen Nachfolger ist, belegen die Zulassungszahlen des laufenden Jahres in unbestechlicher Art und Weise: Der BMW 3er, der sich innerhalb der Mittelklasse traditionell einen Dreikampf mit Audi A4 und Mercedes-Benz C-Klasse liefert, liegt derzeit hierzulande nur noch auf dem dritten Rang. Für ein Auslaufmodell, das seit 2005 gebaut wurde, ist das kein Beinbruch. Nach 7er, 5er, 6er und 1er erfährt nun auch der 3er einen Modellwechsel und ist ab 11. Februar 2012 bei den Händlern.
Auf dem Parkplatz steht ein Dutzend 3er in Reih und Glied. Nur 3er? Nein, irgendjemand hat hier auch zwei 5er abgestellt. An Heck und Flanke werden lediglich ausgewiesene BMW-Kenner die Eigenheiten der beiden Modelle erkennen. Eine Unterscheidung der Limousinen fällt aber leicht, wenn man die Fahrzeuge von vorn sieht. Die Designer haben Mut bewiesen, denn der neue BMW 3er blickt mit eigenständigem Gesicht auf die Straße: Seine aufwendig gestalteten Scheinwerfer reichen von außen bis weit in die Fahrzeugmitte zur silbernen, etwas nach vorn geneigten BMW-Niere. Das Erkennungszeichen der Marke wiederum wird in einer neuen Form präsentiert: Es wirkt durch die freigelegten Seiten erstmals dreidimensional und ist dadurch mehr als nur ein doppelter Chromring. Wer bisher glaubte, der 5er Gran Turismo habe eine Haifischnase, sollte sich den 3er mal genauer angucken.
Individualisierung ist eines der am häufigsten benutzten Worte der letzten Jahre – das gilt für die Marketingabteilungen nahezu aller Automobilhersteller. Die Folge davon sind seitenlange Preislisten oder langwierige Klickprozeduren im Online-Konfigurator: Bis sämtliche Farbkombinationen durchgespielt und alle gewünschten Extras ausgewählt sind, vergeht viel Zeit. In Zukunft hat es der BMW-Kunde wieder etwas leichter. Was mit dem kürzlich eingeführten 1er begonnen wurde, wird beim 3er fortgeführt: Drei Ausstattungslinien – sportlich, modern und luxuriös – stehen zur Wahl. Räder, Polsterung und Kontrastleisten sind zu einem Aufpreis von 1900 Euro aufeinander abgestimmt. Angesichts dessen, dass sich die drei Varianten auf allerhand Zierrat beschränken, erscheint die Bezeichnung Design-Linie ehrlicher.
Wer sich nicht zwischen dem Dreierpack entscheiden kann: Eine Basisversion wird auch angeboten, und die Preisliste ist mit über 30 Seiten nicht wirklich dünner geworden. Darin findet sich unter anderem der Spurhalteassistent (Aufpreis 520 Euro) und ein Parkassistenzpaket (Aufpreis 1490 Euro). Zweifellos ist der 3er technisch nahe an 5er und 7er herangerückt: Abgesehen vom Nachtsichtgerät Night Vision sind gegen Aufpreis fast alle elektronischen Assistenz- und Unterhaltungssysteme lieferbar. Der Innenraum hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell ordentlich gemacht: Die Passagiere gucken auf die in organischen Formen geschwungenen unterschiedlichen Materialien und erfreuen sich an der Brillanz des bis zu 8,8 Zoll großen Bildschirms.
Beeindruckend ist die Wirkung des sogenannten Fahrerlebnisschalters: Im Eco-Modus wird der Gasfuß elektronisch gezügelt und der eingesparte Sprit in Form der zusätzlich möglichen Reichweite sichtbar gemacht. Die spürbare Spreizung zwischen harter und komfortabler Abstimmung ist den Ingenieuren mit dem adaptiven Fahrwerk (Aufpreis 1100 Euro) gelungen: Auf Knopfdruck ändern die Dämpfer ihre Arbeitsweise.
Die treue 3er-Kundschaft kann zwischen vier Motoren, je zwei Benziner und Diesel, mit Leistungen zwischen 120 kW (163 PS) und 225 kW (306 PS) wählen – auch ein Sechszylinder ist weiterhin im Angebot. Alle Triebwerke lassen sich mit der Achtstufenautomatik (Aufpreis 2260 Euro) kombinieren. Unangefochtener Spritsparmeister ist der 320d als Efficient-Dynamics-Edition, der nach der Norm mit 4,1 Liter Diesel auf 100 Kilometern auskommt.
